"Mit wie wenig die Inder auskommen!"

afa

Von afa

Sa, 11. Juli 2009

BZ-INTERVIEW mit Rudolf Sauerbier, Geschäftsführer der Echo-Stiftung von "Wasser ist Leben"

GUNDELFINGEN. Jüngst wurde die offizielle Gründung der Echo-Stiftung gefeiert. Diese Stiftung steht im Zusammenhang mit der Indienhilfe "Wasser ist Leben". Geld soll speziell in die Ausbildung der Kinder in dem indischen Jugenddorf investiert werden. Mit dem Geschäftsführer der Stiftung, Rudolf Sauerbier, sprach unser Mitarbeiter Andreas Fauth.

BZ: Welche Bedeutung hat für Sie die Stiftung und welche Chancen bietet sie?

Sauerbier: Wir haben jetzt für den Verein Indienhilfe Wasser ist Leben eine größere Planungssicherheit. Aus dem Stiftungsvermögen, derzeit 300 000 Euro, werden regelmäßige Zinserträge erwirtschaftet. Mit diesen kann unser Verein jetzt dauerhaft rechnen und sie für die Bildungsprojekte in Indien einsetzen. So können wir auch eventuelle Schwankungen ausgleichen, wenn etwa in Zeiten der Wirtschaftskrise die Spendenbereitschaft nachlassen sollte.

BZ: Wie kam es zur Gründung der Stiftung?

Sauerbier: Als im vergangenen Jahr aus der Initiative Wasser ist Leben ein Verein wurde, hatten wir schon eine Vermächtnis eines Gundelfinger Ehepaars bekommen. Bei der Gründung des Vereins planten wir bereits, mit diesem Geld eine Stiftung einzurichten. Das war im Sinne der Erblasser, die eine Nachhaltigkeit anstrebten.

BZ: Wie wird das Geld angelegt?

Sauerbier: Das Geld lege ich als Geschäftsführer in Abstimmung mit dem Stiftungsrat in sicheren Papieren an. Ein Teil der Erbschaft waren Aktien. Diese haben wir verkauft und in sicheren Papieren angelegt. Wir lassen uns dabei von Finanzexperten der Raiffeisenbank Gundelfingen beraten, die sowohl den Verein als auch die Stiftung unterstützt.

BZ: Die Erlöse werden den Helpers of Mary in Indien für den Bereich Bildung zur Verfügung gestellt. Daher haben Sie auch den Stiftungsnamen Echo – für Education Creates Hope and Opportunities – gewählt?

Sauerbier: Genau. Auf Deutsch bedeutet das Bildung schafft Chancen. Man muss bedenken, dass gerade die Kinder, die wir in Indien unterstützen, aus ärmsten Bevölkerungsschichten stammen und normalerweise keine Chance auf Schulbildung haben. Die Eltern könnten sich das gar nicht leisten. Wenn ihre Kinder aber durch finanzielle Hilfe einen Schulabschluss machen und dazu noch Englisch lernen, sind sie in der Lage, Berufe zu ergreifen, Geld zu verdienen und ihre Familien zu unterstützen. Wir haben auch schon mit den Schwestern darüber geredet, Mädchen mit gutem Schulabschluss an die Uni zu schicken, das ist aber noch Zukunftsmusik.

BZ: Sie sind Geschäftsführer der Stiftung und zugleich Schatzmeister des Vereins. Wie würden Sie Ihre Aufgabe beschreiben?

Sauerbier: Meine Aufgabe ist es, für eine sichere und vernünftige Anlage der Gelder und dem satzungsgemäßen Einsatz der Mittel in Indien zu sorgen. Ich bin außerdem zuständig für die richtige Verwaltung der Finanzen gemäß der Finanzgesetzgebung. Außerdem suche ich zusammen mit meinen Stiftungskollegen/innen nach weiteren Zustiftungen. Im Prinzip ist die Stiftung ja nur ein Anfang, sie kann jederzeit wachsen.

BZ: Welche Erfahrungen bringen Sie mit, die Ihnen diese Arbeit erleichtern?

Sauerbier:
Von Beruf bin ich Apotheker, habe aber mein gesamtes Berufsleben außerhalb der Apotheke verbracht. Ich war als Manager in der Pharma-Industrie tätig, lange Zeit hier bei Gödecke in Freiburg – heute: Pfizer. Die letzten zehn Jahre war ich Qualitätsmanager der Informatik bei Bayer in Leverkusen tätig. Investitionen, Budget, Finanzplanung – das war mein Tagesgeschäft. Immer schon war es auch mein Hobby, mit dem Computer zu arbeiten. Ich mache sämtliche Finanzgeschäfte online, was den Arbeitsaufwand eingrenzt. Das ist in meinem Alter nicht selbstverständlich (lacht).

BZ: Wie sind Sie zur Indienhilfe gekommen?

Sauerbier: Ich kenne Frau Geretschläger (Initiatorin und Vorsitzende des Vereins, Anm. d. Red.) schon seit vielen Jahren, wir haben in einer Straße gewohnt und unsere Kinder waren etwa im selben Alter. Einmal habe ich ihr erzählt, dass ich einige ehrenamtliche Tätigkeiten ausübe. Als die Gründung des Vereins anstand, wurde ein Schatzmeister gesucht. Das ist ein Job, den oft keiner machen will. Als Frau Geretschläger mich anrief, habe ich kurzentschlossen gesagt: "Ich mach’s!". Im Ruhestand wollte ich meine berufliche Erfahrung in der Indienhilfe einbringen.

BZ: Welchen Bezug hatten Sie zu Indien?

Sauerbier: Ich war schon einmal mit meiner Frau dort im Urlaub, kenne es als Tourist. Mir ist aufgefallen, dass man dort mit wenig finanziellem Einsatz viel erreichen kann. Wir sind damals auch in die Armenviertel reingegangen. Das hat mich sehr beeindruckt.

BZ: Inwiefern?

Sauernier: Ich habe gesehen, mit wie wenig die Menschen dort auskommen müssen. Das relativiert unsere Probleme hier.

Spendenkonto: Wasser ist Leben, Raiffeisenbank Gundelfingen (BLZ 680 642 22), Konto: 30 30 300