Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

18. November 2010

Wer war Frida Kahlo?

Szenische Lesung des Gundelfinger Kunstvereins versetzt die Zuhörer nach Mexiko.

  1. Kunstverein Gundelfingen Foto: Andrea Steinhart

GUNDELFINGEN. Frida Kahlos schillernde Persönlichkeit, sowohl als Malerin als auch als Lebenskünstlerin, stand im Mittelpunkt von Lore Seichter-Muráth. Am Sonntag war die Berlinerin mit ihrer szenischen Lesung "Frida im Kopf – ein Zwiegespräch" im Gundelfinger Rathausfoyer zu Gast. Eingeladen dazu hatte der Kunstverein Gundelfingen.

Sie schreit, jammert, singt ist fröhlich und dann wieder nüchtern, kalt und wütend: In allen denkbar menschlichen Regungen zeichnete Lore Seichter-Muráth anhand Briefauszügen, Tagebuchaufzeichnungen, biografischen Notizen, Gemäldebeschreibungen das Porträt einer starken Frau, die das Leben liebt, aber doch so körperlich leidet: Frida Kahlo. Die Texte schrieb die Berlinerin 2007, in dem Jahr, in dem Kahlo, die "Malerin der Schmerzen" hundert Jahre alt geworden wäre.

Frida Kahlo wurde am 6. Juli 1907 in Covoacan, Mexiko-Stadt geboren. Sie zählt zu den bedeutendsten Vertreterinnen einer volkstümlichen Entfaltung des Surrealismus. In ihren Bildern bezog sich die Künstlerin auf die Kunst der Azteken und der Maya, sie befasst sich mit sozialen und politischen Problemen und verarbeitet ihr eigenes Leiden in ihren Gemälden. Von den 143 Werken die sie schaffte, sind 55 Selbstbildnisse.

Werbung


Einfach, ohne Schnörkel und Beiwerk, sitzt Lore Seichter-Muráth am kleinen Tisch im Rathausfoyer, erzählt von Frauen in bunten Gewändern, beschreibt die Farbenpracht und Fremdartigkeit des Landes Mexikos und erwähnt ganz nebenbei die Busfahrt zur "Casa azul": Das Blaue Haus ist Anfang und Ende der Geschichte. Eine Wahrnehmung nach der anderen reiht sie aneinander, dazwischen biografische Fakten und dann Geschehnisse, die das Leben der mexikanischen Künstlerin verändern. 1925, ein Verkehrsunfall, eine eiserne Griffleiste, durchbohrt den Körper Kahlos, die Wirbelsäule, wird dabei zertrümmert. Nach einem Monat im Krankenhaus und fünf Monate zu Hause ans Bett gefesselt, beginnt Frida Kahlo zu malen. "Im Bett", schreibt sie an ihren Freund, "ist so viel Leben wie im Grab." Mit ihren Bildern, in denen sie ihren Schmerz ausdrückt, wird sie zur bekanntesten Malerin Mexikos.

Sie heiratet 1929 Diego Rivera, verlässt ihn 1935 wegen seiner Untreue, tritt in die kommunistische Partei ein, engagiert sich und kehrt der Partei wieder den Rücken. Sie hat mit dem russischen Revolutionär Leo Trotzki eine Liebesaffäre, stellt ihre Bilder in Paris, New York und Mexiko aus und heiratet Rivera ein zweites Mal. Immer noch leidend an den Folgen des Unfalls überstand sie schwere Operationen am Rücken und am Bein, bekämpfte die Schmerzen mit hohen Dosen Morphium und verzweifelt dennoch an ihnen. Mit 47 Jahren stirbt Frida Kahlo.

Dieses außergewöhnliche Leben hörten die Gäste nicht nur, sondern sie erlebten es durch die Lesung von Lore Seichter-Muráth, die tiefe Eindrücke hinterlassen hat. Die Berlinerin arbeitet als Regieassistentin, Dramaturgin und Schauspielerin für Theater, Fernsehen und Film und ist Autorin zahlreicher Hörspiele, auch über Niki de Saint Phalle, Käthe Kollwitz und Camile Claude.



Autor: Andrea Steinhart