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23. Januar 2016

Seltene Zeugen der Glasmacher-Zeit

Werner Störk brachte beim Dorfabend in Hasel Licht ins Dunkel der archäologischen Fundstücke von Clemens Wittwer.

  1. Schopfheim Foto: Ernst Brugger

  2. Schopfheim Foto: Ernst Brugger

HASEL. Werner Störk, Waldglas-Experte und Kenner der Glashütten in Gersbach, versuchte jetzt erstmals, in einer eindrucksvollen Powerpoint-Präsentation im kleinen Gemeindesaal in Hasel Licht in das Dunkel der archäologischen Fundstücke von Clemens Wittwer zu bringen. Zudem referierte er fachkundig über die einstigen Glashütten zwischen Kohl- und Haselbach. Zu diesem ersten Dorfabend 2016 konnte Bürgermeisterstellvertreter Albert Sänger rund drei Dutzend Interessenten begrüßen.

Dem Heimatforscher Clemens Wittwer, der seit 40 Jahren in Glashütten wohnt, ist es gelungen, mit viel Akribie 23 Überreste aus der Glashütte bei Hasel zu retten. In seiner Sammlung befinden sich beeindruckende Exponate von schwarzer Glasfritte und mit grünblauer Glasschmelze überzogene Steine vom Glasofen und vom Boden der Glashütte, Teile eines Glashafens, Kleinobjekte aus grünem Waldglas, der Hals einer Miniaturflasche, milchige Glasperlen sowie farbigen Glastropfen. Letztere tropften dem Glasmacher von der Glaspfeife, als er das flüssige Glas aus dem Ofen holte. Werner Störk erklärte, diese Raritäten öffneten ein Fenster zur Geschichte.

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Diese seltenen Fundstücke aus dem hinteren Haseltal sind echte Zeitzeugen eines uralten Handwerkes, das dort einst vielen Menschen Brot und Arbeit zum Überleben schenkte.

Werner Störk bezeichnete einzelne Teile als äußerst selten, er selbst habe sie in seiner 23-jährigen Forscherzeit nie gesehen. Obwohl sich seit langer Zeit sowohl Fachwissenschaftler als auch Heimatforscher mit der Hasler Glashütte beschäftigen, blieb vieles im Unklaren. Die Glasöfen in Glashütten wurden etwa von 1630 bis 1720 von der Glaserdynastie Greiner mit acht Brüdern betrieben. Das ist für eine Glashütte eine relativ lange Zeit. Viele andere Glashütten mussten nach 25 bis 30 Jahren weiterwandern, da das Holz der umliegenden Wälder abgeholzt war.

Bevor der Schwarzwald durch seine reizvolle Landschaft ein beliebtes Fremdenverkehrsziel wurde, machten ihn schon Glashütten und Glasmacher weit über die deutschen Landesgrenzen hinaus bekannt. Die später zu Fuß oft auf eine weite Reise geschickten Glasträger hatten dabei großen Anteil. Sie trugen die Glaswaren der Glasmacher mit einer Krätze auf dem Rücken auch in die Schweiz und ins Elsass und brachten Neuigkeiten mit nach Hause.

Die umfangreichen Buchenholzbestände auf der Gemarkung von Gerbach hielten die Feuer der Glasöfen am Lodern. Aber das Glasmachen war ein "holzfressendes" Gewerbe, erklärte Störk. In Gersbach sind acht Standorte von Glashütten aus dem 14. bis 17. Jahrhundert nachgewiesen. Diese Glaswüstungen sind im Gelände noch gut erkennbar und werden noch weiter erforscht. Auch in Gersbach wurden zahlreiche historische Glasreste gefunden. Sie gehören zur Sammlung der Arbeitsgemeinschaft Minifossi der Friedrich-Ebert-Schule Schopfheim mit ihrem Leiter Werner Störk. Die umfangreichen und zum Teil einzigartigen Funde belegen eine über mehrere Jahrhunderte betriebene Glasbläserkunst im Gersbacher Raum. Davon zeugen heute noch Flurnamen wie der "Glaserkopf" bei Hasel", der "Glasberg" bei Fetzenbach, oder die "Glasermatt" bei Gersbach.

Man kann davon ausgehen, dass es im südlichen Schwarzwald etwa 100 Glashütten-Standorte gab. Von vielen ist nur wenig überliefert. Zur Wahrung der Glaskunst wurden aufgegebene Glashütten dem Erdboden gleichgemacht, um das Geheimnis des Glasmachens zu bewahren, sagt Lokalhistoriker Störk. Ab Ende des 12. Jahrhunderts sind Wälder-Hütten zumindest urkundlich erwähnt. Die meisten wurden von Klöstern gegründet, die zur Herstellung von Kirchenfenstern an Glasmacher verpachtet waren. Von den urkundlich nachgewiesenen Glashütten in Hütten (oberhalb Wehr) und der in Glashütten (bei Rickenbach), die zwischen 1240 und 1309 bestanden, ist nichts mehr erhalten.

Dass der Südschwarzwald für Glasmacher prädestiniert war, lag an der günstigen Windströmung aus dem warmen Afrika, erklärte Störk. Durch einen Windkanal sei schon in früherer Zeit Sahara-Sand durch das Rhonetal über die Alpen geströmt. Dies hätte Voraussetzungen für den Quarzsand geschaffen und die Warmluft hätte zudem das Wachstum der Buchen für die Holzkohle bis auf 900 Höhenmeter hinauf gefördert. Besonders im Gersbacher Raum seien deshalb schon immer große Buchenholzbestände herangewachsen.

In seiner Präsentation warf Störk auch einen Blick auf Geschichte, Wirtschaft, Geographie, Hydrologie und Geologie, die alle mit den Glashütten in engem Zusammenhang stünden. Er erklärte auch die Funktion einer Glashütte mit ihren Glasöfen und Glashäfen sowie die Herstellung verschiedener Glaswaren und -formen. So beispielsweise Butzen- und Fensterglas oder Trinkgläser, welche mit so genannten Krautstrunken oder Noppen versehen wurden. Werner Störk hat das Thema Glas fachmännisch intensiv beleuchtet und dabei auch ungewöhnliche und unbekannte Aspekte aufgezeigt.

Autor: Ernst Brugger