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15. August 2017

Das lange Ringen um einen Radweg

Hartheim sucht nach einer Lösung, damit Radfahrer zwischen Feldkirch und Bremgarten künftig sicherer unterwegs sein können.

HARTHEIM AM RHEIN. Ein Radweg zwischen Feldkirch und Bremgarten könnte quer über die Felder oder schnurgerade entlang der Straße führen. Doch beide Varianten haben ihre Tücken, wie Hartheims Gemeinderäte festgestellt haben. Seit Jahren wird um eine Lösung gerungen. Jetzt liegt eine neue Idee auf dem Tisch.

Die Landwirte wollen keinen Radweg, der ihre Arbeit behindert. Für einen Rad- und Fußgängerweg entlang der Verbindungsstraße zwischen Feldkirch und Bremgarten müssten sie Geländestreifen abtreten. Drei Jahre lang, seit Januar 2014, verhandelt die Gemeindeverwaltung schon mit Landwirten über einen Flächenankauf. Neun Grundstückseigentümer sind betroffen, nur drei sind mit einem Verkauf oder einem Tausch von Flächen einverstanden. "Entweder sie wollen gar nicht oder sie stellen exorbitante Forderungen für den Ausgleich", sagt Bürgermeisterin Kathrin Schönberger.

Weitere Möglichkeiten wären eine Enteignung oder, die Idee eines Radwegs fallen zu lassen. Oder aber eine Alternativroute über die Feldwege einzurichten. Warum nicht, hatten einige Ratsmitglieder in der Sitzung im Juni gemeint und das Thema vertagt. In der letzten Sitzung vor der Sommerpause stellte Uwe Linsenmeier vom Bauamt nun einen Lösungsvorschlag vor. Das Problem dabei: Obwohl ein Radweg eingerichtet wird, würden die Feldwege weiterhin als Wirtschaftswege von den Landwirten genutzt.

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"Viel zu gefährlich", befand Schönberger. Vor allem dann, wenn Pflanzen, etwa Mais, die Sicht versperren. "Da wird es schwierig, sicher nach Hause zu kommen", befürchtete die Bürgermeisterin. Das sah Jürgen Stein ganz genauso. Es habe andernorts schon tödliche Unfälle auf Radstrecken zwischen mannshoch bewachsenen Feldern gegeben, warnte der SPD-Rat. Darüber hinaus befürchtete er, dass die Wege nicht gereinigt würden.

Schönberger favorisierte den ursprünglichen Plan, den Radweg parallel zur Gemeindeverbindungsstraße anzulegen. Sie regte daher weitere Gespräche mit den Grundbesitzern an. Joseph Bauer machte einen ergänzenden Vorschlag. Seine Idee zielte auf die Ausrichtung der Anbauflächen: Manche Felder sind entlang der Straße in Fahrtrichtung von Süden nach Norden ausgerichtet, manche von Ost nach West. Wären alle nach dem Straßenverlauf ausgerichtet, wäre die Bewirtschaftung trotz Radwegs weniger problematisch, so der Freie-Wähler-Rat.

Neue Verhandlungen mit den Landwirten

"Würde man die Flächennutzung bei den von Ost nach West ausgerichteten Äckern vertauschen, bräuchte es keinen Wirtschaftsweg, sondern nur den Radweg am Rand der Straße", sagte er. Betroffen wären davon nur zwei Grundstücke.

Damit sei der Flächenankauf aber noch nicht vom Tisch, gab Schönberger zu bedenken, "trotzdem brauchen wir noch fünf Meter für den Radweg". Bauers Fraktionskollegen Werner Imm gefiel Bauers Vorschlag, nicht zuletzt, weil weniger Fläche erforderlich wäre. "Vielleicht erhöht das die Bereitschaft der Landwirte zu verkaufen", hoffte er. Für einen Rad- und einen Wirtschaftsweg bräuchte die Gemeinde einen nahezu zehn Meter breiten Streifen über die ganze Straßenlänge, "da sind wir schnell bei einer Dreiviertelmillion Euro. Da wäre die neue Variante mit dem Radweg alleine günstiger", so Imm. Allerdings wollte er nicht Jahre warten, bis die Verkaufsverhandlungen mit den Grundeigentümern abgeschlossen sind. "Deshalb sollten wir die Route zwischen den Feldern trotzdem gleich einrichten und befestigen", meinte er. Gottfried Link (CDU) wollte ebenfalls nicht mehr lange warten. Die Verwaltung müsse schnell mit den Landwirten reden, forderte er und meinte, wenn die Verwaltung das zügig angehe, funktioniere es auch. Die von Bauer vorgeschlagene Lösung koste die Gemeinde nur halb so viel.

"Dann müssen sie das halt so beschließen", konterte Schönberger. Das taten die Räte auch, legten sich aber noch nicht endgültig auf einen Wegeplan fest. Erst soll die Verwaltung mit den Grundbesitzern wegen des Flächenvertauschens verhandeln, das Resultat wird in der Ratssitzung am 19. September vorgestellt.

Autor: Susanne Müller