Mit selbstgebautem Bus auf Tour

Regina Lorenz

Von Regina Lorenz

Mo, 31. Juli 2017

Gutach im Breisgau

Die Elftklässler der Freien Schule Elztal realisieren gerade ein ganz ambitioniertes selbstbestimmtes Projekt – einen Fahrradbus.

GUTACH. Lackieren, schweißen, bohren und schleifen – das sind in den letzten drei Wochen bestimmende Inhalte des Unterrichts der 10. Klasse in der Freien Schule Elztal gewesen.

Nicht normal an einer Staatsschule – für das Konzept der Freien Schule schon. Hier steht den beteiligten Schülerinnen und Schülern nämlich das sogenannte Elftklassprojekt bevor: Sechs Wochen selbstbestimmtes Lernen zu Beginn des Schuljahres. Welche Form dies annimmt, entscheiden die Jugendlichen selbst. Die Klasse diesen Jahres will auf Tour gehen. Dafür haben sie sich in den letzten drei Wochen ihr eigenes Fortbewegungsmittel gebaut: Einen Fahrradbus. Das ist eine Art Liegefahrrad, in dem zwei Personen nebeneinander sitzen können – die aber auch hintereinander gekoppelt werden können, so dass ein Bus mit bis zu sechs Personen entsteht.

Die Idee entstand im Austausch zwischen Schülern und Emil Allmenröder, Lehramtsstudent und selbst Besitzer eines Fahrradbusses. Sein Exemplar diente als Vorlage zum Nachbauen. Mit Philipp Köder und Mathilda Roggenbruck fanden sich zwei weitere Leiter des Projekts "Fahrradbus". Als Hilfslehrer unterstützten sie die beim Planen und in der Praxis. Neben den handwerklichen Fähigkeiten wurden auch theoretische Kenntnisse in Physik, Mechanik, Metallverarbeitung und Werkstoffkunde vermittelt. Doch geht es weiterführend auch um Nachhaltigkeit, Mobilität und den Umgang mit Ressourcen.

Neben dem Bau gab es viele andere Dinge zu erledigen. Es mussten Sponsoren gefunden werden, eine weitere Gruppe kümmerte sich um die Dokumentation der Arbeit und zugleich ging es an die Planung der Tour nach den Sommerferien. Grundsätzlich war die Beteiligung am Bau freiwillig. "Alle haben einen Vertrag über die Zusammenarbeit unterschrieben", erklärt Emil Allmenröder. Jeder konnte sich beteiligen, wie er wollte und jederzeit aufhören. "Ist aber nicht vorgekommen", so Allmenröder zufrieden. "Alle haben sehr ambitioniert mitgemacht", betont auch Philipp Köder.

Gewerkelt wurde in der Werkstatt der Schule, aber auch in einer Waldkircher Schlosserei. Eltern stellten Werkzeug und Maschinen zur Verfügung, ein Radladen sponserte Material. Weitere lokale Firmen spendeten Geld, denn die Tour will schließlich finanziert werden. Beteiligt hat sich ebenfalls das bayrische Umweltministerium: Die Busse werden nach Abschluss der Fahrt an die Stadt Sonthofen verbracht, stehen aber der Freien Schule weiterhin zur Verfügung, wenn sich weitere Elftklässler auf Tour begeben wollen.

Die Tour in diesem Jahr ist natürlich das große Ziel. Sechs Wochen geht es durch die Lande. "Natürlich müssen wir mal sehen, wie schnell wir vorwärts kommen", wägt Allmenröder ab. Der Einfachheit halber geht es erstmal flussabwärts: Am Rhein entlang nach Karlsruhe. Weiter geplant sind Stationen wie der Klimagarten in Stuttgart, das Sozialkraftwerk in Schwäbisch Gmünd oder das Ökodorf Schloss Tempelhof. Neben neuen fachlichen Erkenntnissen wird aber die soziale Schulung im Vordergrund stehen: Durchhaltevermögen, Teamgeist und Konfliktfähigkeit sind gefragt. Aber vorher müssen die Fahrzeuge erst noch fertig gestellt und sogar ein Führerschein bestanden werden. Wenn drei Fahrzeuge hintereinander hängen, werden sie von einer Person gesteuert. "Das ist eine Menge Verantwortung", betont Philipp Köder.