"Schwanitz, Shakespeare und der Salmen"

Neuer Juwel der Literaturlandschaft

Hans-Peter Müller

Von Hans-Peter Müller

Mo, 22. Mai 2017 um 18:39 Uhr

Hartheim

"Schwanitz, Shakespeare und der Salmen" heißt die neue Dauerausstellung in Hartheim. Ein Juwel, der laut dem Landesbeauftragten für Literaturmuseen, Thomas Schmidt mit der Ausstellungstechnik in der Champions League spielt.

Dass Hartheim einmal in der Champions League spielt, hätte sich auch keiner der vielen Gäste träumen lassen, die am Freitagabend zur feierlichen Eröffnung der neuen Dauerausstellung in den Hartheimer Salmen gekommen waren. Doch Thomas Schmidt, beim Land zuständig für Literaturmuseen, stellte klar, dass man mit der von der Firma Ranger designten Ausstellung in der obersten Liga spielt, und adelte die Initiative des Hartheimer Salmen-Vereins mit den Worten: "Sie haben hier einen neuen Juwel in der Literaturlandschaft geschaffen."

Dass der Weg bis zu diesem Freitagabend steinig und nur durch eine gute Portion Hartnäckigkeit zu bewältigen war, wurde in den zahlreichen Grußworten deutlich.

Paul Altenburger, Vorsitzender des "Vereins zur Erhaltung und Nutzung des historischen Gasthauses und Schwanitz-Hauses ,Zum Salmen’" erinnerte an das Dorfgasthaus mit seiner 250-jährigen Geschichte, das zuletzt als Tante-Emma-Laden diente. Es wurde bekanntlich von Dietrich Schwanitz 2001 gekauft. Der theaterbegeisterte Anglistikprofessor und Bestsellerautor hatte in seiner Freiburger Zeit in den 70er-Jahren in Hartheim gewohnt und im Salmen mit seinem großen Theatersaal später die passende Lokalität für ein Großprojekt mit Kunst und Kultur in der Provinz gefunden.

Ein Denkmal setzte Schwanitz sich und seinem literarischen Idol William Shakespeare dann mit dem an die bekannte Abendmahlszene erinnernden Fresko hinter der Bühne im Theatersaal des Salmen. Die Heidelberger Künstlerin Andrea Berthel schuf das Fresko und zeigte sich am Freitag von der Ausstellung beeindruckt und geehrt. Ihre Darstellungen bekannter Shakespeare-Figuren finden in der Ausstellung ihren Widerhall und werden in einem "Who is who" erläutert.

"Es war eine Freude, die Arbeit des Salmen-Vereins von Anfang an mitzuverfolgen", freute sich Thomas Schmidt, der Leiter der Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg, die die Ausstellung mit 30 000 Euro bezuschusst hatte, über die Vollendung des Gesamtprojektes Salmen und dessen Bestandteilen. Man erinnere hier an das literarische und wissenschaftliche Werk von Dietrich Schwanitz, gebe Shakespeare den Rang in Baden, der ihm als Protagonist der vor allem am Rhein wichtigen Epoche des Sturm und Drang gebühre, und erhalte den Salmen als Kulturstätte samt dem Fresko als zentralem Element, so Thomas Schmidt zu dem neuen "Juwel".

Anekdoten aus Schwanitz’ Freiburger Zeit steuerte Anglistikprofessorin Ursula Schäfer als Weggefährtin von damals bei. Sie hatte zusammen mit Gabi Volquartz vom Salmen-Verein die Ausstellung inhaltlich konzipiert. Die Umsetzung mit vielen multimedialen Elementen oblag der Firma Ranger Design, deren Vorgehensweise Olivia Boivin erläuterte.

Den Dank der Gemeinde überbrachte die Hartheimer Bürgermeisterin Kathrin Schönberger. "Die Eigenleistungen der Vereinsmitglieder sind nicht durch Geld aufzuwiegen", so Schönberger, weshalb der Gemeinderat einen Anteil von 25 000 Euro von den 67 000 Euro, die die neue Dauerausstellung letztlich gekostet habe, gerne getragen habe.

Landrätin Dorothea Störr-Ritter freute sich über den "wertvollen Schatz, den uns Schwanitz hinterlassen hat und die Beharrlichkeit des Salmen-Vereins, durch die hier Großes entstanden ist". Zusammen mit dem Marbacher Literaturarchiv denke man im Landkreis nun darüber nach, wie man die nun fünf Perlen der hiesigen Literaturmuseen in Staufen, Müllheim, Bollschweil, Badenweiler und Hartheim verbinden könne, etwa durch einen literarisch-kulinarischen Radweg.

Nachdem mit Hans Viardot vom Verein zum Erhalt des Gasthauses Krone im Kleinen Wiesental noch einer der Geburtshelfer des Salmen-Vereins Grußworte überbracht, an den unermüdlichen Einsatz des früh verstorbenen ersten Vorsitzenden Detlef Illmer erinnert und Rolf Imm und die Ehepaare Altenburger und Volquartz als gute Geister des Salmen gelobt hatte, ging es unter viel Applaus zur Besichtigung der neuen schmucken Ausstellungsräume. Ovationen ernteten auch die musikalischen Begleiter des Abends: Wolfgang Weniger (Bandoneon) und Lambert Bumiller (Klavier), die mit Stücken von Astor Piazolla begeisterten.

Nach dem Sektempfang zu Beginn hatte sich die ehrenamtliche Salmen-Mannschaft zum gemütlichen Ausklang erneut ins Zeug gelegt, galt es doch den nun vollendeten Dreiklang "Schwanitz, Shakespeare und Salmen" gebührend zu feiern.

Die Ausstellung, das Shakespeare-Fresko und das Foyer sind für die Öffentlichkeit bei allen Veranstaltungen des Salmen (in Hartheim am Rhein, Rheinstraße 20) sowie sonntags ab 17 Uhr oder nach Voranmeldung unter Tel. 07633/1 29 29 für Gruppen geöffnet.


Infos zum Verein und dem Programm: http://www.salmen-hartheim.de Eine Fotogalerie mit Bildern aus der neuen Dauerausstellung, des Freskos und der Eröffnungsfeier gibt es unter: mehr.bz/schwanitz BZ-Beitrag zur Geschichte des Salmen unter: http://mehr.bz/salmen BZ-Beitrag zu den Anfängen des Literaturmuseums: mehr.bz/salmen1

Kommentar:

Salmen in Hartheim

Triumph des Bürgersinns

Gar nicht genug loben kann man Initiativen wie die des Salmen-Vereins in Hartheim. Was hier in einer ansonsten kulturell nicht gerade auf Rosen gebetteten Gemeinde geschaffen wurde, ist aller Ehren wert. Nach dem frühen Tode von Dietrich Schwanitz fiel der Gemeinde der Salmen quasi in den Schoß. Doch erst das bürgerschaftliche Engagement einer zunächst kleinen Gruppe machte das Projekt zu dem, was es heute ist: Einem Juwel, der ansprechende Kleinkunst in den Ort bringt, ein Treffpunkt für viele und vieles ist und nun mit der Dauerausstellung "Schwanitz, Shakespeare und der Salmen" samt dem spektakulären Shakespeare-Fresko zur Pilgerstätte für Literaturfreunde werden kann. Dass sich auch manche im Glanz des Salmen sonnen, die – nicht zuletzt im Rathaus – den Aktivitäten des Vereins anfangs eher reserviert gegenüberstanden, gehört wohl dazu. Dies sollte den auf sage und schreibe 420 Mitglieder angewachsenen Verein und seine unermüdlichen Macher eher motivieren: Es gilt nun, ein wunderbares Werk zu bewahren.