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12. Oktober 2013

"Ich finde in dem Bild das Bild"

Grafische Werke von Hans-Peter Lübke sind bis 9. November im Rathaus in Gundelfingen in einer Ausstellung zu sehen.

  1. Außergewöhnliche Ausstellung Grafische Werke von Hans-Peter Lübke in Gundelfingen Foto: Andrea Steinhart

GUNDELFINGEN. Der Kunstverein Gundelfingen zeigt noch bis 9. November Gemälde, Skulpturen und Grafiken des Ravensburger Künstlers Hans-Peter Lübke im Gundelfinger Rathausfoyer. Die Ausstellung wurde von Bürgermeister Reinhard Bentler eröffnet.

Ganz alltägliche Gegenstände, etwa einen Stuhl, hat der Künstler Lübke zu einem Thema seiner Arbeit gemacht. "Für ihn sind Stühle ein Symbol für das Innehalten, für die Energiebündelung", erklärte Ulrike Bach, Vorsitzende des Kunstvereins, in ihrer Einführung. Der Stuhl wird so zu einem Kulturgegenstand. "Seine Stühle stehen allein oder zu zweit, nebeneinander oder sich abwendend, so wie es bei einem Gespräch sein könnte." Oder sie zeigen menschliche Gefühle, sind einsam, gemeinsam oder zerstritten.

Der weiß-gräuliche Hintergrund der Stuhl-Bilder hebt dabei die Gegenstände besonders hervor. "Wenn ich ein Bild anfange, habe ich keine Vorstellung – ich male und finde in dem Bild das Bild", sagte Lübke. Manche der ausgestellten Bilder erzählen Geschichten, zum Beispiel das Tierbild "Der Wächter wacht über seinen Schatz". Lübke: "Das ist ein sehr wichtiges Werk für mich, denn es verdeutlicht den Übergang von der Malerei zur plastischen Kunst."

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Begonnen hat der Künstler nach seinem Kunststudium an der Hochschule in Weingarten mit Radierungen. Mehr als 200 Radierungen hat er im Laufe der Jahre angefertigt. Danach nahm er sich die Malerei vor. Dabei wurde er von dem international bekannten jüdischen Künstler Schmuel Shapiro ausgebildet. Nach der Malerei hat er die Plastiken entdeckt, getrieben davon, etwas Neues zu gestalten. Bei der Ausstellung sind auch einige kleinere Objekte zu sehen. Sie sind aus Pappe, Holzleim und Bitumen und wirken durch ihre Verarbeitung mit Büttenpapier und Asphaltlackschichten wie Gegenstände aus rostendem Eisen, aus poliertem Holz oder von lange verschüttetem Stoff, der sich mit Erdpigmenten vollgesogen hat. "Lübkes Werke muss man auch philosophisch sehen, denn aus der Kraft seiner Gedanken entstehen die Graphiken, Malereien und Plastiken", so Bach.

Geboren wurde Hans-Peter Lübke 1960 in Windhoek/Namibia, sein Vater war dort Pfarrer. Mit zehn Jahren kam er nach Deutschland, machte sein Abitur im hessischen Butzbach und leistete danach seinen Friedensdienst in Israel. Nach seinem Kunststudium fügte er noch ein Sonderpädagogikstudium in Heidelberg an und arbeitet jetzt in der Nähe von Ravensburg als Lehrer mit gehörgeschädigten Kindern. Musikalisch begleitet wurde die Vernissage von Charlotte Spahn (Trompete) und von Léo Schillmöller am Klavier.

Info: Die Ausstellung im Gundelfinger Rathaus kann von Montag bis Freitag von 8 Uhr bis 18 Uhr besichtigt werden. Weitere Informationen zum Künstler Lübke stehen im Internet unter http://www.hans-peter-luebke.de

Autor: Andrea Steinhart