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28. Oktober 2015

Höfischer Glanz im Rathaus

Benefizkonzert mit Flöte und Cembalo zugunsten des Gundelfinger Flüchtlingshelferkreises.

  1. Alain Ebert (Cembalo) und Anette Däublin-Schwarz (Flöte) spielten im Gundelfinger Rathausfoyer. Foto: Annette Preuss

GUNDELFINGEN. Werke des Barock und mittelalterliche Spielmannstänze aus Italien standen auf dem Programm der Konzertsoirée, zu der der Kunstverein ins Gundelfinger Rathausfoyer eingeladen hatte. Zu Gast waren die Flötistin Anette Däublin-Schwarz, die auf unterschiedlichen Flöten musizierte, und Alain Ebert am Cembalo. Beide sind bekannt durch anspruchsvolles Musizieren auf hohem Niveau.

Den Auftakt bildete die Sonate e-Moll von Johann Joachim Quantz (1697 bis 1773). Nach zahlreichen Auslandsaufenthalten wurde Quantz Hofkomponist bei Friedrich dem Großen, der auch sein Flötenschüler war. "Sonate" kommt von italienisch "suonare": Die Flöte klingt und singt. Und das dazugehörige Cembalo als Begleitstimme hatte deutlich vernehmbar seine eigenen Melodien.

Kaum bekannt ist Andrew Parcham (um 1700), dessen Sonata G-Dur für Blockflöte und Basso continuo wegen ihres durchgängigen Metrums einen anderen Charakter hat. Ein reichhaltiges System von Figuren im Flötenpart hatte seinen eigenen Reiz, zumal es virtuos vorgetragen wurde, während sich die Cembalobegleitung im Hintergrund hielt.

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Es folgte die Sonate c-Moll von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750). Komplex und spannend war vor allem der Eingangssatz. Der Part des Cembalo ging weit über die einfache Continuo-Begleitung hinaus. Im zweiten Satz übernahm die Flöte die gelungene solistische Steigerung, die am Ende in ein fugiertes Finale mündete, von den beiden Musikern meisterhaft und spielfreudig vorgetragen.

Außerdem gab es einen Ausflug ins Mittelalter, auf Tanzplätze und Märkte: Wie mag die Musik der Spielleute jener Zeit geklungen haben? Sie spielten nach, was sie gehört hatten. An diesem Abend lagen allerdings Noten vor. Alain Ebert bediente die Schlaginstrumente, unterstützte, zur Freude des Publikums, den Rhythmus durch seinen "Ganzkörpereinsatz" mit Tanz, dem Aufstampfen der Füße und leisem Summen.

Den Abschluss bildete "Preußische Flötenmusik", eine Rückkehr in die galante Welt des Barock. Anna Amalia von Preußen (1723 bis 1787), jüngste Schwester von Friedrich dem Großen, war musikalisch hoch gebildet. Deren Sonate B-Dur ist ein arabeskes Werk mit schwungvoller Stimmführung der Flöte. Als Glanzpunkt folgte die Sonata D-Dur von Carl Heinrich Graun mit jubelndem Charakter. Dieses Stück beeindruckte durch Echowirkung und ein rasantes Tempo im zweiten Satz. Als Zugabe folgte der Abschied vom Barock mit einer "Serenata" und südamerikanisch flotten Rhythmen.

Anette Däublin-Schwarz unterrichtet seit 1992 an der Musikschule Südschwarzwald als Leiterin des Fachbereichs Blockflöte, Alain Ebert ist seit 1997 Bezirkskantor in Baden- Baden. Die beiden lernten sich an der Hochschule für Musik in Freiburg kennen und konzertieren regelmäßig. Ihre Freude am gemeinsamen Musizieren übertrug sich auf das Publikum, das restlos begeistert war. Der Erlös von 450 Euro aus dem Konzert geht als Spende an den Gundelfinger Flüchtlingshelferkreis.

Autor: Annette Preuß