Tag der Chemie fördert Verständnis auf beiden Seiten

Rolf Reißmann

Von Rolf Reißmann

Mo, 26. Juni 2017

Grenzach-Wyhlen

Im Haus der Begegnung luden Industriebetriebe dazu ein, sich mit ihrer Produktion vertraut zu machen und Fragen zu stellen / Viele Experimente für Kinder.

GRENZACH-WYHLEN. Lange hatte die Initiative "Chemie am Hochrhein" ihren ersten Aktionstag vorbereitet. Die vor drei Jahren gegründete Initiative der Industrie, des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg, der Gewerkschaft, der Kommunen und Bürgerinitiativen wollte am Samstag der Bevölkerung viele neue Informationen über die hiesigen Firmen nahebringen und gleichzeitig die Möglichkeiten für Dialog, Beschäftigung und Ausbildung erläutern. Im Haus der Begegnung in Grenzach war dafür ein Veranstaltungs-, Ausstellungs- und Diskussionsangebot vorbereitet.

Volles Haus
Angesichts des guten Wetters hatten die Organisatoren bis kurz vor Beginn doch noch einige Sorgen, dass nicht genügend Besucher kommen könnten, doch unmittelbar vor Beginn war der Saal voll besetzt, so gut, dass sogar noch weitere Stühle von der Seite heran gestellt werden mussten. "Solch intensive Industrie erfordert ständigen Dialog mit dem Umfeld, also den Einwohnern in Grenzach-Wyhlen und Rheinfelden", sagte Bürgermeister Tobias Benz. "Kenntnisse über die Produktion aber auch Verständnis für die Erfordernisse und Anliegen beider Seiten sind die Basis einer guten Nachbarschaft." Dabei sollte nicht übersehen werden, dass die Industriebetriebe sowohl für Familien als auch für Kommunen wesentliche Grundlagen für Existenz in Wohlstand schaffen. Das eigentliche Programm begann mit einer einstündigen Mitmach-Veranstaltung des Fördervereins Science & Technologie. Das Science-Mobil gab mit Vorführungen und Experimenten eine kleine Einführung in die Vielfalt der Chemie. Dabei ging es zum Beispiel um Biokunststoffe, um lichtdurchlässigen Beton und Farbveränderungen von Lösungen nach Sauerstoffzufuhr.

Viele Experimente
Am spannendsten waren natürlich jene Experimente, bei denen Kinder selbst mitmischten, rührten und formten. Da wurde einmal der Blutnachweiser Luminol erzeugt, dann ein fester Tassenhenkel aus weichem Silikon hergestellt und auch Beton mit Zucker zum langsamen Aushärten gebracht. Viele Fragen konnten die Besucher beantworten und erlebten dabei so manchen Aha-Effekt. Anschließend erhielten die Gäste an den anschaulichen Ausstellungen der Chemie- und Pharmafirmen vielfältige Informationen über die Produktion der Chemie am Hochrhein. Charakteristisch ist dabei, dass die Firmen durchweg Zwischenprodukte herstellen, die erst in weiteren Stufen zu Endprodukten verarbeitet werden. Einzig die Grenzach-Produktion von Bayer stellt mit Bepanthen ein Fertigerzeugnis her. Die Vitamine und Zusatzstoffe von DSM gelangen nachfolgend in Getränke, Nahrungsmittel und Tierfutter, das Beta-Glucan bewirkt sogar massive Cholesterinsenkung.

BASF ist auf Grundstoffe für Sonnenschutzmittel spezialisiert, die Erzeugnisse von Evonik gelangen in Zahnpasten, dienen als Bleichmittel in der Papierherstellung und bei Textilien. Die Einwohner führten zahlreiche Gespräche mit den Firmenvertretern, viele Einzelheiten kamen dabei zur Sprache. Irene Wosgien, Geschäftsführerin der DSM Grenzach freute sich über die vielen Kontakte. "Es ist doch unser Ziel, mehr Kenntnisse über die Produktionsprozesse zu vermitteln", sagte sie. "Vor allem müssen wir jetzt auch die junge Generation so mit der Chemie vertraut machen, dass sie uns als Partner im Ort anerkennen." BASF-Standortleiter George Basrawi fügte hinzu: "Wir geben viele Information deshalb, damit die Nachbarn sehen, dass wir keine giftige Chemie herstellen."

Peter Dettelmann, Geschäftsführer bei Evonik Rheinfelden, verwies auf die vielen guten Gespräche. "Wir wünschen auch, dass die Anwohner bei Fragen und Problemen sehr schnell das Gespräch mit uns suchen." Auch Bayer-Geschäftsführer Dirk Oebels und Cornelius Wittal von Roche Pharma bestätigten die zahlreichen engen Kontakte zur Gemeinde. Während die Erwachsenen an den Firmenständen sprachen, hatten Kinder und Jugendliche Gelegenheit, an Experimentiertischen zahlreiche Versuche durchzuführen. Da ging es um Wasserreinigung oder die Wirkung eines Superabsorbers, wie er etwa in Windeln zum Einsatz kommt. Jene, die besonderes Interesse zeigten, wurden gleich zu einem Besuch im Schülerforschungszentrum Phaenovum eingeladen, das Sommerforschungsprogramm bietet anspruchsvolle Feriengestaltung für wissenschaftlich talentierte Schüler. An einem anderen Tisch kamen die Mädchen und Jungen dahinter, dass Zitronenaroma kein Vitamin C enthält, echter Zitronensaft aber sehr wohl. Die Vielfalt dieses Nachmittags wurde abgerundet durch die von Realschüler gestaltete gute Bewirtung.