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28. April 2012

Die vielen Seiten des Johann Peter Hebel

Kunstverein Gundelfingen veranstaltet eine bunte Lesung über ein facettenreiches Leben.

GUNDELFINGEN (ast). Reinhard Seiberlich las Johann Peter Hebels Geschichten, Michael Donkel untermalte das Gehörte am Klavier, und Ulrike Bach vom Gundelfinger Kunstverein freute sich über die außerordentlich vielen Gäste. Alle drei bereiteten den Zuhörer jüngst im Rathausfoyer einen interessanten, kurzweiligen Abend.

Er war Hilfslehrer, Professor für Dogmatik und Hebräisch und Mitglied der ersten Kammer des badischen Landtages. Auf naturwissenschaftlichem Gebiet war er angesehen, dank alemannischer Gedichte, geschrieben im Wiesentaler Dialekt, verschaffte er sich literarischen Ruhm. Einige davon las Reinhard Seiberlich vor – im Dialekt. Doch zuerst stand eine quirlig erzählte Reportage über das jährlich stattfindende Hebelfest in Hausen auf dem Programm. Die passende Marschmusik dazu spielte der Pianist Michael Donkel.

Hebels Karriere im Schnelldurchlauf folgte: Geboren wurde er am 10. Mai 1760 in Basel. Gerade ein Jahr alt, starb der Vater, als er 13 Jahre alt ist, die Mutter. Freunde der Familie kümmern sich um das Waisenkind. Er besuchte das Gymnasium, die Uni und legte sein Staatsexamen in Theologie ab. "Aber, oh welche Enttäuschung: keine Pfarrstelle, stattdessen Hauslehrer im Markgräflerland und Hilfslehrer in Lörrach, bis 1791, also bis zu seinem 31. Jahr", berichtete Seiberlich.

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Schließlich, nach zwei Bittschreiben an seinen Landesherrn, den Markgrafen Karl Friedrich wurde Hebel Lehrer am Karlsruher Gymnasium. Ein paar Jahre später folgte dann ein richtiger Karrieresprung verbunden mit einer spürbaren Gehaltsverbesserung: Er wurde außerordentlicher Professor der Theologie am Gymnasium, 1808 wird er der Direktor dieses Gymnasiums.

1805 wird er zum Kirchenrat ernannt und ein paar Jahre später in die Kirchen- und Prüfungskommission der Regierung berufen. Hebel wird der erste Prälat der neuen evangelischen Badischen Landeskirche. Er zieht in die 1. Kammer des Landtages ein und sitzt neben Grafen und Herren. "Und dann verleiht ihm die Universität Heidelberg auch noch – als i-Tüpfelchen gewissermaßen – den Ehrendoktorhut der theologischen Fakultät."

Hebels Karriere als Dichter läuft übrigens nebenher, erzählt Seiberlich. 1803 begeisterte er mit seinen alemannischen Gedichten und ab 1808 mit seinem Rheinländischen Hausfreund, in dem die unverwechselbaren Kalendergeschichten zu lesen sind. Heute noch sind sie als "Schatzkästlein" zu erwerben. Dann kamen noch die biblischen Erzählungen. Hebels Karriere als eventueller Familienvater jedoch ist nicht allzu berühmt. "Da gibt es nur Gustave Fecht aus Weil, die seine lebenslange Brieffreundin war und Henriette Hendel, die berühmte Schauspielerin aus Berlin, die für Gefühlsirritationen beim Kirchenrat Hebel sorgte." Am 22. September 1826 stirbt Hebel auf einer Dienstreise und wird in Schwetzingen bestattet. 35 Jahre später, 1861, findet auf Anregung einer Basler Hebelstiftung das erste Hebelgedenkfest in Hausen im Wiesental statt. Und 1936 wird dort erstmals der sogenannte Hebelpreis verliehen. Die Veranstaltung hätte Hebel gefallen. Den Besuchern gefiel es auf jeden Fall. Mit lang anhaltendem Applaus bedankten sie sich bei den Akteuren.

Autor: ast