Grenzach-Wyhlen

Kurs informiert über Fluchtgründe von Frauen

Sophia Kaiser

Von Sophia Kaiser

Di, 12. Februar 2019 um 14:16 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Ein Kurs in Grenzach-Wyhlen informiert über die spezifischen Fluchtgründe von Frauen und zeigt auf, wie Helfer damit umgehen können.

Die in Deutschland ankommenden Geflüchteten sind immer noch ein wichtiges politisches Thema. Für viele jedoch vor allem ein männliches, insbesondere, was die Fluchtursachen und die Integration betrifft. Frauen würden oft nicht berücksichtigt, wenn es um die Flucht vor Terror oder Krieg geht, so die Meinung der Veranstalter des Kurses "Geflüchtete Frauen in Deutschland", der am Samstag im im evangelischen Gemeindehaus stattfand.

Verschiedene Begegnungen und sensible Themen

Von 10.30 Uhr bis 16.30 Uhr soll es um frauenspezifische Fluchtgründe, die Probleme geflüchteter Frauen in Deutschland und die nötigen Kompetenzen im Umgang mit ihnen gehen. Referentin Regine Gnegel, Sozialpädagogin und Fachberaterin für Flüchtlinge der evangelischen Kirche, ist aus Karlsruhe angereist. Sie führt durch die Vorträge und Situations-Spiele, die verschiedene Begegnungen und sensible Themen – etwa die Familie – für geflüchtete Frauen näherbringen sollen. Ihre Mit-Referentin Magdalene Leytz konnte krankheitsbedingt nicht teilnehmen.

Viele der Teilnehmer sind Ehrenamtliche, die für Organisationen wie den Amiko Helferkreis aus Grenzach-Wyhlen tätig sind. Andere unterrichten Geflüchtete oder betreuen sie bei der Integration und bei Behördengängen. Sie erhoffen sich ein besseres Verständnis im Umgang mit geflüchteten Frauen und wollen Hemmungen abbauen.

Bis auf Jörg Hinderer, Beauftragter für Flucht und Migration der Kirchen im Markgräflerland und Mitveranstalter der Fortbildungsreihe, besteht die Runde nur aus Frauen. Er selbst findet das fehlende männliche Interesse schade. "Wir haben extra zur Einladung geschrieben, dass Männer willkommen sind. Vielleicht haben sich einige von dem Namen des Vortrags abschrecken lassen", sagt er.

Der Wille, Neues zu lernen und kulturelle Unterschiede zu überwinden, ist bei allen Teilnehmern spürbar. Die bereits gesammelten, eigenen Erfahrungen im Umgang mit Geflüchteten bringen konkrete Beispiele in die Teilnehmerrunde und bieten Möglichkeiten zur Diskussion.

Frauenspezifische Ursachen

Der Vortrag von Gnegel zeigt, dass Frauen und Kinder einen großen Anteil der Gesamt-Flüchtlingszahlen ausmachen. Fluchtursachen wie häusliche Gewalt, Ehrenmord, Zwangsehe und Genitalverstümmelung seien frauenspezifisch. Auch während der Flucht und in den Aufnahmestellen erführen Frauen viel Gewalt durch Schlepper oder andere Geflüchtete. Nach der Unterbringung in Deutschland hätten vor allem Frauen mit Familie Probleme dabei, eine Arbeit zu finden oder sich weiterzubilden, da sie ihre Kinder betreuen müssen.

"Beim Umgang mit Frauen ist die Sensibilisierung wichtig. Viele Fluchtursachen sind mit Scham und Angst behaftet. Es braucht geschultes Personal und auch weibliche Dolmetscherinnen, die wissen, wie man mit diesen Frauen umgehen muss."

Ute Henninger-Sehling vom Amiko Helferkreis ist am Samstag auch dabei. Sie hat selbst Erfahrungen mit den geflüchteten Frauen in Grenzach gemacht. "Einige waren schon zu Beginn sehr mutig und haben beim Dolmetschen geholfen. Andere waren schüchtern und haben in der Unterkunft auch selten ihr Zimmer verlassen. Wir haben aber schnell gemerkt, dass die Frauen später teilweise sprachlich fitter waren als ihre Männer. Da hat sich dann unser Augenmerk verschoben", erzählt sie.

"Viele Fluchtursachen von Frauen sind mit Scham
und Angst behaftet."Regine Gnegel
Bei gemeinsamen Kochabenden oder dem monatlichen Amiko Kirchencafé sollen die Frauen bei Verkäufen mit eingebunden werden und sich austauschen können. "Bei Amiko sind die Frauen in einem geschützten Umfeld. Da ist es auch kein Problem, dass ihre Männer sie gehen lassen", erklärt Henninger-Sehling. "Das Sprachenlernen ist für die geflüchteten Frauen auch wichtig, bei der VHS gibt es Kursmöglichkeiten mit Kinderbetreuung." Sowohl die Teilnehmer als auch Hinderer und Gnegel finden allerdings auch, dass es neben Frauen- auch Männergruppen für Geflüchtete braucht. Auch die haben nämlich ihre ganz eigenen Probleme. "Alleinstehende Männer haben meistens einen Nachteil beim Asylantrag oder schon beim Finden einer Wohnung. Da werden oft Familien bevorzugt", sagt Gnegel.

Auch Henninger-Sehling betont, dass nach der ersten Kontaktaufnahme vor allem die Einzelbetreuung wichtig sei. "Dabei betreuen zum Beispiel Frauen andere geflüchtete Frauen und sprechen mit ihnen über ihre Bedürfnisse, helfen ihnen bei Behördengängen und Ähnlichem. Da brauchen wir noch mehr ehrenamtliches Engagement. Manchmal hilft auch schon die Mitarbeit an einem einzelnen Projekt, wenn man das Gefühl hat, sich sonst zu lange zu binden."
Information

Die Veranstaltung ist das siebte Modul der Reihe "Engagiert mit geflüchteten Menschen", das von Oktober 2018 bis April 2019 im Landkreis Lörrach stattfindet und vom Ministerium für Soziales und Integration durch Landesmittel unterstützt wird. Die kostenlosen Kurse werden vom Caritasverband Lörrach, dem Diakonischen Werk, der Diözesanstelle Hochrhein, der evangelischen Erwachsenenbildung und dem katholischen Bildungszentrum Waldshut veranstaltet.