Das Konzept der Lindenschule steht

Rolf Reißmann

Von Rolf Reißmann

Fr, 06. Oktober 2017

Grenzach-Wyhlen

Vorbereitungen auf Ganztagesbetrieb im kommenden Schuljahr.

GRENZACH-WYHLEN. Eineinhalb Jahre lang dauerten die Vorbereitungen für die Ganztagsbetreuung an der Lindenschule. Jetzt steht das Konzept. Schulleiter Ernst Niepmann und seine Stellvertreterin Kristina Peper stellten es am Donnerstag vor. Wegen der sehr beengten Raumsituation wird die Ganztagsbetreuung stufenweise eingeführt, im kommenden Schuljahr wird sie zunächst den Schülern der 1. und 2. Klassen angeboten, im Jahr darauf den 3. Klassen und ab 2020 können dann die Kinder aller vier Klassenstufen davon Gebrauch machen.

Die Lindenschule wird für den Ganztagsunterricht ein Wahlangebot unterbreiten, das heißt: Eltern und Kinder müssen sich entscheiden, ob sie davon Gebrauch machen oder nicht, kurzfristige Wechsel gibt es dann nicht. An vier Tagen gestaltet die Schule jeweils sieben Stunden, die ausgefüllt werden mit Unterricht und anschließender Beschäftigung. Ab Klasse 2 gehört mindestens eine Stunde Nachmittagsunterricht dazu. Entscheidungsgrundlage war die von der Gemeinde für beide Grundschulen durchgeführte Befragung der Eltern. "Wir haben daraus vor allem den Wunsch erkannt, dass Kinder ihre Hausaufgaben in der Beschäftigungszeit erledigen sollten", beschrieb Ernst Niepmann. "Klare Meinung der Eltern war, dass die Kinder, wenn sie nach Hause kommen, wirklich mit den Schulaufgaben fertig sein sollen."

Dieses Anliegen war der Grund dafür, dass die Lindenschule ihr Nachmittagsprogramm anders ordnet, als es seit diesem Jahr an der Grenazcher Bärenfelsschule abläuft. Ruhe oder Aktivität nach eigenem Ermessen, aber vor allem Lernzeit soll es geben. Die Verteilung der Inhalte aus dem Unterricht auf den gesamten Tag sei von großem Vorteil, weil Kinder auf diese Weise Gelegenheit zu Wiederholungen hätten und weniger konzentriert belastet würden. Insgesamt bietet das Konzept mehr qualifizierte Lernzeit mit den Lehrern, deswegen werden wohl in den allermeisten Fällen die Hausaufgaben auch erledigt sein, wenn das Kind nach 15 Uhr die Schule verlässt.

"Die Kinder haben künftig mehr Zeit für die Inhalte."

Ernst Niepmann
Anderseits sollen die Mädchen und Jungen stärker zur eigenständigen Planung ihrer Arbeit angeleitet werden. Sie sollen ihren Rhythmus finden, um die Aufgaben in ganz individueller Struktur zu erfüllen. Eine wichtige Funktion kommt dem sogenannten "Mittagsband" zu, das ist eine einstündige Pause für Essen, Ruhe und Einstimmung auf die kommenden Beschäftigungen. Beibehalten, aber neu im Tagesverlauf verteilt, wird der Atelierunterricht in den Bereichen Sport und Musik. "Erweitern möchten wir unbedingt unseren naturwissenschaftlichen Atelierunterricht, dafür suchen wir auch noch personelle Unterstützung durch Fachleute", ergänzte der Schulleiter. "Gerade die in der vergangenen Woche überreichte Förderung durch die Firma Bayer gibt uns neue Möglichkeiten zur Einrichtung eines neuen Labors."

Als massives Problem erweist sich allerdings die Raumsituation. Die 265 Kinder werden in zwölf Klassen unterrichtet, damit sind alle Räume ausgelastet. Für die Ganztagsbetreuung muss der Werkbereich umgenutzt werden, auch einen Lehrerarbeitsraum wird man wohl aufgeben müssen. Bürgermeister Tobias Benz sicherte die schnelle Prüfung des Raumbedarfs zu. Jetzt, da das Konzept stehe, ließen sich die Erfordernisse präzisieren. Ab dem kommenden Jahr wird es zunächst Umbauten im Bestandsbereich geben, dafür stellt die Gemeinde etwa eine halbe Million Euro bereit. Nach Möglichkeit sollen die Bauarbeiten in den Sommerferien stattfinden, zumindest so, dass sie zum Beginn des Schuljahres 2018/19 abgeschlossen sind. Bereits jetzt werden aber Untersuchungen beginnen, ob das aus dem Jahr 1961 stammende Gebäude aufgestockt werden kann oder einen Anbau erhalten muss. Danach soll die notwendige Schulerweiterung erfolgen. "Allerdings erwarten wir vom Regierungspräsidium die baldige Entscheidung, ob die Lindenschule drei- oder vierzügig weitergeführt wird, denn davon hängt der Raumbedarf ab", sagte Benz.

Bereits jetzt ist absehbar, dass 2020 neunzig Erstklässler eingeschult werden, damit wird eine Vierzügigkeit notwendig. Das jetzige Konzept finde beim gesamten Kollegium und auch bei den Eltern breite Zustimmung, ergänzte Kristina Peper. Der Elternbeirat war ständig in die Überlegungen eingebunden und brachte viele eigene Ideen ein.

Ernst Niepmann hatte vor einigen Jahren noch für die Beibehaltung der jetzigen Schulform plädiert, doch der Wunsch der Eltern nach zeitgemäßer Form habe ihn überzeugt, dieses Konzept voranzutreiben. "Die Kinder haben künftig mehr Zeit für die gleichen Inhalte", freute er sich. Die bisher übliche Früh- und Spätbetreuung von 7 bis 8 Uhr sowie von 15 bis 17 Uhr bleibt in der Hand der Gemeinde. Sie findet zwar in der Schule statt, wird aber nicht von Lehrern begleitet.