Leserbriefe

Yvonne Weber, Grenzach-Wyhlen

Von Yvonne Weber & Grenzach-Wyhlen

Fr, 12. Juli 2013

Grenzach-Wyhlen

KESSLERGRUBE
"Giftstoffe unseren Enkeln vererben?"
Zur laufenden Berichterstattung erreichte uns dieser Leserbrief:
Nachhaltig sanieren oder Giftstoffe unseren Enkeln vererben? Ist dies eine Frage für Experten, Politiker, Juristen, Behörden oder doch "nur" des gesunden Menschenverstandes? Kurz zur Ausgangslage: Die Kesslergrube ist mit chemischen Altlasten so stark belastet, dass von den Umweltbehörden Sanierungsmaßnahmen gefordert werden. Die direkt betroffenen Firmen Roche und BASF haben in eigener Regie von zwei unterschiedlichen Unternehmungen umfassende Gutachten zu den verschiedenen Varianten einer Sanierung ausarbeiten lassen. Auf der Basis dieser Gutachten plant Roche eine nachhaltige Sanierung (Totalaushub) ihres Areals, während die BASF die weitaus kostengünstigere Variante einer Einkapselung des verseuchten Geländes bevorzugt. Beide Varianten werden von behördlicher Seite unter bestimmten Rahmenbedingungen als zulässig eingestuft.

Sollten die Pläne der beiden Firmen im kommenden Jahr vom Landratsamt für verbindlich erklärt werden, ist das Roche-Areal in etwa fünf Jahren von allen Giftstoffen bereinigt und erfährt somit eine Aufwertung, die den Weg frei macht für eine wertschöpfende Verwendung dieses Gebiets. Bei BASF bleiben im Gegensatz dazu die gefährlichen Altlasten bei einer Einkapselung des Areals über tausende von Jahren im Boden erhalten. Bei der Einkapselung müssen die ein Meter dicken, 800 Meter langen und bis zu 30 Meter tiefen Betonwände laufend von der Behörde kontrolliert und überwacht werden – denn schon nach 30 Jahren kann der Beton korrodieren und die heutigen Rufe nach einer nachhaltigen Sanierung werden sich wiederholen! Bei unvorhersehbaren Ereignissen wie Materialverschleiß, Überschwemmungen oder Erdbeben stellen die eingeschlossenen Giftstoffe grundsätzlich ein unkontrollierbares Gefahrenpotenzial für die Umwelt (Nähe Rhein) dar.

Die BASF versucht, das Problem durch eine fragwürdige, kostengünstige Sicherungsverwahrung der Giftstoffe zu lösen und damit eine nachhaltige Sanierung – wie Roche es auf dem Nachbargelände in vorbildlicherweise plant – den kommenden Generationen zu überlassen. Die Tatsache, dass sich auf einem verseuchten Gelände keine hochwertigen Unternehmen ansiedeln werden, wird in dem vorliegenden BASF- Gutachten nicht gewichtet, schließlich ist alles im Rahmen des Gesetzes "eingekapselt" und unsere Enkel werden die Verantwortlichen kaum mehr zur Rechenschaft ziehen können. Wo bleibt hier die ethische Verantwortung des Weltkonzerns BASF?
Yvonne Weber, Grenzach-Wyhlen