Beeindruckende Kraft der Farben

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Mi, 02. Mai 2018

Gundelfingen

Glasmalerei aus dem Irak im Gundelfinger Rathausfoyer .

GUNDELFINGEN. Nizar Taleikani ist Kalligraph, Maler, Poet und Journalist. Jetzt sind im Gundelfinger Rathausfoyer einige seiner außergewöhnliche Kunstwerke zu sehen – auf Einladung des örtlichen Kunstvereins. Taleikani stammt aus dem Irak und musste im Jahr 2015 aus seiner Heimat fliehen. Nach vielen Umwegen, unter anderem über Gundelfingen, kam er nach Löffingen, wo er heute mit seiner Familie lebt.

Seine mittel- und großformatigen Gemälde geben einen Einblick in Nizar Taleikani Gedanken- und Gefühlswelt. Sie zeigen arabische Kalligrafie und farbenfrohe Blumen sowie Porträts von Dattelverkäuferinnen und Mädchen vom Dorf. Seine Werke sind ganz der gegenständlichen und realistischen Malerei verpflichtet. Eine Besonderheit: Es sind Gemälde auf Glas. "Eine sehr alte Technik, die in meiner Heimat sehr populär ist", sagt der Künstler. Neben dekorative Formationen, Pfauen und Pferden zeigen seine Bilder auch historische Größen, zum Beispiel Sargon I – König von Akad (2334 bis 2279 vor Christus). Er zeigt Meisterwerke der arabischen Kalligraphie, Buchstaben, die aufgrund des Bilderverbotes im Islam entstanden ist. Durch die Ausprägung der Schrift und der Ornamente ergibt sich eine abstrakte Bilderwelt. Beeindruckend bei allen Bildern ist die Kraft der Farben.

Seit 1993 stellte Nizar Taleikani seine Kunstwerke im irakischen und arabischen Raum aus. Seine Glasmalereien schmücken zahlreiche öffentliche Häuser. Eine erste Ausstellung fand 1994 in Jordanien statt, eine zweite folgte in Bagdad. Nizar Taleikani war 30 Jahre lang Journalist für irakische, kuwaitische und libanesische Zeitungen. In den letzten Jahren vor seiner Flucht aus dem Irak nach Deutschland war er Chefredakteur der Tageszeitung Daily al-Sharq al Iraqiya in Bagdad. Als Verfasser zahlreicher poetischer und lyrischer Texte ist Taleikani im arabischen Raum ein bekannter Lyriker. Alljährlich konnte er in der Al-Kadhimiya-Moshee in Bagdad vor einem großen Publikum mit TV-Übertragungen seine Schriften vortragen.

Flucht aus dem Irak führt nach Gundelfingen

Im November 2015 floh Nizar Taleikani mit seinem Sohn aus dem Irak. Als Journalist war für ihn die Gefahr groß, entführt zu werden. Die Flucht brachte ihn in die Gemeinschaftsunterkunft in Gundelfingen. Hier erhielt er Unterstützung durch die Helferin Eva Pant, die bis heute die Familie begleitet. "Sie zeigte uns Freiburg und setzte sich für uns ein, wenn wir Hilfe brauchten", erzählt Mohammed Taleikani, der 15-jährige Sohn von Nizar Taleikani. Der Sohn besucht seit zweieinhalb Jahren die deutsche Schule. Im Februar 2016 kamen unter abenteuerlichen Umständen die Mutter, der kleine Bruder und die Schwester mit Kind als die letzten legalen Flüchtlinge nach Deutschland. Allerdings wurden sie nach Düsseldorf geschickt. Eva Pant und Nizar Taleikani schafften es, die Familie nach Gundelfingen zu holen. "Ich könnte ein ganzes Buch füllen über die Schwierigkeiten, über die Bürokratie und über die vielen großen Herausforderungen", sagt Eva Pant. Für die Familie Taleikani war die anfängliche Integration mit Hilfe des Flüchtlingshelfervereins sehr wichtig – und auch der Kontakt zum Kunstverein. Obwohl die Familie nun in Löffingen lebt, ist die Verbindung zur "Ankunftsheimat Gundelfingen" nie abgebrochen. 2017 hat sich der Künstler beim Kunstverein für eine Ausstellung beworben.

Die Ausstellung im Gundelfinger Rathausfoyer ist bis 30. Mai montags bis freitags von 8 Uhr bis 18 Uhr zu sehen. Vernissage ist am Mittwoch, 2. Mai um 19 Uhr.