Sauberes Wasser ist das Wichtigste

Sylvia Sredniawa

Von Sylvia Sredniawa

Mo, 29. Januar 2018

Gutach im Breisgau

Die Entwicklungshilfeprojekte der Esperanto-Freunde Freiburg werden mit hohen Beträgen von der Wasserkraft Volk AG unterstützt.

GUTACH/FREIBURG (sre). Hilfe vor Ort statt Flüchtlingswellen nach Europa – das ist in der Politik inzwischen recht oft zu hören. Andere haben das schon länger verstanden und geben einen Teil ihres Wohlstandes ab, um Projekte in Afrika zu unterstützen. Seit zehn Jahren arbeiten beispielsweise die Wasserkraft Volk (WKV) AG, die Esperanto-Gruppe Freiburg und die Asocio de Verduloj Esperantistaj (AVE – Esperantisten, die mit den Grünen sympathisieren) bei Entwicklungsprojekten in Afrika zusammen.

Die Wasserkraft Volk AG hat in ihrer Satzung verankert, dass fünf Prozent des Jahresgewinns an ökologische und soziale Projekte vergeben werden – in den vergangenen zehn Jahren jährlich fünfstellige Beträge, die an verschiedene Projekte vergeben wurden: Wasser ist Leben (Gundelfingen, Hilfsprojekt für Mädchen leprakranker Eltern in Indien), Wasser für Kalima (Freiburg, Trinkwasserversorgung in Kalima, Demokratische Republik Kongo), "Poema" (Stuttgart, Unterstützung für indigene Völker in Brasilien) sowie "Bergauf" (Elztal, Spenden für Kinder mit Tibiodysplasie). 2016 wurden auch Operationen für Cleft-betroffene Kinder unterstützt. Diese gesichtszerstörende Krankheit wird vor allem durch verunreinigtes Trinkwasser verursacht.

In einem gemeinsamen Projekt mit dem französischen Verein Solidarität Afrika-Asien, der Wasserversorgung Augsburg, Wasserkraft Volk und zusammen mit der Stiftung "Brücke" in Emmendingen wurde der Bau von 35 Brunnen für mehrere Dörfer im Nordwesten von Tansania realisiert und sich so dem Ziel genähert, dass jeder Bewohner in einer Entfernung von maximal 400 Metern einen Brunnen mit sauberem Trinkwasser finden sollte. Da damit allerdings auch eine hohe Zahl von Kühen, Schafen, Ziegen und Eseln versorgt wurde, begann der Grundwasserspiegel zu sinken. Zur begleitenden Wasserversorgung entstand der Plan für das Regenwassersammlerbecken in Nyaburundu. Unter kräftiger Mithilfe der Dorfbewohner wurde das Becken inzwischen angelegt, berichtet Manfred Westermayer aus Gundelfingen, der mit dem Bürgermeister der Dorfschaft Ketare Mramba Simba Nyamkinda in Esperanto korrespondiert.

Wasserversorgung zählt auch zu den größten Problemen in der Provinz Maniema der Demokratischen Republik Kongo. Viele Bürger müssen sich an Brunnen versorgen, die bis zu drei Kilometer entfernt sind und deren Wasserqualität je nach Saison schwankt, berichtet Westermayer. Dort engagieren sich die Esperanto-Freunde Freiburgs zusammen mit der Stiftung "Brücke" ebenfalls dank namhafter Unterstützung durch Wasserkraft Volk. Geld gesammelt wurde auch beim Esperanto-Weltkongress in Lille. Über mehrere Jahre wurde inzwischen ein ganzes Netz an Brunnen und Quellfassungen geschaffen, das mehr als 9000 Menschen und ein Krankenhaus versorgt. Betrieben wird das Netz durch eine Genossenschaft; ein Komitee sorgt bei den Nutzern für die Einsammlung von "Wassergeld", das für künftige Instandhaltungen und Erweiterungen benötigt wird.

Der Ausbau mit Quellfassungen und Zapfstellen soll laut der Esperanto-Gruppe auch 2018 fortgeführt werden, um die Wasserversorgung für weitere 5000 Menschen zu verbessern. Für eine Versorgung der ganzen Stadt kann ein Gebirgsflüsschen genutzt werden, wofür allerdings Kosten von etwa 75 000 Euro veranschlagt wurden, so dass das Projekt folglich noch weitere Jahre beansprucht. Angefragt wurde auch die Daimler-Benz Mitarbeiterstiftung "ProCent". In der aktuellen Bauphase wird eine Zapfstelle den Namen "Manfred Volk" bekommen.

In Nordwest-Tansania unterstützten die Freiburger Esperanto-Freunde unter anderem den Bau eines Internats für Mädchen. Der Anlass war, dass der Einzugsbereich der Mittelschule Marambeka mehr als zehn Kilometer groß ist. Die Mädchen legen den Schulweg zu Fuß zurück. 2016 wurden drei von ihnen vergewaltigt und konnten später wegen der Babys nicht mehr die Schule besuchen. Gemeinsam mit der Bosch-Mitarbeiterstiftung "Cents for Help" und der niederländischen Stiftung "Wilde Gansen" wurden zwei Gebäude mit Übernachtungsmöglichkeiten und Aufenthaltsräumen errichtet, berichtet Westermayer. Und als im Nachbardorf Sarawe im Herbst 2017 eine Grundschule durch einen Orkan zerstört und dabei zwei Mädchen getötet und weitere verletzt wurden, half WKV ebenfalls spontan, um einen stabileren Wiederaufbau zu unterstützen.