Eine Altlastensanierung bewährt sich

Ralf Staub

Von Ralf Staub

Fr, 08. November 2013

Grenzach-Wyhlen

Technischer Ausschuss befasst sich mit Grundwassermodell, Überwachung der Hirschackergrube und Grundlagen zur Kesslergrube.

GRENZACH-WYHLEN. Altlasten und kein Ende: Gleich drei Tagesordnungspunkte hatte der technische Ausschuss am Dienstag zu beraten beziehungsweise als Sachstandsbericht entgegen zu nehmen. Dabei wurden die Ausführungen zum Grundwassermodell, die Grundlagenuntersuchung der Kesslergrube und die Grundwasserüberwachung in der sanierten Hirschackergrube zu einer spannenden Angelegenheit, die am Ende Bürgermeister und Verwaltungsspitze darin bestätigte, auch weiter auf eine Totalsanierung der Kesslergrube zu drängen.

Die Experten
Thomas Holder vom Tübinger Grundwasserforschungsinstitut stellte das fortgeschriebene Grundwassermodell vor, das nach der Erweiterung des Pegelnetzes um 45 Messstellen jetzt noch verlässlichere Daten liefert, anhand derer auch verschiedene Modellrechnungen möglich sind, was sich an der Strömungsrichtung verändert, wenn der eine oder andere Brunnen gerade in Industriebetrieben stillgelegt wird. Weil sich mit einer veränderten Strömung auch die im Grundwasser gelösten Schadstoffe bewegen, kommt dem Modell eine besondere Bedeutung zu. Bürgermeister Jörg Lutz schätzt das Modell als eines der aufwändigsten in Deutschland für eine Kommune ein. Zweiter Experte war Thomas Osberghaus von der Lörracher Firma HPC, der als Gutachter auch bei der Bürgerinformation zur Kesslergrube auf dem Podium saß. Er erläuterte, wie sich die Hirschackergrube heute präsentiert, wie die Kesslergrube voruntersucht wurde – und zog auch Vergleiche zwischen den beiden Altlasten.

Das Grundwasser
Holder zeigte die Grundwasserverhältnisse diesseits und jenseits des Rheins und die unterschiedlichen Fördermengen auf: In der Gemeinde werden etwa 1000 Liter je Sekunde gefördert, in der Schweiz durch die Hardwasser AG und die Industrie zusammen etwa 1000 Liter je Sekunde. Die Fließrichtung der Schadstoffe aus Kessler- und Hirschackergrube steht besonders im Fokus. Anhand der gelieferten Daten zeigt im daraus entwickelten Modell, dass sich die Schadstoffe im Abstrom der Hirschackergrube bereits in 300 Meter auf fünf Prozent verdünnt haben, in einer Entfernung von 1000 Metern beträgt die Konzentration nur noch ein Prozent. Die Fließrichtung ist nach Südosten und somit nicht zur Trinkwasseraufbereitung hin, allenfalls der Rothausbrunnen befindet sich – je nachdem wie sich die Fließrichtung ändert, im Einzugsbereich. "Der reagiert empfindlicher", so Holder. Dies wäre in Betracht zu ziehen, falls etwa bei DSM deutlich weniger Wasser als bisher gefördert würde.

Die Hirschackergrube
Seit die Hotspots ausgehoben sind, wird als zweiter Schritt der Grubensanierung das Grundwasser hydraulisch behandelt: Es werden fünf Liter je Sekunde hochgepumpt, über einen Aktivkohlefilter geleitet und anschließend wieder ins Grundwasser geleitet. Dadurch, so Thomas Osberghaus, habe sich der Abstrom von Schadstoffen nach Süden deutlich reduziert, die Sanierung der Grube wird deshalb als Erfolg angesehen. Diese hydraulische Sicherung ist aber noch Jahre weiterzuführen, weil die Schadstoffe nicht konzentriert austreten, sondern einfach vom Grundwasser ausgeschwemmt werden.

Selbst wenn die Hirschackergrube komplett ausgehoben worden wäre, wäre dies notwendig, so der Altlastenexperte, einfach weil die Schadstoffe seit Jahrzehnten in 25 bis 40 Meter Tiefe im Muschelkalk sitzen. Ein Aushub in diesem Bereich sei undenkbar. Mit den Hot Spots sei ein großer Teil der Quelle beseitigt worden. Über die Sicherung werden etwa LHKW, leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (etwa das früher beliebte Industriereinigungsmittel Tri) aus dem Grundwasser entfernt, täglich etwa 13 Gramm, mit leicht abnehmender Tendenz. Seit die Sicherung läuft, sind es etwa 25 Kilogramm.

Die Kesslergrube
Mit großem Interesse verfolgten die Gemeinderäte die Erklärungen zur Kesslergrube: Osberghaus schildert die Untersuchungsergebnisse aus dem Jahr 2011, ein Auftrag von Roche und BASF. Die Ergebnisse waren auch für die Altlastenkommission Ausgangspunkt der Beratungen. Einige Kernpunkte: Mit 30 Messstellen wurde die Grube so detailliert wie kaum eine zweite in Deutschland untersucht. Von der Schadstoffbelastung her ist die Grube homogen, die vorgenommene Aufteilung in Perimeter sagt nichts über das Gefährdungspotenzial für das Grundwasser aus. Eine Gefahr für Menschen wird ausgeschlossen. 90 Prozent der Schadstoffe liegen im nassen Fuß der Grube, also im Grundwasser. 185 unterschiedliche Substanzen seien festgestellt worden, zehn davon in besonders hohem Ausmaß. "Für uns ist die Grube eine Einheit", so Osberghaus. Im Gegensatz zur Hirschackergrube sei hier ein Komplettaushub möglich, weil die Schadstoffe weit weniger tief im Lockergestein liegen.