Jahreskonzert

Hebelmusik Hausen: Klanggewaltiges Alpenpanorama

Anja Bertsch

Von Anja Bertsch

Mo, 26. März 2018 um 00:40 Uhr

Hausen im Wiesental

Was zum Jahreskonzert der Hebelmusik Hausen geboten wird, ist eine Art Warmlaufen für das große Hebelfest im Mai und beste blasmusikalische Unterhaltung.

Bei ihrem Jahreskonzert läuft die Hausener Hebelmusik regelmäßig zur Höchstform auf. Was in der Festhalle des Hebeldorfs geliefert wird, ist eine Art Warmlaufen für das große Hebelfest im Mai und beste blasmusikalische Unterhaltung, die weit über das Dorf hinausstrahlt.

Stimmung und Publikum

Klar: Im Mittelpunkt steht die Musik. Aber neben dem musikalischen Genuss liefern Konzerte des heimischen Musikvereins immer auch willkommene Gelegenheit zum Treffen-Hocken-Plaudern. Um den Abend gemütlich angehen zu lassen, strömen die Besucher schon einige Zeit vor dem offiziellen Konzertbeginn zum Festgeschehen und besetzen die Hausener Halle bis fast auf den letzten Platz. Die durchs Konzert unterbrochenen Gespräche werden in der ausgiebigen Pause und als After-Plausch in der Sektlaube fortgesetzt. Während der Musik aber sind konzentriertes Lauschen und üppiger Applaus angesagt. Die begeisterten "Ho!-Rufe" freilich heben sich die Zuhörer bis zum Ende auf. Mit humorigen Ansagen frei von der Leber weg führt Moderator Mario Brugger das Publikum launig durch’s Programm und bringt in der Hinführung zum Mary Poppins-Medley sogar das unvergessliche "Supercalifragilisticexpialigetisch" leichtzüngig über die Lippen.

Geographische Streifzüge

In ihrem diesjährigen Programm durchstreifen die Hebelmusiker ein stilistisch wie geographisch weites Feld. Mit einem zwischen Swing und Pop-Balladen changierenden Filmmelodien-Medley geht es in den Tatzenstapfen des "König der Löwen" durch die afrikanische Savanne, atmosphärisch dicht und spannungsgeladen schippern die Musiker zusammen mit Jack Sparrow und seinen "Piraten der Karibik" durch wild wogende Ozeane ans "Ende der Welt", um schließlich mit den rassigen Melodien und Rhythmen des "Spanish Fever" von Jay Chattaway in sonnig-südlichen Gefilden vor Anker zu gehen. Den geographischen Höhepunkt und einen absoluten musikalischen Höhenflug erreichen die Hebelmusiker auf dieser musikalischen Weltreise gleich zu Beginn: Mit den "Alpin Inspirations" des Südtiroler Komponisten Martin Scharnagl zeichnet die Hebelmusik ein klanggewaltiges Panorama, das die grandiose Alpenkulisse mit lieblichen Matten und schroffen Felshängen ins vergleichsweise flachländische Hebeldorf projiziert.

Die Exoten

Den großen Kontrapunkt zu den allseits bekannten (Film-)Melodien im Programm setzt das Trombone Concerto von Nikolai Rimsky-Korsakov. Der Militärmarsch ist eines der wenigen Stücke der Blasmusikliteratur, bei dem die Posaune als Soloinstrument im Mittelpunkt steht. Patrick Greiner meistert das technisch hoch anspruchsvolle Stück und heimst den verdienten Applaus ein.

Das originellste Stück

Der Originalitäts- und Exotenbonus in Sachen Instrumentierung wird geteilt: Eine Hälfte geht an den "Piratenchor der Hebelmusik", der bei "Fluch der Karibik" verloren durch den Saal weht und eine unheimliche Atmosphäre schafft. Die andere Hälfte geht an die schweren Kerkerketten, die im selben Stück über die Schiffplanken schleifen und die verloren übers Geisterschiff wankenden Gestalten lebendig werden lassen. Zusammen mit dem großen Rest des klanggewaltig aufspielenden Hebelorchesters schafft das eine spannungsgeladene, dichte Atmosphäre, die das Publikum in Bann zieht.

Die Altbekannten

In Sachen Mitsumm-Qualitäten legen die Zöglinge in ihrer Programmauswahl gleich mächtig vor: Ein entspanntes "Probiers mal mit Gemütlichkeit" zum Anfang, dann ein dramatisches "My heart will go on" (Titanic-Titelsong) – die Ohrwürmer sind ausgesetzt. Trotz gefälligem Programm mit etlichen Filmmelodien kommen die "Großen" da erst mit ihrer letzten Zugabe wieder ran: Dem Badner Lied. Mitklatschen, Mitsingen, großer Schlussapplaus.

Der Nachwuchs

Besonders stolz ist man in Hausen auf den selbstgezogenen Musiker-Nachwuchs: Dank intensiver Jugendarbeit unter Ägide der Vorsitzenden Sandra Boos und zahlreicher Ausbilder drücken in der Hebelmusik 39 Zöglinge die Musikschulbank – gar nicht so viele weniger, als das Aktivorchester mit seinen gut fünfzig Musikern auf die Bühne bringt. Nachdem die Jugendauftritte in den letzten Jahren in Form von Projektorchestern zusammen mit dem Fahrnauer Nachwuchs stattfanden, gibt es in Hausen seit diesem Jahr wieder ein kontinuierlich probendes eigenes Jugendorchester, da zum Auftakt des Jahreskonzerts eine freudig beklatschte Auftrittspremiere feierte. Und manch Zögling findet sich – siehe Interview rechts – dann eines Tages auch im großen Orchester wieder.

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