Wie Mädchen geholfen wird

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Di, 24. Dezember 2013

Gundelfingen

Spenden aus Gundelfingen gehen nach Indien / Neue Generaloberin sendet Weihnachtswünsche.

GUNDELFINGEN / DENZLINGEN / NAYA JEEVAB. Seit vielen Jahren unterstützt die Johann-Peter-Hebel-Grundschule ein Indienprojekt: "Wasser ist Leben". Das tun mittlerweile auch viele Gundelfinger Bürger und darüber hinaus auch Schulklassen wie im Vorjahr in Denzlingen – oder Unterstützer in ganz Südbaden. Für die Hilfe hat sich per Weihnachtspost nun die neue Generaloberin des Ordens Helpers of Mary, Stella, in Gundelfingen bedankt.

Körperlich ausgezehrt, mager und krank kam Pari ins indische Dorf Naya Jeevan. Nach dem Tod ihrer aidskranken Mutter gab es niemanden mehr, der für das fünfjährige Kind sorgen konnte. Einen Vater oder Geschwister konnte man nicht ausfindig machen. Die Sterbeurkunde der Mutter war das einzige Dokument, das Pari hatte, als sie zu den "Helpers of Mary" kam. Um ihr zu helfen, sind die Ordensschwestern auf finanzielle Unterstützung angewiesen, diese erhalten sie von vielen Spendern in und um Gundelfingen.

In Indien leiden immer noch Kinder, weil ihre Eltern nur ein geringes Einkommen haben. Sie leiden unter Analphabetismus und dem niedrigen Niveau der Schulen. 35 Millionen Kinder besuchen keine Schule, 28 Millionen Kinder unter 14 Jahren müssen arbeiten. Eine Schule, ein Krankenhaus, eine Toilette zuhause, zwei volle Mahlzeiten am Tag sind immer noch ein Traum von vielen Kindern im aufstrebenden Indien. Es ist diese Welt, in der die Helpers of Mary präsent sind.

"Ihr seid unsere Partner bei unseren Bemühungen, Sinn, Lebensinhalt und Hoffnung zu den Millionen Hungernden zu bringen", schrieb kurz vor Weihnachten die neue Generaloberin Stella. "Ihr seid ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit." Seit 1995 helfen Kinder, Frauen und Männer aus Gundelfingen und selbst die Gemeinde über den Verein "Wasser ist Leben" vielen Kindern in Indien. Umgesetzt wird die Hilfe vor Ort vom Orden "Helpers of Mary". Schwerpunkt der Hilfe lag 2013 auf dem Fortbestand der seit Jahren laufenden Projekte. Mittels der Patenschaftsgelder konnten zahlreiche Mädchen, die im Kinderdorf Naya Jeevan leben, rundum versorgt werden. Pari lebt ebenfalls dort, im Haus ISH Kripa, in dem ausschließlich AIDS-kranke Kinder leben. Sie wird einmal wöchentlich vom Arzt in der Krankenstation des Kinderdorfs untersucht. Um den gesundheitlichen Zustand der Kinder zu stärken, erhält jedes HIV-erkrankte Kind täglich eine doppelte Ration Milch, Joghurt, Eier und frisches Obst aus der eigenen Farm.

"In unseren Heimen werden nicht nur die Grundbedürfnisse der Kinder wie Nahrung, Unterkunft und Kleidung gedeckt, sondern die Kinder bekommen auch menschliche Liebe und Aufmerksamkeit", versicherte die Generaloberin. Außerdem erhalten die Mädchen eine Schul- und eine Berufsausbildung. Unterricht in Schneidern, Henna und Kosmetik, sie lernen, wie Computer bedient werden und Grundkenntnisse in Englisch. Sie machen Handarbeit, Kerzengießen, Sticken, Malen – das gibt ihnen die Möglichkeit, das erforderliche Einkommen zu verdienen sowie Selbstvertrauen und Sicherheit. In der Akademie im Mutterhaus Andheri erhielten über 500 Mädchen eine praktische Ausbildung und wurden danach in eine gute Arbeit vermittelt. Im Nähzentrum von Malwani bilden die Marys junge Schneiderinnen aus. Mit ihrer Abschlussurkunde erhalten die Frauen eine Nähmaschine im Wert von rund 60 Euro mit der sie ihren Lebensunterhalt verdienen können. "Das Bestreben von uns Schwestern ist es, Frauen zu befähigen." Die Schwestern gründeten daher Kooperativen und helfen dort Frauen aus den ausgegrenzten, unterprivilegierten und rückständigen Gebieten eine Lösung für ihre wirtschaftlichen Probleme zu finden. In manchen Ausbildungsstätten versammeln sich Frauen-Selbsthilfegruppen, um Kurse in Rechtsfragen zu belegen. So können die Schwestern Korruption vermeiden und fördern Menschenrechte und Menschenwürde. Außerdem informieren die Marys die Frauen über Hygiene, richtige Ernährung, Einkommensbildung und über die allgemeinen Gesundheitsprogramme. Im Slum Malwani unterhalten die Schwestern zudem eine Schule, dort werden über 300 Kinder im Schichtbetrieb unterrichtet. Bislang wurden 5605 Mädchen in den 20 Mädchenheimen der Mary-Schwestern, 300 Jugendliche in Heimen und 1773 Frauengruppen mit 25 566 Frauen unterstützt.

Besucht wurden kürzlich die Kinderheime von Brigitte Kleine-Winzer, die einige Wochen bei den Helpers of Mary hospitierte und vor Ort die mit Gundelfinger Spendengelder umgesetzten Projekte begutachtete – darunter auch die "Apfelhühner" in Naya Jeevan, ein Projekt finanziert mit Gundelfinger Spendengeldern. "Habe alle Hühner fotografiert und gesehen, wie rasend schnell sie sich vermehren – wieder werden rund 100 Eier zum Ausbrüten gebracht und nach 21 Tagen zeigen sich die ersten Schnäbelchen. Ein Erfolgsprojekt, das jedem Kind ein Sonntagsei ermöglicht", berichtete die Lehrerin aus Lörrach.

"Wir denken stets an Eure Leidenschaft und Barmherzigkeit für die Armen, an Euren Mut und Euer Engagement, um uns finanziell zu unterstützen und an Eure Liebe, die uns moralisch unterstützt bei unserer Arbeit", schrieb Generaloberin Stella in Dankbarkeit und wünschte zugleich allen fürs Weihnachtsfest "Friede den Menschen guten Willens".

Hinweis: Der Verein "Wasser ist Leben" finanziert seine Arbeit durch Spenden. Das Konto bei der Raiffeisenbank Gundelfingen lautet: 3030300, Bankleitzahl 68064222. Weitere Infos unter:

http://www.indienhilfe-wasser-ist-leben.de