Initiative in Gundelfingen

Eine gelbe Schleife an der Hundeleine? Das heißt Abstand halten

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Di, 08. Januar 2019 um 19:38 Uhr

Gundelfingen

Nicht jeder Hund lässt sich gerne anfassen. Um Zwischenfälle zu vermeiden, gibt es eine Lösung: gelbe Halstücher. Doch kaum jemand kennt das Warnsignal – eine Hundeschule will das ändern.

Adina ist ein empfindsamer Hund, Pepper dagegen stürmisch. Beide Tiere machen einen friedlichen Eindruck. Dennoch haben die Hundebesitzer, Dietmar Schäfer und Kerstin Moritz, ihren Vierbeinern gelbe Halstücher umgebunden – als Signal "Abstand halten!". Nur versteht das kaum jemand. "Die gelbe Markierung bedeutet, dass der Hund keinen näheren Kontakt zu anderen Hunden oder Menschen wünscht, oder gar verträgt", so Dietmar Schäfer von der Hundeschule KeDi aus Gundelfingen.

Denn "Fass mich nicht an" oder "Lass mich bitte in Ruhe" können Hunde leider nicht selbst sagen. Wenn Pepper und Adina zusammen herumtollen, haben sie viel Spaß, anderen Hunden erlauben sie nicht mitzuspielen. Das sollte respektiert werden.

Idee kommt aus Schweden

Seit 2012 gilt die Farbe Gelb unter Hundehaltern als Zeichen für die Bitte "Abstand halten". Die Idee dazu stammt aus Schweden. Dort sind "Gelbe Hunde" bereits bekannt – in Deutschland, wo es laut Schäfer zehn Millionen registrierte Hunde gibt, aber noch nicht.

Kerstin Moritz und Dietmar Schäfer wollen das jetzt ändern: "Die rote Ampel im Straßenverkehr wurde ja auch mal erfunden – und heute kennt sie jeder."

Der Hintergrund ist simpel: Trägt ein Hund eine gelbe Schleife an der Leine oder ein gelbes Halstuch, braucht er seine Ruhe. "Weil er leicht reizbar ist, weil ein Rüde nicht mit anderen Rüden auskommt, weil eine Hündin läufig ist oder einfach sehr alt", erklärt Moritz. Oder auch, weil der Hund eine ansteckende Krankheit hat. "Hunde beschnüffeln sich beim ersten Kontakt meist an den Genitalien – da überträgt sich ein Virus extrem schnell", weiß Schäfer.

25.000 Beißattacken in Deutschland

Es gibt viele Gründe dafür, warum ein Hund ein gelber ist, etwa um ihn vor ungewollten Kuschelattacken im Restaurant zu schützen: "Kinder wollen oft den süßen Hund streicheln – manche Hunde sind Kinder aber nicht gewohnt." 25.000 registrierte Beißattacken gebe es pro Jahr in Deutschland, weiß Schäfer. 95 Prozent davon betreffen Kinder, die den Hund sogar kennen.

Aber es gibt auch Tiere, die Angst vor anderen Hunden haben, sagt Moritz. Sie erlebe oft, dass andere, freilaufende Vierbeiner zum Spielen auf ihre Adina zu rannten und ihr Hund vor Angst auf den Boden lag. "Die gelbe Schleife soll Hundebesitzer darauf aufmerksam machen, dass mein Hund sensibler ist und sie ihre Hunde ein wenig zurückhalten sollten." Die Markierung diene aber nicht zur Kennzeichnung aggressiver Hunde und sei kein Ersatz für einen Maulkorb.

Dietmar Schäfer erklärt: "Wenn man einen Hund sieht, der ein gelbes Band, eine gelbe Schleife, ein gelbes Tuch oder etwas Gelbes an der Leine, am Halsband oder am Geschirr geknotet trägt, sollte man diesem Hund Freiraum gewähren und sich ihm nicht nähern – der Besitzer und der gelbe Hund schätzen diese Rücksicht und diesen Respekt sehr."
Infos und das Halstuch

für Hunde gibt es bei der Hundeschule von Dietmar Schäfer und Kerstin Moritz, 0761/ 8095519, mobil 0171/7706840 oder http://www.spotlanding.de