Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

09. Februar 2013

Holz auch für Großbauwerke

Vorteile und innovativer Einsatz des Baustoffs Holz / Vorträge im Bizzz.

  1. Tobias Amann, Chef von Lignotrend Weilheim, erläuterte im Bizzz-Forum die Planung und Realisierung mehrerer in Form, Konstruktion und Dimension neuartiger Holzbauprojekte Foto: Nikolaus Bayer

GUTACH. Ein Symposium im Bauinformationszentrum Gutach (Bizzz) beschäftigte sich mit dem Thema "Innovative Holzbaulösungen für Kommunen". Das Bizzz veranstaltete dies gemeinsam mit der Clusterinitiative Forst und Holz Baden-Württemberg, einer Interessenvertretung der zwölf Branchen der Holzwirtschaft. Etwa 30 Vertreter von Bauämtern, Architekten und Forstleute bekamen vier Vorträge zu hören.

Einleitend trat Hinrich Ohlenroth, als Stellvertreter des Landrats, für eine Stärkung der Holzwirtschaft ein. Auf Kreisebene umfasst sie aktuell neun Sägewerke und 650 verarbeitende Betriebe; allein 3700 Personen oder zehn Prozent der Vollarbeitsplätze sind vom Holz abhängig. Im Land wachsen auf 1,4 Millionen Hektar Waldfläche jährlich zwölf Millionen Festmeter nach, von denen im Durchschnitt aber nur neun Millionen verarbeitet werden. Daher sei die Ressource Holz – dank des nachhaltigen Forstbetriebs – auch für eine vermehrte Nutzung als Baustoff ausreichend vorhanden.

Die Ausweitung der Holznutzung sowie Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit aller Akteure in der Wertschöpfungskette sind auch die Hauptaufgaben der Clusterinitiative BW. Entsprechend warb Uwe Köhler, ihr Geschäftsführer, für die Vorteile des Holzbaus. Gemessen an den Lebenszykluskosten sei er preisgünstiger als ein konventioneller Bau.

Werbung


Für ihn sprechen ein niedrigerer Energieaufwand bei Errichtung oder Umbau, der hohe modulare Vorfertigungsgrad mit kurzen Bauzeiten und ein besseres Raumklima. Die Anpassung an veränderte Lebensbedingungen fällt durch die Bauweise mit wenig tragenden Wänden leichter. Und schließlich würden überholte Brandschutzauflagen, wie etwa das Kapselungsgebot in der Landesbauordnung, derzeit beseitigt.

Massivholzbauten in der Gebäudeklasse bis 13 Meter Höhe und 400 Quadratmeter Grundfläche werden dadurch möglich. Köhler war daher optimistisch, dass die Holzbauquote sich weiter erhöhen wird. Mit 25 Prozent der Ein- und Zweifamilienhäuser (2012) stehe Baden-Württemberg bereits mit Abstand an erster Stelle.

Hausherr und Architekt Klaus Wehrle referierte über die stets enge Verbindung von Holzbau und Bauteamverfahren, das von ihm mitentwickelt wurde. Dabei suchte er die anwesenden kommunalen Entscheider von dessen Eignung auch für öffentliche Vorhaben zu überzeugen. Anstelle eines Generalunternehmers, durch dessen strikte Trennung von Planung und Durchführung sowie verfahrensnotwendige Zuschläge häufig Kostenüberschreitungen und Baumängel auftreten, empfahl er das auf das Gesamtprojekt ausgerichtete Bauteam.

Planung und Realisierung eines Neubaus in Teamarbeit birgt Vorteile

Bei diesem Verfahren, so Wehrle, werde zwar auch eine Komplettleistung geliefert. Durch die frühe Auswahl aller beteiligten Unternehmen durch den Bauherrn und deren Einbindung in die Planung sowie vorab gesetzte Kostenobergrenzen ergäben sich für den Auftraggeber jedoch drei wesentliche Vorteile: eine optimierte Ausführung, Zeitersparnis und Kalkulationssicherheit.

Als Beispiele für die weit fortgeschrittenen Möglichkeiten stellten zwei Unternehmen mehrere in Massivholz gefertigte, kommunale Großbauwerke vor. Ihnen gemeinsam war dabei, dass sie technische und materialbedingte Probleme, wie etwa die Überbrückung großer Spannweiten, hohe Stützlasten oder die Einhaltung von Brand- oder Schallschutzauflagen, durch fortentwickeltes Fachwissen firmenintern gelöst haben.

Jens Launer, Chef einer Ulmer Holzbaufirma, stellte eine in Heidelberg errichtete, zweigeschossige Kindertagesstätte mit 500 Quadratmeter Grundfläche vor, bei der nur Bodenplatte und Fahrstuhlschacht noch betoniert wurden. Die Bauzeit: vier Monate für die Konfektionierung aller Wandelemente und zwei Monate für deren Aufrichtung.

Schon Visionäres hatte Tobias Amann, Inhaber von Lignotrend in Weilheim/Hochrhein, zu bieten. Neben einem 8000 Quadratmeter großen Kaufhausgebäude aus Holz präsentierte er das im Verbund aus druckfestem Beton und zugfestem Holz errichtete Otto-Hahn-Gymnasium in Furtwangen. Die Lehrer, so Amann, berichten dort heute von positiverem, weniger aggressivem Verhalten der Schüler in den neuen Räumen.

Als eigene Grenzerfahrung hat diese Firma aber auch ein 14 000 Kilometer entfernt liegendes Projekt verwirklicht. Mit einem Luxemburger Partner hat sie 2008 die belgische Forschungsstation in der Antarktis gebaut. Die "Princess Elisabeth Antartica" ist ein 20 mal 20 Meter großer, reiner Holzbau mit Aluminium-Außenhaut. Als futuristisches, auf Stahlstützen stehendes Pentagon trotzt es dort Temperaturen von minus 70 Grad Celsius. Holz aus dem Schwarzwald – kombiniert mit Hightec – erweist sich so selbst bei Polar stürmen als geeigneter Baustoff.

Autor: Nikolaus Bayer