Vertrauensperson für 1000 Schüler

Horatio Gollin

Von Horatio Gollin

Do, 03. November 2016

Grenzach-Wyhlen

Schulsozialarbeiterin Saskia Lauke möchte Ansprechpartnerin für Schüler sein und bei Problemen unterstützend zur Seite stehen.

GRENZACH-WYHLEN. Seit Anfang des Schuljahres ist Saskia Lauke neue Schulsozialarbeiterin am Schulzentrum Grenzach-Wyhlen und für das Lise-Meitner-Gymnasium und die Realschule zuständig. Die 1000 Schüler muss sie aber erst noch kennen lernen. Jetzt geht es richtig los.

Das Büro der Sozialarbeit ist ein ehemaliges Klassenzimmer im zweiten Obergeschoss des Schulzentrums. Drumherum liegen weitere Klassenzimmer. In einer Ecke steht eine große, gemütliche Couch mit einem kleinen Couchtisch. Darauf eine Box mit Taschentüchern und ein Schale mit Keksen. Zwei Schreibtische und ein Besprechungstisch mit mehreren Stühlen verteilen sich über den großen Raum, in dem die alte Schultafel noch steht. Das Zimmer wirkt auf den ersten Eindruck zu groß für ein Büro.

Aus einem anderen Klassenzimmer hört man französische Popmusik. Lauke hat sich den Schreibtisch ausgesucht, der näher am Fenster steht. Aus dem Fenster kann sie einen Blick auf den bewaldeten Hang werfen. Lauke hat Soziale Arbeit an der Dualen Hochschule in Villingen-Schwenningen studiert und ihr Studium 2015 beendet. Sie ist Mitte zwanzig, stammt aus Lörrach, wohnt aber jetzt in Grenzach.

"Ich wurde anfangs von den Schulleitungen noch verschont und nicht gleich mit Aufträgen überfallen. Mein erster Tag war ein Ausflug mit den Realschullehrern", erzählt Lauke, die die Stelle zum Schuljahresanfang angetreten ist. Für das Schulzentrum ist eine volle Stelle geplant, von der Lauke aber nur 75 Prozent beansprucht. Für die Dieter-Kaltenbach-Stiftung arbeitet sie noch in einem betreuten Jugendwohnprojekt und beim Sommerferienprogramm im Tutti Kiesi in Rheinfelden. Der zweite Schreibtisch steht für eine weitere Kraft zur Verfügung, die allerdings erst noch angestellt werden soll, um die Schulsozialarbeit am Schulzentrum zu verstärken und auch an der Bärenfelsschule tätig zu werden.

Schulsozialarbeit gibt es längst nicht mehr nur an Brennpunktschulen wie früher. Das Schulzentrum fällt sicherlich nicht unter diese Kategorie. Schulsozialarbeit ist mittlerweile eine sinnvolle Ergänzung zu den Bildungsangeboten der Schulen und bedeutet eine Unterstützung, die von allen Schultypen gewünscht wird.

"Es ist wichtig, dass es Schulsozialarbeit an einer Schule gibt, auch wenn es keine Brennpunktschule ist", meint Lauke. "Es gibt an jeder Schule Probleme, die man auch lösen kann. Im normalen Schulalltag fehlt dafür aber die Kapazität, daher ist es wichtig, dass sich jemand mit den Jugendlichen beschäftigt und auf eine andere Art und Weise Zugang findet."

Sie ist sicher, dass an allen Schulen Schüler durch Probleme familiärer Art oder im Freundeskreis belastet werden oder Schüler mit psychosozialen Problemen, wie etwa Borderline-Syndrom, Hilfe brauchen. "Ich habe aber erst fünf Schüler richtig kennen gelernt, da kann ich noch keine abschließende Einschätzung abgeben, was auf mich zukommt", sagt Lauke. Ihre Türe steht jedenfalls immer offen.

Oft geht es um Beziehungsprobleme

Ein typischer Fall für die Schulsozialarbeit ist, dass Schüler mit Beziehungsproblemen kommen, die einfach nur jemanden zum Zuhören und den Austausch mit einem Erwachsenen brauchen. Oder es könnte zu Mobbing kommen und der gemobbte Schüler oder ein Lehrer bittet sie um Hilfe. Methodisch kennt sie da verschiedene Interventionsmöglichkeiten. "Ich verfolge aber auch einen präventiven Ansatz. Konkrete Projekte habe ich noch nicht geplant, aber viele Ideen im Kopf", sagt Lauke. "Und dann ist es halt auch so, dass man mit Klassen bestimmte Themen behandeln kann, wie beispielsweise den Umgang bei Konflikten. Auch nach Bedarf, da können die Lehrer auf mich zukommen, wenn der Zusammenhalt in der Klasse nicht so groß ist."

Mit ihrer ersten Anstellung nach dem Studium wurde Lauke nicht richtig warm, da sie hauptsächlich im Büro tätig war. "Ich wollte an die Basis zurück, mit den Kindern und Jugendlichen arbeiten und Fortschritte sehen, da schien mir Schulsozialarbeit passend. Ich habe mich gleich auf die Ausschreibung der Kaltenbach-Stiftung beworben."

Um richtig in Kontakt mit den Schülern zu kommen, hat sie begonnen, sich in den fünften und sechsten Klassen vorzustellen. In 30 Minuten erzählt sie den Schülern dabei, was genau sie macht, was man von ihr erwarten und wo man sie finden kann. Da das Schulzentrum aber 1000 Schüler hat, will sie auch in die Versammlung der Schülermitverantwortung (SMV) gehen, damit die Klassensprecher es in die Klassen weiter tragen.