Schiele-Postkarte bringt 2800 Euro

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Di, 23. August 2016

Grenzach-Wyhlen

Bei der jüngsten Versteigerung im Auktionshaus Stade kamen 22 000 Artikel unter den Hammer.

GRENZACH-WYHLEN. Seit drei Jahren ist in Grenzach-Wyhlen ein Auktionshaus ansässig. "Stade Auktionen" ist eines der wichtigsten Auktionshäuser für historische Ansichtskarten. Aktuell hat Geschäftsführer Daniel Stade weiteres Wachstum verkündet, was sich auch in der Gemeinde bemerkbar machen wird: Ein Lager des Auktionshauses wird in die leerstehenden Räume der ehemaligen Markgrafenapotheke einziehen. Bis es so weit ist, werden aber noch ein paar Postkarten ihren Besitzer wechseln. Wie die Egon-Schiele-Postkarte, die bei der jüngsten Fernauktion 2800 Euro einbrachte.

Die Postkarte der Wiener Werkstätte mit der Nummer 290 zeigt das vom Expressionisten Egon Schiele gemalte Porträt einer Frau. Laut Stade wurde die Karte zwischen 1910 bis 1920 in kleiner Auflage gedruckt. Er geht davon aus, dass es vielleicht noch 30 oder 40 dieser Karten gibt. Die Erfahrung zeigt dem Auktionshausleiter, dass ein Mindestgebot von 2000 Euro realistisch ist.

Bei der Auktion, die am Freitagabend endete, handelte es sich nicht um eine Saalauktion, bei der die Bieter vor Ort ihre Gebote abgeben oder per Telefon oder Internet zugeschaltet sind. Die rund 22 000 Einzelposten wurden in einem etwa 1400 Seiten dicken Katalog abgedruckt und auf verschiedenen Internetportalen präsentiert. Interessenten konnten den Betrag bieten, für den sie eine Karte maximal kaufen würden. Die meisten Gebote gingen per Internet ein, aber viele Sammler nutzen auch weiterhin Faxe oder Briefe, um ihre Höchstgebote abzugeben. Am Samstag wurden die Gebote überprüft. Dabei konnten Bieter durchaus auch Schnäppchen machen, etwa, wenn sich niemand sonst für eine Karte interessierte. Bot man zum Beispiel alleine bis zu 500 Euro für eine Karte mit Startgebot 100 Euro, bekam man den Zuschlag zum Startpreis. Bot ein Konkurrent 250 Euro, wurden ebenfalls nicht die vollen 500 Euro fällig, sondern nur eine Gebotsstufe höher, also 300 Euro.

Sechs Wochen hatten die Bieter Zeit, während denen das Leben in den Betriebsräumen der Stade Auktionen fast normal weiterlief. Es standen vielleicht noch etwas mehr Kisten und Kartons herum als sonst, die bis zu 30 Mitarbeiter und Aushilfen hatten alle Hände voll zu tun, weil schon neue Ware eintraf, die für die nächsten Auktionen gesichtet, katalogisiert, mit einem Preis versehen und gescannt werden musste. Größere Posten gelangen wahrscheinlich in die nächste Saalauktion, besondere Einzelstücke könnten in die nächste Fernauktion aufgenommen werden und andere Postkarten werden in den Ebay-Shop des Unternehmens aufgenommen, wo man aktuell rund 750 000 Karten im Angebot hat, die zum Festpreis verkauft werden. Insgesamt, so schätzt Stade, sind drei bis vier Millionen Karten auf Lager, dazu kommen Briefmarken, Sammelbilder, seltener auch andere Sammelgüter wie Orden oder Medaillen.

Lagerplatz ist darum ein Thema in der Firma, die über der Grenzacher Volksbank sitzt. In direkter Nähe steht die ehemalige Markgrafenapotheke seit drei Jahren leer. Die Räumlichkeiten werden aktuell auf die Bedürfnisse des Auktionshauses renoviert, das dort ein reines Lager für den Ebay-Shop einrichten möchte. Im Januar möchte man die Räume beziehen. Ein Ladengeschäft ist nicht geplant.

Und was brachte nun die Schiele-Karte? Daniel Stade war mit dem Verlauf der Auktion durchaus zufrieden. Für 2800 Euro wechselte die Karte ihren Besitzer. Damit kommt sie lange nicht an die bisher teuerste Postkarte heran, die je bei Stade Auktionen unter den Hammer kam: eine Bauhaus-Karte (Nr. 5) mit einem Motiv von Paul Klee, erzielte das unglaubliche Höchstgebot von 22 000 Euro.