Pläne gegen Ausgrenzung

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Sa, 01. Februar 2014

Grenzach-Wyhlen

Das Lise-Meitner-Gymnasium in Grenzach-Wyhlen setzt bei Konflikten auf Prävention und Eigenverantwortung.

Mobbing ist in aller Munde. Auch im Lise-Meitner-Gymnasium in Grenzach-Wyhlen setzt man sich ausgiebig mit dem Phänomen auseinander, das an sich nichts Neues ist, aber unter der griffigen Bezeichnung stark diskutiert wird. Dabei sagt die Schule klar: "Mobbing im fortgeschrittenen Stadium kommt bei uns praktisch nicht vor." Grund dafür sind die zahlreichen Präventionsmaßnahmen, die installiert wurden und die Ausgrenzung Einzelner durch eine Mehrheit verhindern sollen. Ersten Anzeichen tritt man zudem frühzeitig entgegen.

Marit Johannsen ist Beratungslehrerin mit psychologischer Zusatzausbildung für Einzelberatungen. Zudem ist sie am Gymnasium Gewaltpräventionsbeauftragte und arbeitet in diesem Rahmen mit den Schülermentoren in Sachen Streitschlichtung und Mediation. "Mobbing geht von wenigen aus, wird aber von vielen geduldet", sagt sie. Die Schule schließe sich der gängigen Definition für Mobbing an, dass jemand "über einen längeren Zeitraum von mehreren Personen körperlich und/oder verbal angegangen wird." Dass es zu einer solchen extremen Situation komme, sei selten. "Was es aber überall gibt, sind Außenseiter", sagt sie. Damit ein solcher nicht zur Zielscheibe weiterer Hänseleien wird, erarbeitete die Schule einen Eskalationsplan.

In aller Regel, so Johannsen, landen die Informationen über starke Hänseleien oder Gewalt beim Klassen- oder Fachlehrer. Manfred Stratz, der Direktor des Gymnasiums teilt mit, dass das Gespräch zwischen den Beteiligten mit dem Lehrer in den meisten Fällen zu Erfolg führt. Gehen die Konflikte weiter, schaltet sich ein Verbindungslehrer ein, sollte auch das nicht fruchten, wird die Schulleitung aktiv, was laut Stratz aber nur äußerst selten vorkomme. "Wir versuchen bei allen Konflikten, eine Lösung unter den unmittelbar Beteiligten zu finden", sagt Stratz, denn je mehr Ebenen beteiligt würden, umso schwerer würde die Lösungssuche. Bei ernsteren Vergehen tritt die Schule dem Täter entschieden entgegen.

Manchmal mache es auch Sinn, dass ein Problem ohne die direkte Beteiligung von Lehrern gelöst werde, so Johannsen. Sie spricht damit das Streitschlichterprogramm an. Kommt es zu einem Konflikt, können diese Mitschüler als Mediatoren auftreten und verfassen mit beiden Seiten einen Vertrag, der auch unterzeichnet wird. Teilweise wenden sich Schüler direkt an Streitschlichter, teilweise übergeben die Lehrer Streitfälle an die Gruppe von Schülern. Man habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Ansonsten wird am Lise-Meitner-Gymnasium Prävention groß geschrieben. Es gibt sogar einen eigenen Arbeitskreis Gewaltprävention, die schulintern Fortbildungen zu Themen wie Klassenkonflikte oder Mobbing anbieten und Klassenlehrer mit ihrer Kompetenz unterstützen, wenn diese mit Konflikten innerhalb ihrer Klasse alleine nicht fertig werden.

Ansonsten werden altersbezogene Präventionsangebote für die Schüler angeboten. In den fünften Klassen wird eine Wochenstunde für Kompetenzunterricht verwendet, in dem es auch um den richtigen Umgang untereinander geht. In den sechsten bis achten Klassen arbeitet man mit der Polizei zusammen. In Klasse sechs geht es bei Sonderveranstaltungen um Gewalt, Mobbing und Zivilcourage, in Klasse 7 um Medienkompetenz, in Klasse 8 um Alkohol und Drogen. Es sind jeweils mehrere Schulstunden dafür vorgesehen. Und bei Projekttagen gibt es auch stets Workshops zur Selbstbehauptung, was den Teilnehmern Stärke vermittelt.