Infoveranstaltung der Roche zur Kesslergrube

Zum Komplettaushub bleibt keine Frage offen

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

So, 04. Oktober 2015 um 16:44 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Rund 50 Bürger kamen zum Infoabend der Roche zum Beginn der Sanierungsarbeiten an der Kesslergrube im Perimeter 1 und 3. In ausgiebigen Vorträgen erfuhren sie alles über den weiteren Ablauf und die technischen Vorgänge.

GRENZACH-WYHLEN. Rund 50 Bürger kamen zum Informationsabend der Roche zum Beginn der Sanierungsarbeiten an der Kesslergrube im Perimeter 1 und 3. In ausgiebigen Vorträgen erfuhren sie alles über den weiteren Ablauf, die genauen technischen Vorgänge, Sicherheitsauflagen und mehr. Trotzdem blieb nach anderthalb Stunden noch genug Zeit, um Fragen loszuwerden. Die Bürger machten davon reichlich Gebrauch. Und auch beim anschließenden Aperó gab es noch viele Gespräche über die Sanierung.

Man hatte sich bereits im Vorfeld vorstellen können, dass der Saal des Hauses der Begegnung nicht bersten würde. Dass Roche ihren Perimeter der Kesslergrube per Totalaushub vollständig und nachhaltig sanieren möchte, ist bekannt und findet kaum Kritiker.

Der Gesamtprojektleiter der Sanierung und Altlastenverantwortliche bei Roche, Richard Hürzeler, stellte zu Beginn die Redner des Abends vor. Der auf Flavio Piussi als technischer Projektleiter folgende Markus Ettner skizzierte die Ablaufplanung des Projekts und betonte, dass Roche "keine langwierigen technischen Lösungen unterhalten" wolle, sondern eine vollständige Bereinigung anstrebe.

Der Projektleiter beim Planer HPC, Arno Knöchel, erklärte, wie einzelne Phasen der Sanierung technisch geplant sind. Wie diese im Detail umgesetzt werden sollen, war Thema des Vortrags von Dominic Haidacher vom Generalunternehmer Bauer Umwelt, dessen Geschäftsführer Samer Hijazi zuvor die Bauer-Gruppe mit mehr als 10 000 Mitarbeitern in über 60 Ländern als Spezialisten für Altlastensanierungen vorstellte. Haidacher informierte, dass in Spitzenzeiten 50 bis 60 Personen in Grenzach-Wyhlen beschäftigt sein werden, für die noch Wohnungen gesucht werden.

"Wir haben uns einen Profi ins Boot geholt", lobte Hürzeler das Unternehmen. Er fasst zusammen: "Wir heilen die Erde und führen das Ganze in seinen ursprünglichen Zustand zurück." Er betonte, dass Roche damit seiner Verantwortung gerecht werde und mehr tue, als gesetzlich vorgeschrieben ist, um die Quelle der Gefährdung endgültig und nachhaltig abzuschalten.

HPC-Standortleiter Bernd Maier informierte über die Punkte Sicherheit und Notfallkonzepte. So ist etwa die Werksfeuerwehr von DSM als Dienstleister für Notfälle auf dem Sanierungsareal vorgesehen, die Freiwillige Feuerwehr Grenzach-Wyhlen bei Vorfällen im Containerdorf und wasserseitig verantwortlich.

Die Fragerunde eröffnete Manfred Mutter, der im Namen der Bürgerinitiative Zukunftsforum für die Genauigkeit der Bürgerinformationsveranstaltung dankte. "Man möchte der Firma Bauer wünschen, dass sie nach vier Jahren Komplettaushub für Roche danach auch noch den Perimeter 2 aushebt", setzte er als Spitze gegen das BASF-Konzept, ihren Perimeter nicht auszuheben, sondern einzuspunden und zeitlich unbefristet zu sichern. Mutter fragte nach, wie tief ausgehoben wird. HPC-Projektleiter Knöchel informierte, dass eine Rasterbohrung über das gesamte Gelände stattfindet, die zeigen wird, in welcher Tiefe das Deponat ende. "Im Mittel rechnen wir mit 8 bis 8,5 Metern Aushubtiefe", sagte er. Das Deponat sei nicht einheitlich tief eingebracht. Wo etwa etwas versickert sei, würde man bis auf den Muschelkalk ausheben.

Da mehrfach in den Vorträgen betont worden war, dass Roche größten Wert darauf legt, die Umwelt, die Anwohner und die Bürger der Gesamtgemeinde und der Region so wenig wie möglich zu belasten, kamen auch Wünsche nach genaueren Informationen über die tägliche Zahl der Lkw. Markus Ettner antwortete, dass es täglich zwischen 120 und 140 Fahrten sein könnten (60 bis 70 Lkw, die aber hin und zurück fahren). Das Verkehrsaufkommen würde sich damit lediglich um 0,9 Prozent erhöhen. Ansonsten wurde erklärt, dass Roche die Arbeitszeiten der Sanierung auf montags bis freitags, 7 bis 18 Uhr beschränkt. Außerhalb dieser Zeiten sind auch keine Lkw zu erwarten, höchstens in Ausnahmefällen. Änderungen in der Verkehrsbelastung auf der B34 können sich ergeben, wenn der Abtransport über den gerade im Entstehen befindlichen Schiffsanleger von den Behörden genehmigt wird. Ansonsten ist Roche in der Prüfung, ob der laut Hürzeler kürzere Transportweg der luftdichten Container über die Schweiz zum Bahnterminal nach Weil am Rhein sinnvoll und möglich ist.

Fragesteller mit viel Sachverstand

Einige Fragesteller zeigten, dass sie sich selbst sehr gut auskennen in der Materie. Ein Fragesteller wollte etwa wissen, warum man nicht leichtkontaminiertes Material reinigen und wieder einbringen könne, was ökologischer sei, als alle Stoffe per Bahn zur thermischen Entsorgung zu fahren. Hürzeler informierte, dass nicht genug Platz da sei für eine Reinigungsanlage und es zudem einen zu großen Aufwand bedeute, den Aushub in leicht und stark belastet aufzutrennen. Ein Fragesteller hatte bezüglich der Verbrennung Sorge, ob die Temperaturen ausreichen würden, um die Giftstoffe zu zerstören. Das tun sie, war vom Podium zu hören.

Fragen an die Roche-Experten, wie lange eine gleichartige Sanierung des BASF-Perimeters wohl dauern könne, wies Hürzeler zurück. Stattdessen beantwortete er gerne die Frage, welche Visionen Roche mit dem Grundstück nach der Sanierung hat. Dies stehe ganz genau noch nicht fest, allerdings werde es sich um eine gewerblich-industrielle Nutzung handeln.