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27. Oktober 2012

Ökologie in der Fabrik

7. Bleibacher Baugespräche / Vier Referate zu nachhaltigem, preisgünstigem Gewerbebau / Mittelstand als Adressat.

  1. Die Teilnehmer an den 7. Bleibacher Baugesprächen: Moderator Markus Hemmerich, Rudolf Spitzmüller, Christof Burger, Architekt Klaus Wehrle und Gerold Huber Foto: Nikolaus Bayer

  2. Das Bizzz: Modernes, nachhaltiges Bauen, was in ihm an vielen Bauteilmodellen und Thementafeln vermittelt wird, zeichnet auch die Architektur des Zentrums selbst aus. Foto: ZVG

GUTACH. Energiesparende Architektur, Finanzierungsmanagement, intelligente Anlagensteuerung und kostenoptimiertes Bauen – dies waren die Themen der 7. Bleibacher Baugespräche, die dieses Mal den Gewerbebau behandelten. Klaus Wehrle, Architekt und Organisator, hatte drei weitere Referenten ins Bauinformationszentrum Bizzz eingeladen. Vor Mittelständlern machten sie deutlich, wie die Nachhaltigkeitsidee in Produktionsstätten Einzug hält.

Im Eingangsreferat erläuterte Klaus Wehrle, Inhaber der Carré-Planungsgesellschaft für Industriebau, die eigentlich uralte Idee der Nachhaltigkeit. Erzwungen durch Energiemangel hatten die Menschen schon im Altertum die Sonne in ihre Bauweise einbezogen. In der Renaissance kam die Verwendung von Glas hinzu. Mit der Technisierung im 20. Jahrhundert folgte schließlich die Vorstellung autarker Systeme, die die Umwelt im wesentlichen unberührt lassen. Wehrle zeigte dazu verschiedene Bauprototypen, beginnend mit dem Weltausstellungspavillon 1967. Er kritisierte aber auch die "Technikmanie" in Gestalt reiner Glas- und Stahlbauwerke. Als sein Ideal deutete er eine Low-Tech-Bauweise an, die sich schonend in ihre Umgebung einfügt und doch effizient ist. Dabei verwies er auf die Zukunftsfabrik der Wasserkraft Volk (WKV), dem weltweit ersten, energieautark betriebenen Industriegebäude. Das preisgekrönte Projekt sei in vielem modellhaft für nachhaltigen Gewerbebau.

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Nachhaltigkeit, so meinte Wehrle, sei für ihn erst gegeben, wenn ein Gebäude "technisch, ökologisch und wirtschaftlich optimiert" sei. Dazu listete er mehrere Kriterien auf, die heute beachtet werden müssten. Notwendig seien eine größtmögliche Verwendung ökologischer Baustoffe, ein ökonomisch sinnvoller Kapitaleinsatz, der für die Energiebilanz wichtige Einsatz regionaler Baubetriebe, eine soziokulturelle Identität mit passender Bauästhetik, technische Funktionalität zur langfristigen Werterhaltung sowie Standortqualität durch Nähe zu nutzungsrelevanten Einrichtungen.

Auf staatliche Förderprogramme für den Gewerbebau ging danach Rudolf Spitzmüller ein. Der Chef der gleichnamigen Gengenbacher Consulting-AG berichtete, dass diese seit 1983 rund 7000 Vorhaben betreut und Fördergelder von einer Milliarde Euro vermittelt habe. Anschließend stellte er sechs, für Klein- und Mittelunternehmen (KMU) geeignete Zuschuss- oder Darlehensprogramme vor. Das wichtigste unter ihnen sei das "KfW-Innovationsprogramm", das Grunderwerb und Baukosten zu einem Prozent Zins auf zehn Jahre unterstützt. 60 Prozent der Mittel wurden bisher von Betrieben aus Baden-Württemberg genutzt, darunter auch von KMUs aus dem Elztal. Die Programme sind zumeist mit bestimmten Zwecken wie Abfallreduktion, Arbeitsplatzschaffung oder höhere Energieeffizienz verbunden, die später nachgeprüft werden.

Konkrete Anlagentechnik, nämlich digitale Gebäudeautomatisation, war Thema des dritten Vortrags. Gerold Huber von der Hohberger Firma Xennio stellte die intelligente Verbindung von Haustechniken aller Art vor. Je nach individuellen Vorlieben lassen diese sich zu Abläufen verbinden und benutzerfreundlich über eine einzige Bedienoberfläche steuern. Als interessant für Gewerbebauten wurden die Aspekte Sicherheit und Energiemanagement hervorgehoben. Beispiele dafür sind etwa die Kombination von Sprech-, Video- und Zutrittskontrollanlagen. Ebenso die Kopplung der hauseigenen Stromerzeugung mit der externen Versorgung, um so einen sicheren und zugleich sparsamen Stromfluss zu gewährleisten. Dazu kommen weitere Möglichkeiten, wie die Beschattung von Fenstern, abhängig von Lichteinfall und Außentemperatur, eine ans Tageslicht gebundene Beleuchtungssteuerung oder das Energiemonitoring zur Verbrauchskontrolle.

Christof Burger, Waldkircher Bauunternehmer, ging schließlich der Frage nach einem kostengünstigen, hochwertigen und für die Gewerke dennoch wirtschaftlichen Industriebau nach. Dabei grenzte er sich von einer Ausführung durch Generalunternehmer ab. Hoher Eigenverdienst des Generals bis zu 15 Prozent und von ihm erzeugter Kostendruck auf einzelne Gewerke mit späteren Mängelrisiken sprächen gegen dieses Verfahren. Statt dessen plädierte er für das auch unter Bizzz-Partnern bevorzugte Bauteam-Verfahren. Bei ihm stehe das Gesamtbauwerk im Vordergrund; jeder Handwerker im Team habe dafür automatisch eine Mitverantwortung, meinte Burger. Durch gemeinsame, ständige Optimierung ergäben sich niedrigere Baukosten und höhere Qualität bei kürzerer Bauzeit, was er noch an Beispielen zu verdeutlichen suchte. Beim Bau des 1,2 Kilometer langen Wasserzulaufs zur WKV-Fabrik etwa habe das Einvernehmen in die Vorzüge von Holzröhren dazu geführt, dass er als Betonanbieter auf hohe Liefermengen verzichten musste. Ganz zum Vorteil des Bauherrn, der so eine halbe Million Euro einsparen konnte.

Autor: Nikolaus Bayer