Besuch von einer Azurjungfer

Hannah Fedricks Zelaya

Von Hannah Fedricks Zelaya

Sa, 09. Juni 2018

Gundelfingen

Steinhummel, Schwebfliege und Chorthippus-Grashüpfer – welche Insekten kann man auf den Wiesen der Region entdecken? /.

Sonnig, warm und trocken sollte das Wetter optimalerweise zum Beobachten von Insekten sein, schreibt der Nabu. An diesem Spätnachmittag ist der Himmel eher bedeckt, in der Ferne türmen sich die Gewitterwolken. Trotzdem habe ich Glück: Die ersten Insekten, denen ich begegne, sind zwei Schwebfliegen, die sich im Liebestanz umschwärmen. Ein guter Start, denke ich, ziehe das Smartphone aus der Tasche und versuche ein Foto von den beiden zu machen. Die App Insektenwelt, die der Nabu den Zählwilligen an die Hand gibt, verspricht schließlich, Insekten per Foto bestimmen zu können. Bevor ich aber überhaupt ein Foto innerhalb der App machen kann, bekomme ich diverse Anweisungen. Als ich mich durchgeklickt habe, sind die Schwebfliegen verschwunden. Das ist Schade, aber ich habe sie ja immerhin gesehen, notiere also zwei unbestimmte Schwebfliegen auf meinem Block. Mithilfe der Fotos in der App kategorisiere ich sie später als Gemeine Schwebfliegen.

Um Tiere nicht doppelt zu zählen, gibt der Nabu die Anweisung jeweils nur die höchste Zahl der gleichzeitig gesehenen Tiere zu notieren. Als später also drei weitere Schwebfliegen vorbei surren notiere ich "drei" und nicht "fünf". Nach zehn Minuten zwischen hohen Gräsern umschwirrt mich ein Schwarm kleiner grauer Mücken. Ich bin unschlüssig, wie ich ihn notieren soll, da kommen auch schon Bienen angebrummt. Ich bin froh, dass ich wenigstens sie einwandfrei bestimmen kann. Auch die Ameisen, die über meinen Block und meine Hand krabbeln, stellen keine Herausforderung dar. Mit einem weiteren Schritt in die Gräser scheuche ich zwei Hummeln auf. Mit Hilfe der App identifiziere ich sie als Steinhummeln. Auch die Schwebfliege mit dem roten Kopf finde ich in der App, es ist eine Hainschwebfliege.

Mir fängt die Sache an, Spaß zu machen. So langweilig, wie gedacht, ist es zwischen den Gräsern jedenfalls nicht. Überhaupt ist doch ziemlich viel los, auf dem kleinen Wiesenstück neben einer Wegkreuzung, das ich mir ausgesucht habe: Im Laufe der nächsten halben Stunde entdecke ich einige kleine schwarze Käfer mit gelben oder roten Flecken seitlich und einen länglichen grünen, die ich alle in der App nicht finden kann, zwei verschiedene Fliegen, und einige braune Falter, die alle etwas anders aussehen, und von denen ich keinen Einzigen bestimmen kann. Außerdem höre ich immer wieder das durchdringende Zirpen einer Grille – zu Gesicht bekomme ich sie aber leider nicht. "Zecken gibt es jedenfalls zuhauf dieses Jahr", lautet der Kommentar eines Spaziergängers, der mit seinem Hund vorbeikommt und mich bei der Insektensuche beäugt.

Nach 45 Minuten gebe ich der Foto-Funktion nochmal eine Chance und fotografiere einen Grashüpfer, den ich mithilfe der Fotodatenbank der App als Chorthippus-Grashüpfer identifiziert habe. Er erweist sich als geduldiges Fotomodell und springt dankenswerterweise nicht gleich davon. So gelingt mir das Foto. Die App bietet mir dafür Vorschläge an, die von Taubenschwänzchen (einer Schmetterlingsart) bis zur Blauflügel-Prachtlibelle reichen. Immerhin: Der Chorthippus Grashüpfer ist auch unter den Vorschlägen. Ich habe Glück, die Sonne kommt noch etwas raus und ich begegne drei Grashüpfern, die wesentlich kleiner sind als der erste, anders aussehen, aber nicht in der App zu finden sind. Außerdem entdecke ich eine kleine, aber interessante Raupe (jedenfalls nehme ich an, dass es sich um eine solche handelt), die aussieht wie eine kleine weiße Blüte, wenn sie sich nicht bewegt.

Etwas enttäuscht bin ich darüber, dass sich kein einziger Schmetterling auf meinem Wiesenstück gezeigt hat. Dafür bekomme ich kurz vor Schluss noch Besuch von einer Azurjungfer. Oder vielleicht auch einer Becherjungfer, ganz sicher bin ich mir nicht. Ich freue mich einfach, dass ich statt Schmetterling, wenigstens eine Libelle auf meine Liste schreiben darf.