Vom Teamgeist und der Mietersheimer Mauer

Uwe Schwerer

Von Uwe Schwerer

Fr, 08. Dezember 2017

Handball Allgemein

Der Grundschulaktionstag am 5. März warb in zahlreichen Schulen der Region für den Handball: Zum Beispiel an der Mietersheimer Grundschule.

HANDBALL. Um halb Zehn kommt endlich Leben in die Mietersheimer Schulturnhalle. Hansjörg und Jutta Koller warten schon. Die Kinder aus der 2. Klasse flitzen sofort los, nehmen die Halle in Besitz. Sie müssen offenbar nicht lange motiviert werden, sie bewegen sich von selbst. Koller, Handballabteilungsleiter beim GSV Mietersheim und Jugendtrainer bei der HSG Ortenau Süd, und seine Frau Jutta stehen im Trainingsanzug in der Halle. Hütchen, Trikots, Bälle warten in den Kisten. Sie sind bestens vorbereitet und brennen darauf, anzufangen. "Legen wir los", sagt Koller und klatscht lachend in die Hände.

So ähnlich wie in der Grundschule Mietersheim sieht es an diesem Dienstagvormittag überall im Land aus: Unter dem Motto "Lauf Dich frei! Ich spiel Dich an!" soll an den Grundschulen Handballbegeisterung geweckt werden. Fast 600 Schulen in ganz Baden-Württemberg nahmen an diesen Grundschulaktionstag teil, der in dieser Form zum achten Mal stattfand. Von den hohen Teilnehmerzahlen zeigt sich auch der Präsident des Südbadischen Handballverbandes, Kurt Hochstuhl, "überaus beeindruckt, und ich freue mich, dass wir an diesem Tag so viele Grundschüler erreichen können".

Der Versuch, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen

Bisher wurde der Grundschulaktionstag immer im Oktober angeboten, in diesem Jahr wurde er auf Anfang Dezember verlegt, gleichzeitig zur Handball-Weltmeisterschaft der Frauen in Deutschland. Es ist der Versuch, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

19 Kinder sitzen mit großen Augen vor Koller auf dem Hallenboden. Der fragt erst mal: "Wer spielt denn schon Handball im Verein?" Zwei Finger, immerhin, schnellen in die Höhe. "Rund 60 bis 80 Jugendliche", schätzt Koller, spielen beim GSV, der zusammen mit dem TV Sulz und dem TV Seelbach die HSG Ortenau Süd bildet. Die Konkurrenz an Freizeit- und Unterhaltungsangeboten ist groß. Die Kollers legen sich ins Zeug. Manche Standard-Übungen des Aktionstages müssen, da sie lediglich zu zweit sind, den Bedingungen angepasst werden. "Wir weichen etwas von den Vorgaben ab", sagt er achselzuckend.

Es gibt Fangspiele zum Aufwärmen. Koller erklärt geduldig, ein eifriger kleiner Junge im blauen Trikot, ruft: "Das heißt Chinesische Mauer." Koller sagt: "Und jetzt heißt es Mietersheimer Mauer." Er bringt die Kinder auf Betriebstemperatur, garniert die Übungsformen immer wieder auch mit pädagogischen Hinweisen. Zum Beispiel beim Kettenfangen: "Ihr seht, im Team geht das besser." Diese Erfahrung wird auch beim Karottenziehen vermittelt, das die Kinder schon kennen. Sie liegen im Kreis auf dem Bauch, fassen sich an den Händen. Sie jetzt wegzuziehen, ist schwer.

Der Lärmpegel ist Zeichen für die Begeisterung der mittlerweile 22 Kinder, die Sportstunde kommt prima an bei den Zweitklässlern. Nach einer ersten Trinkpause stürmt ein kleiner Bursche in die Halle zurück und ruft: "Wann spielen wir endlich Handball?" Die Kollers aber bauen ihre Übungen methodisch und routiniert auf. Ein Lernschritt folgt auf den nächsten. Dann bitten sie zu Wurf- und Fangspielen im Kreis. "Niemand lässt den Ball fallen", sagt Koller streng. Langsam steigen die Anforderungen, der Eifer der Kinder lässt kaum nach.

Impulse für den Unterricht sind sehr willkommen

Sehr angetan zeigt sich auch Andrea Lorenz, die Lehrerin der 2. Klasse: "Ich freue mich, dass meine Klasse mitmachen darf. Ich finde diese Aktion einfach toll." Sie hat einen Block dabei und macht sich Notizen. Impulse für den eigenen Unterricht sind sehr willkommen. Noch ein Effekt dieses Aktionstages.

Nach zwei Schulstunden ist die Aktion in Mietersheim vorbei. Die verschwitzten Kinder bekommen Urkunden, Buttons und ein Regelheftchen. Und natürlich die Einladung zum Schnuppertraining im örtlichen Verein. "Der Zweck ist, die Kinder fürs Handballspielen zu begeistern", sagt Koller. Er hofft auf neue Gesichter im Training der HSG. Genauso wie alle anderen Handballbegeisterten, die am Dienstagvormittag einen Teil ihrer Freizeit in den Schulen verbracht haben.

Schulen aus der Region: Grundschule Mietersheim, Johann-Peter-Hebel-Schule Lahr, Grundschule Sulz, Geroldsecker Bildungszentrum Seelbach, Grundschule Langenwinkel, Grundschule Friesenheim mit Außenstelle Schuttern, Grundschule Altdorf, Ludwig-Frank Nonnenweier und Allmannsweier, Friederike-Brion-Grundschule Meißenheim, Karl-Person-Schule Ringsheim, Grundschule Ichenheim, Johann-Henrich-Büttner Schule Altenheim, Mörburgschule Schutterwald, Grundschule Langhurst, Gemeinschaftsschule Hohberg, Grundschule Elgersweier, Grundschule Römerbad Zunsweier.