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24. Januar 2009

Halters Sprachkritik

DAS LETZTE WORT: Verfluchter alter Lecker

  1. - Foto: -

Das Wort "lecker" kommt in nicht weniger als 92 leckerleichten Werbeslogans vor, von "Mach dich lecker" bis "Mehr lecker geht nicht". Hubbabubba Flops sind "frechbuntlecker", Seitenbacher Müsli, behauptet Firmenchef Willi Pfannenschwarz im Radio auf Schwäbisch, sogar "leckerleckerlecker". Mmmh. Holländer fühlen sich dabei "niet lekker". Bei unseren Nachbarn kann alles lekker sein: Kroketten, Gras, Tulpen; man kann sich sogar lecker fühlen und "lekker fietsen". Selbst im Rheinland gibt es "lecker Mädsche". Im Süden dagegen gilt lecker als "größtes Unwort der letzten Jahre" (Ottfried Fischer). Wenn Münchner etwas lecker fänden, ekelt sich der bayrische Kabarettist, sei das "lingualästhetisch unterirdisch". Auch die Österreicher hassen das Piefkewort, und als Adolf Muschg in einer Talkshow behauptete, richtige Schweizer fänden Essen nie lecker (nur fein oder guot), bekam er viel Beifall; selbst in Basel, der Heimat der Läckerli. Woher diese Abneigung gegen ein währschaftes Wort, das schon in der Odyssee ("Und sie hoben die Hände zum lecker bereiteten Mahle") vorkommt? Auch Goethe sprach unbefangen von der "leckeren Wirkung" von "leckern Speisen" auf Leib und Seele. Soll man etwa den stets "leckeren" Fraß der Fernsehköche und Schokoriegelhersteller mit so geschraubten Adjektiven wie delikat, schmackhaft oder köstlich verbessern? Frauen finden "lecker" eher süß, ja erotisch; sie bewegen sich dabei auf etymologisch gesichertem Boden: Lecker kommt natürlich von (sch)lecken. Grimms Wörterbuch verzeichnet es vor allem als Hauptwort: "Einer, der leckt", labt sich an Honig (oder Speichel, Jungfern und anderen Dingen "von vorzüglichem Wohlgeschmack"). Später verkam "Lecker" zum Schimpfwort für allerlei Schlingel und Laffen ("O du verfluchter alter Lecker!"). Alte Frauen können sich laut Grimm "weidlich lecker halten"; auch die cunnilingualästhetische Bedeutung der geilen "Leckerin" muss hier nicht näher erläutert werden. Inzwischen sind die Leckerbuben auf dem Rückzug. Leckerland ist abgebrannt. "Leckerschmecker" wurde schon in "Curly Wurly" umbenannt, Firmen wie Frosta suchen verzweifelt nach Synonymen, die auch süddeutschen Leckermäulern schmecken. Wir empfehlen mit der Crispos-Werbung: "Immer schön lecker bleiben".

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