Politiktage als zentrales Element

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Do, 18. Januar 2018

Gundelfingen

Gymnasiasten aus Gundelfingen machen mit bei Pilotprojekt für Jugendbeteiligung / Ziel: Handreichung für weiterführende Schulen.

GUNDELFINGEN. "Wir sind soweit, wir können nun unsere Außenminister wählen", berichten die Schülersprecher des Albert-Schweitzer-Gymnasiums in Gundelfingen vom Jugendbeteiligungsprojekt an den weiterführenden Schulen, das im Laufe der zurückliegenden zwei Jahre entwickelt wurde. Damit sind die Gastgeber der Auftaktveranstaltung des Pilotprojekts "Schule und kommunale Jugendbeteiligung" schon weiter als die Schulen der anderen beteiligten Gemeinden. Die jedoch verdeutlichen auch, dass es ein für alle gültiges Beteiligungsmodell nicht gibt.

Dennoch: Am Ende des Projekts soll es eine Handreichung für alle Schulen und Kommunen des Landes geben, sagt Karl-Ulrich Templ, der stellvertretende Direktor der Landeszentrale für politische Bildung. Ein Leitfaden, wie Beteiligung junger Menschen an politischen Entscheidungsprozessen "dauerhaft installiert werden kann". Das meint viel mehr als Wahlen zum Anlass zu nehmen, Politik und Beteiligung zu thematisieren und Erstwählerkampagnen zu organisieren. Beteiligung müsse eng verzahnt werden zwischen Schulen, Jugendarbeit und Kommunalpolitik.

Entsprechend besetzt ist die Auftaktveranstaltung mit Schülern aus Gundelfingen, Waldkirch, Emmendingen und Ettenheim, Lehrern und Rektoren, Vertretern der Kultusverwaltung sowie den Rathauschefs aus Gundelfingen, Waldkirch und Ettenheim. Gemeinden, in denen wie in Gundelfingen bereits schulartübergreifende Politiktage mit den Schülern der achten Klassen stattfanden.

Daraus entwickelt wurde in Gundelfingen die Idee einer Arbeitsgemeinschaft Kommunalpolitik, die ein Anhörungs- und Vorschlagsrecht hat, sowie das Modell der Außenminister, die diese AG wiederum im Gemeinderat vertreten und aus diesem berichten. "Die entsprechende Verfassung wurde gestern genehmigt, wir haben uns auf sechs Außenminister geeinigt", sagt Moritz Roth. Drei werden im Gymnasium gewählt, zwei an der Gemeinschaftsschule, einer an der Friedrich-Fröbel-Förderschule. "Dass sich diese eine Vertretung auch zwei Schüler teilen können, wurde vereinbart", so Luis Menendez Kury. Parallel stellen die Ratsfraktionen mit Jugendbeauftragten konkret benannte Gesprächspartner.

"Politiktage sind das zentrale Element", betont Volker Knoop, Direktor des Albert-Schweitzer-Gymnasiums. Grundlegend ist aber auch das, was Schüler im Gemeinschaftskundeunterricht vermittelt bekommen. Deshalb sei der Bildungsplan für diesen Unterricht modifiziert worden, sagt Gerfried Kübler vom Regierungspräsidium. "Neben der Reflexion über Demokratie und Politik müssen diese auch ganz konkret erfahrbar werden", betont er. Demokratie müsse praxis- und handlungsorientiert vermittelt werden. Politik und Politiker müssten mehr und nicht nur zu Wahlkampfzeiten an die Schulen kommen, ist eine Forderung aus den kleineren Diskussionsrunden. Dabei wird jedoch auch eine gewisse Verunsicherung bei Verantwortlichen deutlich, die befürchten, sich dem Vorwurf der Parteilichkeit auszusetzen. Die jedoch kann Templ mit dem Hinweis auf klar definierte Regeln entkräften.

Die Forderung aus dem Kreis der Schulvertreter, die erwünschte Intensivierung des praxisorientierten Lernens von Demokratie und Beteiligungskultur, müsse auch mit den entsprechenden Ressourcen, sprich Lehrerstunden unterstützt werden, bleibt im Raum stehen.

An Ideen mangelt es jedenfalls nicht, das machen die Schulvertreter deutlich. Klar wird dabei, dass die beruflichen Schulen sich anders aufstellen müssen, weil deren Schüler mit den Schulstandortgemeinden weniger verbunden sind als die weiterführenden Schulen in Zentralorten. Doch auch bei denen stellt sich die Frage, wie sich Schüler aus umliegenden, kleinen Gemeinden, in denen es keine weiterführenden Schulen gibt, an der Kommunalpolitik ihrer Wohnorte beteiligen können. Bei den Politiktagen auch die kleinen Gemeinden einzubinden, diese auch unter dem Aspekt des Wohnorts und nicht am Schulort zu orientieren, wie im Elztal, ist eine Möglichkeit, braucht jedoch den Blick über den Tellerrand.

Hilfreich, so die Anregung an die Behördenvertreter, wäre da auch ein zentraler Politiktag an den Schulen im gesamten Regierungspräsidiumsbereich. Der dann, so eine Anregung einer Lehrerin, auch breiter als nur für Achtklässler aufgestellt werden könnte. Denn Interesse würden auch schon jüngere Schüler anmelden.