Khrystyna Gehör schenken

Gabriele Fässler

Von Gabriele Fässler

Do, 16. August 2018

Gundelfingen

Das DRK Gundelfingen sucht Spender, um einem Mädchen aus der Ukraine das Hören und Sprechenlernen zu ermöglichen.

GUNDELFINGEN. Khrystyna braucht Gehör. Mit diesem knackigen Satz überschreibt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Gundelfingen sein Engagement für ein vierjähriges gehörloses Mädchen im ukrainischen Zbarazh. Bereits seit 2010 kooperiert der Ortsverein mit dem Ukrainischen Roten Kreuz (URK) in der westukrainischen Stadt.

Bei einem Besuch in Zbarazh im vergangenen Jahr hatten die Reiseteilnehmer der Gundelfinger Ortsgruppe von Khrystynas Schicksal erfahren. Um dem Mädchen das Sprechenlernen zu ermöglichen, finanzierten sie spontan ein Hörgerät. Aufgrund ihrer prekären Situation war eine solche Investition für die Familie des Mädchens undenkbar. Dass Khrystyna nicht, beziehungsweise extrem schlecht hören kann, hatten die Eltern bemerkt, als das Kind etwa eineinhalb Jahre alt war.

Als die Rotkreuzler im Mai dieses Jahres ihren Kooperationspartner in Zbarazh erneut besuchten, stellte sich heraus, dass das Hörgerät bei dem Mädchen nicht den gewünschten Erfolg gebracht hatte. Im Rahmen einer Untersuchung in Kiew kamen die Ärzte zu dem Ergebnis, dass wahrscheinlich nur ein Cochlea Implantat das Hören und somit auch das Sprechen ermöglichen könne. Bei einem Cochlea Implantat handelt es sich um eine elektronische Hörprothese, die Schall in elektrische Signale umwandelt und diese an den Hörnerv weiter leitet. Die Kosten für eine Operation in Kiew lägen bei rund 30 000 US Dollar, so Manuel Hisam vom DRK Gundelfingen. "Die Klinik bietet diese OP auch kostenlos an, da es in der Ukraine keine Krankenversicherung gibt." Allerdings würden nur drei Gratis-Operationen pro Jahr durchgeführt. Laut Hisam steht Khrystyna dafür auf einer Warteliste. Nach den derzeitigen Gegebenheiten wäre das Mädchen in einem Alter von Mitte Sechzig an der Reihe.

Um Khrystyna schneller zu helfen, kontaktierten die Rotkreuzler Professor Roland Laszig, der die Klinik für Hals- Nasen- Ohrenheilkunde (HNO) der Universitätsklinik Freiburg leitet. Er sagte seine Unterstützung zu. Für Untersuchungen werden Khrystyna und ihre Eltern auf Kosten des Gundelfinger DRKs nach Freiburg reisen. Während des zwei- bis dreitägigen Aufenthaltes wird geklärt, ob ein Cochlea Implantat sinnvoll ist. Bei entsprechendem Befund soll dieses gleich implantiert werden. Danach wären laut Manuel Hisam zwei weitere Besuche in Freiburg zur Nachsorge notwendig. Die weitere Nachsorge könnte in Kiew unter der Leitung der Freiburger Klinik stattfinden. Sollten die Untersuchungen ergeben, dass ein Cochlea Implantat nicht sinnvoll ist, "werden den Eltern des Mädchens Alternativen aufgezeigt", so Hisam.

Sowohl die Operation als auch mögliche Alternativen benötigen die finanzielle Unterstützung des Gundelfinger DRKs, beziehungsweise von Spendern. Denn in jedem Fall ist eine langfristige medizinische und logopädische Betreuung notwendig. Derzeit gibt es drei Großspender, die einen großen Teil der Operationskosten von rund 35 000 Euro abdecken. Aus Verantwortung gegenüber den Spendern und um einschätzen zu können, ob eine nachhaltige Arbeit mit dem Kind gewährleistet werden kann, reiste Manuel Hisam zusammen mit Robert Nobereit Ende Juli nach Zbarazh. Die beiden Rotkreuzler lernten sowohl Khrystynas Familie als auch die Logopädin kennen, die mit dem Mädchen arbeiten wird. "Eltern und Großmutter versprachen, alles zu tun, um dem Mädchen das Sprechen beizubringen", berichtet Hisam. Ebenso habe die Logopädin einen sehr positiven und motivierten Eindruck hinterlassen. Die künftigen Fortschritte des Mädchens werde man begleiten. "Uns ist es wichtig, dass Khrystyna eine Zukunft hat."

Unterstützer von Khrystyna und der Auslandsarbeit des DRK Gundelfingen in der Ukraine können auf folgendes Konto spenden: DRK Gundelfingen, IBAN: DE39 6809 0000 0026 8791 91, Stichwort: "Ukraine-Hilfe"