Mit Charme und schwarzem Humor

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mi, 22. März 2017

Grenzach-Wyhlen

Musikkabarettist Konstantin Schmidt in Grenzach-Wyhlen.

Ganz schön scharf und gefährlich, diese "Waffen einer Frau", die Konstantin Schmidt auf die Bühne mitbringt: pinkfarbene Damenschuhe, gespickt mit nadelspitzen Stacheln. Mit Blick auf diese mörderischen Pumps ist der Kabarettist gleich bei seinem Thema: die Frauen, genauer gesagt seine eigene Frau. "Mit den Waffen meiner Frau" heißt das Programm, mit dem der smarte Kabarettist das Publikum im ausverkauften Theater im Zehnthaus in Grenzach-Wyhlen auf die hintergründige Art amüsiert.

Mit Witz, Charme und Ironie sinniert und singt der Liedermacher über den Alltag nach dem verflixten siebten Ehe-Jahr und den Stress im Büro. Zwischen Szenen einer Ehe und Szenen im Job wechselt Schmidt gewitzt hin und her und greift swingend in die Tasten, um seine hintersinnigen Lieder zu singen. In diesen schwarzhumorigen Chansons zeigt sich der Musikkabarettist als Nachfahre und Geistesverwandter eines Friedrich Hollaender und Georg Kreisler. Mit Charme, Lächeln und Leichtigkeit verpackt Schmidt Boshaftigkeiten, Pointen, Anspielungen und Sticheleien in eingängige Melodien. Diese rabenschwarzen Balladen über die Tücken des Alltags, die vordergründig leicht und locker daherkommen, haben es in sich.

In Liedform und geschliffenen Satiren gibt der singende Spötter Einblicke in das moderne Paar-Leben und die Probleme am Arbeitsplatz. Selbstironisch erzählt er vom ersten Treffen in der Kneipe, wo er seine braunen Lieblingscordhosen und weiße Sportsocken trug. Ganz unromantisch ging auch der Heiratsantrag beim Mittagessen über den Tisch. "Na, endlich", habe seine Frau auf die Frage aller Fragen geantwortet.

In einem kulinarischen Liebeslied erklärt der Kreisler-Verehrer, wie er die Damenwelt mit raffinierten Kochrezepten verführt. In einem anderen Lied fangen die vergessenen Spaghetti, der Wurstsalat und der Joghurt im Bürokühlschrank plötzlich an zu reden. Sehr witzig ist Schmidts Klagearie über "Guido", den Modepapst, der die Frauen verhext und zu "Shopping Queens" macht: "Kleiderkauf im Dauerlauf" reimt der genervte Ehemann über dieses TV-Modeschauen. Dass er zum Liederschreiben in den Keller gehen muss, damit seine werte Gattin in Ruhe die Kuppelshow "Bachelor" gucken kann, sorgt für zustimmende Lacher im Kellertheater.

Mit Humor betrachtet und kommentiert Schmidt das Alltags-, Liebes- und Berufsleben: ob Kochen als Wettkampf, Einkaufstrips oder die digitale Revolution am 3D-Drucker, mit dem er Möbel, Kaffee und Schuhe ausdruckt. Immer wieder schwenkt Schmidt zum Thema Job und Karriere, erzählt über das Management-Seminar, den Chef, der chinesischen Jasmintee trinkt und ein "wandelnder Glückskeks" ist, die neue Controllerin Frau Strack, die aussieht wie seine frühere Mathelehrerin, die Krisen-Meetings, schlechten Kaffee und schlechtes Betriebsklima. Weil es im Job nicht so richtig läuft, fragt der nette Herr Schmidt seine Frau um Rat, was wiederum zu originellen Tipps, Lebensweisheiten und launigen Kabarettchansons führt. Und so, wie Georg Kreisler ein bitterböses Lied über seine Heimatstadt Wien geschrieben hat und Herbert Grönemeyer inbrünstig sein Bochum besingt, widmet Konstantin Schmidt der "Schwarzwaldperle" Waldkirch ein besonderes Ständchen: ein satirisches Lied über die Rollator-Meile auf dem Marktplatz und Rentner, die nie Zeit haben.

Der nächste Auftritt von Konstantin Schmidt in der Region ist am Sonntag, 23. April, 18 Uhr, in der Reihe "Kultur in der Kapelle" in Rümmingen.