"Sicher, dass jeder Cent ankommt"

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Sa, 25. Mai 2013

Gundelfingen

Indienhilfe Gundelfingen zahlte 184 000 Euro an Hilfsprojekte.

GUNDELFINGEN. Waisenmädchen in Indien brauchen nach wie vor Hilfe aus Gundelfingen. Das wurde bei der Jahreshauptversammlung des Vereins "Indienhilfe – Wasser ist Leben" deutlich. Für Bildungsangebote, Rundumversorgung von Kindern, Sanierungen und Erneuerungen der Heime gab das Gundelfinger Hilfswerk 184 000 Euro Spendengelder aus.

Immer wieder wird in den Medien Indien als aufstrebende Wirtschaftsweltmacht dargestellt. Die Realität sieht aber auch so aus: 800 Millionen Menschen in Indien müssen von weniger als einem Euro am Tag leben. In Indien gibt es nach wie vor die meisten unterernährten Kinder auf der Erde, jeden Tag verhungern kleine Kinder. Betroffen davon sind vor allem Mädchen. Ihnen gilt die Unterstützung aus Gundelfingen, die mit Hilfe der katholischen Hilfsorganisation "Helpers of Mary" umgesetzt wird. Mit über 300 Ordensschwestern setzen sich die "Helpers of Mary" an mittlerweile 55 sozialen Brennpunkten Indiens ein.

Schwerpunkt der Gundelfinger Hilfe lag 2012 auf dem Fortbestand der seit Jahren laufenden Projekte. Dank der Patenschaftsgelder in Höhe von 66 000 Euro konnten 166 Mädchen, die im Kinderdorf Naya Jeevan leben, rundum versorgt werden. Außerdem wurde der Farmbetrieb, der das komplette Nahrungsangebot für die Kinder erwirtschaftet, mit den Geldern aufrechterhalten sowie zwei Büffelkühe mit Kälbchen gekauft.

Viel Wert legt der Verein auf die Ausbildung der Mädchen. "Bildung ist der Schlüssel zu allem", sagte Gerda Geretschläger, die Vorsitzende der Indienhilfe Gundelfingen. Im vergangenen Jahr wurden knapp 500 Mädchen bildungsmäßig gefördert: 66 Jugendliche, die in dem Mädchenheim bei Mumbai wohnen, wurden mit 30 000 Euro gefördert. Die Fortbildung von 50 Mary-Schwestern ließ sich der Verein 15 000 kosten. Im Slum Malwani werden zwei Schulen mit 12 000 Euro finanziert, die von 320 Kindern im Schichtbetrieb besucht werden. Für das Nähzentrum Malwani gab der Verein 3500 Euro aus.

2012 unterstütze das Gundelfinger Hilfswerk sechs Zentren der Mary-Schwestern. In Shevgaon wurden für 15 500 Euro die Brunnenreaktivierung und die Toilettensanierung bezahlt. In Tilak Nagar musste die Solarbeleuchtung und die Warmwasserversorgung erneuert werden. Das kostete 8000 Euro. In Premankur, ein Tee-Anbaugebiet, wurde ein neues Mädchenheim gegründet. 48 Mädchen, die von ihren Eltern nicht versorgt werden können, leben bereits in dem Heim. Die Indienhilfe half den Kindern mit warmen Kleidern, Schuluniformen, Heften und Stiften sowie mit Essen. In Korlai wurden Hütten der Adivasi (Urbevölkerung) für 5000 Euro saniert. Insgesamt flossen 184 000 Euro nach Indien. Geld, das den Ärmsten der Armen zu Gute kommt.

Für die erledigten Arbeiten und dringend benötigte Anschaffungen legte die Vorsitzende den Mitgliedern staatlich geprüfte Kassenbelege aus Indien vor. Außerdem besuchen jährlich einmal Mitglieder der Indienhilfe (auf eigene Kosten) die verschiedenen Heime in Indien, um sich von der sinnvollen Verwendung der Gelder selbst zu überzeugen. Im vergangenen Jahr reiste die Vorsitzende Gerda Geretschläger selbst nach Indien: "In allen Hilfszentren machen die Kinder einen sauberen, gesunden, fröhlichen Eindruck und haben große Zukunftspläne", versicherte sie. "Bei den Marys können wir sicher sein, dass jeder Cent ankommt."

Neben den fortlaufenden Förderungen will der Verein 2013 die Hilfe für das neue Mädchenheim in Premankur/West-Bengalen erhöht unterstützen. Im Kinderdorf Naya Jeevan müssen die Dächer saniert werden, dafür plant der Verein 13 850 Euro. Für rund 10 000 Euro soll in Shevgaon noch ein Schuppen und eine weitere Sanitäranlage gebaut werden. Zwei neue Büffelkühe und den dazugehörenden Kuhstall für das Mädchenheim Sneha Giri will der Verein 2450 Euro aufbringen.

Finanziert hat der Verein die Hilfen aus Spendengeldern (128 800 Euro), den Patenschaftsgeldern (66 500 Euro) und aus den Stiftungserträgen der E.C.H.O.-Stiftung, die 2009 gegründet wurde. Das Stiftungsvermögen beträgt 387 800 Euro, es fließen jedoch lediglich die Zinserträge in die Projekte. 2012 waren das 12 437 Euro, berichtete Valentin Hettich, Bankdirektor der Raiffeisenbank Gundelfingen, der die Stiftung verwaltet. Nach den Berichten wurden Kassiererin Angela Burger und die anderen Vorstände einstimmig entlastet. Die Kassenprüferin Anja Schimeck und Walter Speaker wurden in ihren Ämtern bestätigt.

Umfassende Informationen über das Gundelfinger Projekt stehen auf: http://www.indienhilfe-wasser-ist-leben.de oder sind bei der Vorsitzenden des Vereins, Gerda Geretschläger (Tel. 0761/52406), zu erhalten.