"Solidarität gibt uns neuen Schwung"

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Von ast

Di, 22. Februar 2011

Gundelfingen

BZ-INTERVIEW mit Gerda Geretschläger, Gründerin der Gundelfinger "Indienhilfe Wasser ist Leben" / Info-Abend am 26. Februar.

GUNDELFINGEN. Die Indienhilfe "Wasser ist Leben" ist seit Mitte der 90er Jahre aktiv. Gerda Geretschläger startete damals mit der Johann-Peter-Hebel-Schule eine Spendenaktion für Straßenkinder. Mehr als 400 Mädchen leben dank dieser Hilfe heute in "Naya Jeevan", nordöstlich von Mumbai. Vieles wurde seither mit der Hilfe aus Gundelfingen aufgebaut. Bei einem Informationsabend am Samstag, 26. Februar, im Kultur- und Vereinshaus können sich interessierte Bürger über die Hilfsprojekte informieren. BZ-Mitarbeiterin Andrea Steinhart sprach mit Gerda Geretschläger.

BZ: Frau Geretschläger, Ihr Verein konnte schon vielen tausend Kindern mit Hilfe der Mary-Schwestern helfen. Kommen Sie auch manchmal an Ihre Grenzen?

Gerda Geretschläger: Unser Team hat sich diese Arbeit freiwillig ausgesucht und wir machen sie seit vielen Jahren aus innerster Überzeugung und mit hohem Engagement. Natürlich spüren wir unsere Grenzen immer wieder angesichts des grenzenlosen Elends. Die Solidarität vieler Menschen hierzulande gibt uns aber immer wieder neuen Schwung.



BZ: Ist das Ihr Ansporn für Ihre Arbeit, oder gibt es da noch etwas?

Geretschläger: Ja, das fröhliche Lachen der Kinder.



BZ: Was tut der Verein, damit es den Kindern von Naya Jeevan gut geht?

Geretschläger: Wir sammeln Spendengelder, um den Lebensalltag der Kinder zu erleichtern. Dazu gehört die Versorgung mit frischem Trinkwasser, mit gesunden Wohn- und Schlafplätzen und guter Ernährung.

BZ: Inzwischen werden alle Mädchen aus dem Kinderdorf auf weiterführende Schulen geschickt, damit sie moderne Berufe erlernen können. Hilft der Gundelfinger Verein bei der Finanzierung mit?

Geretschläger: Die Förderung von Schul- und Berufsausbildung ist ein wichtiges Standbein unserer Förderung. Seit 2002 ist es unserer Initiative gelungen, 600 junge Frauen, zum Teil auch aus anderen Kinderheimen, auf eigene Beine zu stellen. Sie verdienen ihr eigenes Geld.

BZ: Sie sammeln fleißig Spenden. Wofür wurden diese Spendengelder bislang noch eingesetzt?

Geretschläger: In den beiden vergangenen Jahren haben wir im Kinderdorf die Komplettsanierung der Wohnanlage samt einem neuen Kinderhaus und einer Solaranlage finanziert. Daneben fördern wir seit 2005 eine Slumschule und ein Nähzentrum in einem Slum Mumbais. Gerade jetzt wurde mit unserer Unterstützung ein Regenwassernutzungsprojekt in einem Krankenzentrum in der Nähe Mumbais finanziert.



BZ: Kommen die Spendenmittel nur aus der Region um Freiburg?

Geretschläger: Keineswegs, mittlerweile unterstützen Spenderinnen und Spendern aus vielen Teilen Deutschlands unsere Hilfsprojekte.



BZ: Wird das alles ausschließlich über ehrenamtliche Arbeit geleistet?

Geretschläger: Ja, und an dieser Struktur wollen wir auch nichts ändern, denn nur so können wir unsere Verwaltungskosten von etwa 2,5 Prozent halten.



BZ: Am Samstag wird Ihr Verein einen Informationsabend zum Thema Indien im Gundelfinger Kultur- und Vereinshaus veranstalten. Um was geht es dabei genau?

Geretschläger: Indien ist neben China das Land mit den steilsten Wachstumsraten. Die Zahl der Multimillionäre nimmt rasant zu. Dennoch ist Indien das Land weltweit mit den meisten ärmsten, hungernden und kranken Menschen. Der Wirtschaftsboom ist in der indischen Gesellschaft noch nicht angekommen. Über die Hintergründe dieser Entwicklung informiert Oliver Müller, Leiter von Caritas international. Dazu gibt es Informationen zum Verein und zur ECHO-Stiftung, eine Präsentation über aktuelle Hilfsprojekte und eine Fotoausstellung.

Hinweis: Der Informationsabend am Samstag, 26. Februar, beginnt um 20 Uhr im Kultur- und Vereinshaus. Die Ausstellung mit den Bildern und Hintergründen ist bis zum 5.März im Rathausfoyer zu sehen.

Informationen zum Verein unter http://www.indienhilfe-wasser-ist-leben.de