Deponie-Sanierung

BASF will Altlast im Boden der Kesslergrube lassen

Ralf Staub

Von Ralf Staub

Mi, 19. Juni 2013 um 20:27 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Der Chemiekonzern BASF und das Pharmaunternehmen Roche haben erläutert, wie sie die Deponie Kesslergrube sanieren wollen. Dass die BASF ihre Altlast im Boden lassen und dort sichern will, gefällt nicht allen in Grenzach.

Die Sanierung der Kesslergrube wird das nächste große Thema in der Gemeinde werden, das zeichnet sich ab, nachdem am Dienstag Vertreter des Landratsamtes sowie der Firmen Roche und BASF ihre detaillierten Konzepte vorstellten, begleitet von zahlreichen kritischen Fragen aus den Reihen des Bürgerforums und der Gemeinderäte. Diese bezogen sich weitgehend auf die von BASF geplante Sicherung der Deponie mit einer riesigen Dichtwand, während die Pläne von Roche, ihre Grube komplett auszuräumen mit Beifall bedacht wurde.

Der Auftritt: Die Verantwortlichen für die Beseitigung der Altlasten in den Konzernen Richard Hürzeler (Roche) und Daniel Rehm (BASF) waren am Dienstag in Begleitung ihrer Ingenieurbüros in das Haus der Begegnung gekommen, um ihre unterschiedlichen Sanierungskonzepte vorzustellen und Rede und Antwort zu stehen. Dabei wurde deutlich: Die Firmen arbeiten bereits bei den Voruntersuchungen, die bisher 1,5 Millionen Euro gekostet haben, eng zusammen und werden dies auch bei der eigentlichen Sanierung tun. Zuvor hatte Georg Lutz, Leiter des Fachbereiches Umwelt im Landratsamt, die Situation der Kesslergrube erläutert, in der seit Jahrzehnten ein Gemisch aus Bauschutt, Hausmüll und Chemieabfällen lagert. In jahrelanger Erkundung hat sich herausgestellt, dass die Grube sanierungsbedürftig ist, weil das Grundwasser bereits mit Stoffen aus der Grube (Ammonium, Chlorbenzole) belastet ist. Lutz betonte, dass beide Sanierungswege, die die Firmen gewählt haben "rechtlich zulässig und zielführend" sind.

Kritiker im Saal: Mit dem Basler Martin Forter saß der ausgewiesene Experte in Sachen Altlasten zwar im Saal, durfte aber als Nichteinwohner keine Fragen stellen. Das übernahm dann das Bürgerforum, das sich zu Jahresbeginn im Zuge der Diskussion um die Ansiedlung der Firma Zimmermann gebildet hatte. Markus John fragte nach dem "moralischen Kompass der BASF", weil sie die Giftstoffe nicht ausräumen, sondern lediglich "in Sicherungsverwahrung" nehmen will. Er hat ausgerechnet, dass es mindestens 1000 Jahre dauern wird, bis die unerwünschten Substanzen durch das Abpumpen des Grundwassers unter der Altlast entfernt sind – für ihn ist das BASF-Vorhaben keine nachhaltige Sanierung. Petra Ogermann hegte den Verdacht, dass die BASF die Bebauung im Bereich der Altlast lediglich als Vorwand dient, um die teurere Variante einer Sanierung umgehen zu können. Michael Bertram, von Haus aus Wirtschaftsförderer, wies daraufhin, dass eine hochwertige Nutzung nur sehr schwer zu vermarkten sei, solange die Belastung im Boden bleibt.

Kritiker am Ratstisch: Mit dem Verbleib der Altlasten im Boden haben sich die Gemeinderäte bisher nicht angefreundet: Bernd Herzog (FDP) vermutet, dass BASF unter Ausnutzung des rechtlich Möglichen eine kostengünstige Lösung anstrebt, Ulrike Ebi-Kuhn (CDU) wundert sich, das bei einer Altlast zwei unterschiedliche Sanierungsmethoden zulässig sind, Heinz Intveen (SPD) entlockte den Industrievertretern die Antwort, dass die Überdeckelung wohl mindestens 100 Jahre bleiben würde, während Rolf Rode (Freie Wähler) wissen wollte, ob ohne die Kläranlage auf dem Areal auch eine andere Sanierungsmethode auch für den BASF-Teil denkbar wäre. Ähnlich sieht es auch Hansrudi Oertlin (Grüne): eine viel zu große Kläranlage mit einem großen Sanierungsbedarf.

Die Entgegnung: BASF-Altlastenexperte Daniel Rehm erklärte, dass nicht voreingenommen, sondern ergebnisoffen die idealste Variante gewählt worden sei. Für die Abdichtung spreche nicht nur die vorhandene Kläranlage, sondern vor allem auch die schiere Größe und die bestehende Nutzung des Areals. Der Aushub der gesamten Grube hätte wohl mindestens 250 Millionen Euro gekostet, so Rehm. Auch die Roche beratenden Ingenieure kommen zu dem Schluss, dass eine Wand um die ehemalige Geigy-Grube die sinnvollste Lösung darstellt.

Der Ablauf: Die Präsentation im Gemeinderat sei "nur der erste Schritt", so Bürgermeister Jörg Lutz. Die Detailplanung läuft weiter, 2014 findet das öffentliche Verfahren mit Bürgerbeteiligung statt. Anschließend wollen die Firmen mit der Sanierung loslegen.
Kesslergrube

Die Grube, gelegen zwischen Rhein und der Bahnlinie, ist eine ehemalige Kiesgrube, die bis Mitte der 1970er Jahre mit rund 300 000 Kubikmetern Industriemüll, Bauschutt, Erdaushub sowie Haus- und Gewerbemüll verfüllt wurde. Sie umfasst eine Fläche von mehr als fünf Hektar (52 000 qm).

Die Firmen Roche und BASF informieren im Internet ausführlich über die Sanierung der Altlast unter http://www.kesslergrube.de

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