"Viele Kinder erblinden"

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Von ast

Mi, 21. Januar 2015

Gundelfingen

BZ-INTERVIEW: Gerda Geretschläger ruft dazu auf, Brillen für Bedürftige in Indien zu spenden.

GUNDELFINGEN. Mit einem Aufruf an die Gundelfinger Bevölkerung will der Verein "Wasser ist Leben" zusammen mit dem Pflegedienst Hornbruch gebrauchte Brillen sammeln. Für wen diese gebraucht werden, erzählt Gerda Geretschläger, die Vorsitzende, in einem Gespräch mit BZ-Mitarbeiterin Andrea Steinhart.

BZ: Frau Geretschläger, was sammelt der Verein derzeit?
Gerda Geretschläger: Das vorweg: Im März wird eine neun-köpfige Gundelfinger Gruppe zum Projektbesuch nach Indien reisen. Verschiedene Mädchenheime und eine Ureinwohnerstation werden besucht, dazu die Förderschule und Nähstube im Slum Malwani-Mumbai. Als Mitbringsel werden abwaschbare Spielsachen, Farben, Kugelschreiber, Nähnadeln, Flöten und so weiter gesammelt und auch gebrauchte Brillen. Brillen für Kinder und Erwachsene in jeder Sehstärke.

BZ: Für wen werden die Brillen so dringend gebraucht?
Geretschläger: Unsere Partnerinnen sind in abgeschiedenen Regionen tätig, wo öffentliche Verkehrsmittel und Gesundheitszentren fehlen. In diesen abgelegenen Gegenden organisiert der Orden regelmäßig sogenannte Medical Camps. Hier können sich ärmste Menschen kostenlos untersuchen und behandeln lassen. Die Brillen werden in Gundelfingen sortiert, im Krankenhaus der Ordenszentrale ausgemessen und bei Eye Camps von medizinischem Fachpersonal an die Bedürftigen ausgegeben. Besonders benötigt werden Kinderbrillen.

BZ: Warum ist der Bedarf an Kinderbrillen gerade so hoch?
Geretschläger: Etwa 40 Prozent der Kinder Indiens sind mangel- und unterernährt. Mädchen sind besonders stark betroffen. Mangel- und Unterernährung ist häufig die Ursache für schwere geistige und körperliche Behinderungen. Viele Kinder erblinden infolge von Vitamin A-Mangel.

BZ: Wie viele Brillen sind denn schon zusammen gekommen sind?
Geretschläger: So genau kann ich das nicht sagen. In zwei großen Kartons stapeln sich aber sicher bereits mehr als 1000 Brillen, darunter sind ungefähr 200 Kinderbrillen.

BZ: Gibt es noch anderes, was dringend benötigt wird?
Geretschläger: Ja, es wird Hilfe benötigt für die Beschaffung von Taschenlampen, Medikamenten, Verbandszeug, Kühltaschen, Treibstoff, und so weiter. Die Mädchenheime benötigen dringend Hilfe bei der Erneuerung asbestverseuchter Dächer, Hilfe für Trinkwasserbrunnen und bei der Ausstattung mit Solaranlagen. Warmwasser und eine zuverlässige Stromversorgung tragen erheblich bei zur Verbesserung von Hygiene und Schulleistungen. Auf der Wunschliste der Mädchenheime stehen auch Fahrräder für die großen Mädchen und ein Motorroller für die Schwestern. Unser Herzenswunsch nach wie vor sind Patenschaften. Sie decken die Kosten ab für Unterhalt, Kleidung und Schulbildung. Benötigt werden für ein Mädchen pro Monat 30 Euro, beziehungsweise 50 Euro für ein Mädchen mit HIV/AIDS.

BZ: Wie viele Patenschaften wurden denn bisher von Gundelfingern übernommen?
Geretschläger: Mitbürger und Mitbürgerinnen aus Gundelfingen sorgen ganzjährig für 34 Mädchen, insgesamt wurden Patenschaften für 204 Mädchen übernommen.

Gerda Geretschläger, Lehrerin im Ruhestand, ist 72 Jahre alt. Sie hat 1995 die Initiative "Wasser ist Leben" in Gundelfingen ins Leben gerufen, später wurde daraus ein gemeinnütziger Verein.