Schüler nehmen Berufe unter die Lupe

Horatio Gollin

Von Horatio Gollin

Fr, 28. Oktober 2016

Grenzach-Wyhlen

"Discover Industry" heißt ein Projekt, an dem das Lise-Meitner-Gymnasium und die Realschule teilnehmen.

GRENZACH-WYHLEN. 190 Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums und der Realschule erleben bei "Discover Industry" jede Menge Aha-Effekte und tauchen tief ein in die Welt der Ingenieurwissenschaften ein. Das Angebot der Baden-Württemberg-Stiftung, des Arbeitgeberverbands Südwestmetall und der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit soll Schüler für technische Berufe begeistern.

Das doppelstöckige Ausstellungsfahrzeug "Discover Industry" steht auf dem Parkplatz der Hochrheinhalle in Wyhlen. Wenn man es betritt, taucht man ein in ein Reich der Technik. An den Wänden stehen dicht gedrängt Ausstellungskästen, Maschinen, Apparate mit unerklärlichen Funktionen. Hinter Glas thront ein Roboterarm. Überall blinken Lichter und leuchten Bildschirme. Trotz der Schüler, Lehrer und Betreuer von Discover Industry bleibt es geräumig in dem Truck.

Physikerin Katinka Ballmann und Ingenieur Peter Hörtz führen die einzelnen Klassen durch den Truck, leiten die Arbeitsstationen an und stehen für Fragen bereit, so dass sich die begleitenden Lehrer entspannt zurück lehnen können. Die Schüler sind aufmerksam und nah dran, wenn Ballmann und Hörtz zu Beginn Historisches zur industriellen Entwicklung präsentieren. Es wird nicht einfach nur Wissen serviert, die Schüler müssen nachdenken, eigene Schlüsse ziehen. Was sind die Folgen der Einführung des Fließbandes? Ein Schüler antwortet: "Eine Beschleunigung der Produktion und Monotonie aufgrund von eintönig wiederkehrenden Handgriffen." Was bestimmt heute die Produktion? "Die Robotik", antwortet eine Schülerin.

Der kurze Abriss von der Dampfmaschine bis zum Mikrochip führt die Schüler an das eigentliche Thema heran. Das Berufsbild von Ingenieuren, Informatikern und Programmieren. Mit dem Angebot soll für so genannte MINT-Fachkräfte (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) geworben werden, auf die die Industrie stark angewiesen ist. Zum Abschluss wird im Obergeschoss des Trucks zur Vertiefung ein abschließender Workshop zur Faszination technischer Berufe durchgeführt, wo den Schülern konkrete Tätigkeitsfelder und die Bildungswege dorthin aufgezeigt werden.

Das Highlight des Trucks sind aber die fünf Arbeitsstationen. Die Schüler verteilen sich in Gruppen. An der Station Robotik kann der Roboterarm über ein dreidimensionales Koordinatensystem zu verschiedenen Zielpunkten gesteuert werden, möglichst ohne bestimmte Markierungen zu berühren. Als Fehler führt das zum sofortigen Abbruch.

190 Schüler konnten insgesamt mitmachen

Auf Kommando wechseln die Gruppen die Stationen. Mit Automodellen und einem Miniaturwindkanal finden die Schüler an der Station "Versuch und Optimierung" heraus, weshalb Sportwagen windschnittiger als Lastwagen sind. "Die Frage ist, welches Modell den niedrigsten Luftwiderstand hat. Wir haben überlegt und es dann ausprobiert", sagt Carlos (10b).

Michael Stephan ist Lehrer für Biologie, Chemie, Naturwissenschaft und Technik am LMG. Ein Jahr lang musste er organisieren, bis der hochbegehrte Truck nach Grenzach-Wyhlen kam. Neben den achten, neunten und zehnten Klassen hat er auch die Realschule mit ins Boot genommen. Am Mittwochvormittag konnten die Acht- und Neuntklässler der Realschule das rund zweistündige Erlebnis genießen. In Summe hatten 190 Schüler die Möglichkeit, das Angebot zu nutzen. "Das ist ein schönes Angebot, gerade für die zehnten Klassen, die jetzt auch ihr Praktikum machen", sagt Stephan. In Gymnasien wird in der zehnten Klasse das Praktikum Berufsorientierung am Gymnasium (BoGy) absolviert.

Derweil programmieren an der Station "Intelligente Produktion" Schüler mit dem Smartphone einen kleinen Produktionsablauf mit individuellen Mischungen aus drei farblichen Granulaten. Und an der Station "Materialfluss und Logistik" simulieren Schüler Lagerlogistik in Echtzeit und müssen vorgegebene Wareneingänge und -ausgänge unter Zeitdruck koordinieren. An der Station "Konstruktion und Design" scannen Schüler verschiedenen Objekte in einen 3-D-Scanner ein und betrachten am PC-Bildschirm ihr Modell. Georg (10b) sagt: "Ich finde ganz gut, dass wir das machen können. Das hilft, neue Berufe kennenzulernen."