Ehrenamt

Fußball- und Turnvereine suchen dringend Trainer

Anja Ihme

Von Anja Ihme

Di, 23. August 2016

Gundelfingen

Fußball- und Turnvereine in Gundelfingen und Heuweiler haben Probleme, Ehrenamtliche zu finden, die den Nachwuchs betreuen.

GUNDELFINGEN/HEUWEILER. "Ein Ehrenamt im Sportverein ist einfach weniger wert als früher", sagt Christiane Schlake, zweite Vorsitzende in der Gundelfinger Turnerschaft (GTS). Dass die Suche nach ehrenamtlichen Trainern und Übungsleitern schwierig ist, bestätigt auch Thomas Frank, Trainer der Mädchenfußballmannschaft der DJK Heuweiler. Und Frank Greiner, Jugendleiter in der Spielvereinigung Gundelfingen/Wildtal meint: "Das Vereinsleben hat heute eine andere Bedeutung. Viele sehen in uns nur noch einen Dienstleister".

Dass diese Aussagen im bundesweiten Trend liegen, zeigt der Sportentwicklungsbericht (SEB) 2015 des Instituts für Sportökonomie und Sportmanagement an der Deutschen Sporthochschule Köln. In den vergangenen beiden Jahren sei es immer schwieriger geworden, Ehrenamtliche zu finden. Mehr als die Hälfte der deutschen Vereine schätze dieses Problem als groß oder sogar sehr groß ein.

Warum sich die Suche von Übungsleitern und Trainern so schwierig gestalte, wisse Thomas Frank auch nicht so genau: "Viele kommen vielleicht einfach nicht drauf oder meinen, dass sie keine Zeit hätten." Dabei sei es gar nicht so viel Arbeit, mache riesig Spaß und man werde mit der Begeisterung der Kinder belohnt. Der Vater dreier Kinder trainiert die Mädchenfußballmannschaft der DJK Heuweiler, die es erst seit September 2015 gibt und seither von vier auf mittlerweile 23 Fußballerinnen im Alter zwischen fünf und elf Jahren angewachsen ist.

Ohne die engagierte Hilfe der drei Co-Trainerinnen und vieler netter Eltern sei ein Training in der aktuellen Form gar nicht möglich, weitere Trainer seien mehr als willkommen: "Ideal wären Sport- oder Lehramtsstudenten, die Erfahrungen im Training mit begeisterten und begeisterungsfähigen Fußballerinnen sammeln wollen und zwischendurch auch mal bereit sind, Stollenschuhe zu binden oder Zöpfe zu richten", sagt Thomas Frank, den vor allem der Hauptunterschied zu den Jungsteams immer wieder neu motiviert: "Mädchen haben einfach den besseren Schlachtruf!"

Bei der SpVgg Gundelfingen/Wildtal würden aktuell von 55 Trainern und Betreuern rund 360 Nachwuchskicker ab fünf Jahren trainiert, fasst Frank Greiner zusammen."Von der Haltung, Vereine eher als Dienstleister zu sehen, müssen wir wieder abkommen und in unseren Vereinen mehr leben", sagt der Vater dreier Kinder.

Arbeiten im Verein kann viel Freude bereiten

"Wir haben wirklich ganz tolle Menschen im Trainerteam und dazu ganz viele Betreuer aus unserer eigenen Nachwuchsjugend, worauf wir sehr stolz sind. Die heutige Arbeitswelt lässt sehr wenig Spielraum für Ehrenamt", sagt Greiner.

Der 48-jährige Greiner ist seit 20 Jahren im Verein, seit 15 Jahren als Jugendtrainer tätig und jetzt in der vierten Saison als Jugendleiter im Amt. "Ich war schon immer in einem Sportverein, auch meine Eltern haben mir das Vereinsleben vorgelebt." Seine größte Motivation sei es zu sehen, wie sich die Kinder sportlich entwickeln. Neue Trainer und Übungsleiter seien auch bei der SpVgg jederzeit gern gesehen, idealerweise bringe ein Trainer einen Trainerschein mit und bilde sich ständig weiter, passe ins Team und wolle am Vereinsleben teilhaben.

In der GTS kümmern sich derzeit fünf Trainer, 20 Übungsleiter und zehn Helfer um die rund 1000 Mitglieder, die aus Angeboten in vier Abteilungen (alleine in der Abteilung Turnen aus acht verschiedenen Turnarten) auswählen könnten. Christiane Schlake kam 1998 über die beiden eigenen Kinder zur GTS und blieb dann hängen, selbst, als die Kinder erwachsen wurden. "Bei uns in der Familie war die Vereinsarbeit immer verankert", sagt die 55-Jährige. "Ich erfreue mich am Fortschritt der Gruppen, genieße die Gemeinschaft und finde es sinnvoll".

Früher sei eine ehrenamtliche Tätigkeit im Sport normal und angesehen gewesen, die Gesellschaft habe sich geändert. "Wenn wir die Anzahl unserer Trainer halten könnten, wäre ich glücklich, allerdings arbeiten wir daran, das Durchschnittsalter zu senken, suchen also beharrlich Trainernachwuchs oder ziehen Gewächse aus den eigenen Reihen heran", so Schlake. Auch für Sportarten zur Erweiterung des Vereinsangebotes seien neue Trainer jederzeit willkommen. Der Idealkandidat sollte Lust auf Weiterbildung, Ehrenamt und Arbeit mit Gruppen haben, außerdem kontinuierlich arbeiten können und dies am besten vor 17 Uhr.

Schlake, Frank und Greiner sind neben ihrem Berufsalltag leidenschaftlich freiwillig tätig und zählten damit gemäß dem SEB in rund 91 000 Sportvereinen in Deutschland zu den über 1,7 Millionen ehrenamtlichen Vorständen, Übungsleitern, Betreuern oder Kampfrichtern, die zusammen jeden Monat über 24 Millionen Arbeitsstunden leisten. Unterstützt würden sie durch unzählige freiwillige Helfer, die sich bei gesonderten Arbeitseinsätzen unentgeltlich beteiligten. Im Durchschnitt sei jeder Ehrenamtliche nur 13,4 Stunden pro Monat für seinen Verein tätig, trage aber jährliche zu einer Wertschöpfung von 4,1 Milliarden Euro durch ehrenamtliches Engagement in den Vereinen bei. Wenn das kein gutes Aufwand-Nutzen-Verhältnis ist.