Glanzvoller Schlusspunkt im Jubiläumsjahr

Dorothee Philipp

Von Dorothee Philipp

Mo, 31. Dezember 2018

Heitersheim

Das Weihnachtskonzert des Musikvereins Heitersheim in der voll besetzten Malteserhalle begeisterte das Publikum mit einem tollen Finale.

HEITERSHEIM. Das Weihnachtskonzert setzte einen glanzvollen Schlusspunkt im Jubiläumsjahr der Musik Heitersheim. Die Malteserhalle war bis auf den letzten Platz besetzt. Stolze 225 Jahre lang gibt es dieses Orchester nun schon, und das Jubiläumsjahr war angefüllt mit schönen Momenten, wie Vorstandssprecher Gerd Höfler bei seiner Begrüßung rückblickend feststellte.

Sogar eine Welturaufführung hat es gegeben: Der spanische Komponist und Dirigent José I. Blesa-Lull hatte für die Musik Heitersheim die "Maltesia-Suite" komponiert und bei der Uraufführung persönlich dirigiert. Auch im jetzigen Weihnachtskonzert präsentierte das Hauptorchester mit der Symphonie "Sparks of the Oriental Light" ein grandioses Werk dieses Komponisten, der darin die Wanderung der heiligen drei Könige zur Weihnachtskrippe schildert.

Das hohe spieltechnische Niveau der Heitersheimer kommt nicht von ungefähr: Den ersten Teil des Abends bestritten das Vororchester und Jugendorchester, beide auf einem konzertanten Niveau, das das Zuhören zur reinen Freude machte. Wenn der Nachwuchs schon so gut und zahlreich aufgestellt ist, ist es auch um die Zukunft des Hauptorchesters gut bestellt. Dafür sorgt auch die Bläserklasse an der Schule, in der die jungen Talente ihr Instrument kennenlernen und das erste Ensemblespiel ausprobieren können, wie Höfler anmerkte. Seit September hat Silke Studinger mit ihrem Vororchester geübt, das mit dem festlich-energischen Stück "Megaforce" von James Curnow den Abend eröffnete. Witzig-spritzig moderierten Amelie und Mattea den Part des Vororchesters, und machten mit ihren launigen Anmerkungen neugierig auf das nächste Stück. Mit den "Argonauten" von Mike Hannikel und "Rolling in the Deep" von Robert Longfield zeigten die jungen Musikerinnen und Musiker eine ansteckende Spielfreude, wie sie nur auf dem soliden Fundament einer konsequenten Probenarbeit aufbauen kann. Bei der Zugabe "Jingle Bells" klatschte der ganze Saal den Takt mit. Auch die nächste Altersklasse, das Jugendorchester, präsentierte sich in Bestform: Die 48 Musikerinnen und Musiker hatten unter der Leitung von Nicola Müller ein weiteres prickelndes kleines Konzertprogramm aus drei Stücken zusammengestellt. Hier hatten "Hannah und Hannah" als junge Moderatorinnen das Wort und überraschten mit einer fetzigen eigenen kleinen Performance. Das Jugendorchester beherrscht schon die große symphonische Gestik, wie sie für die opulenten Klanggemälde der modernen Blasmusik-Literatur typisch ist. Ein Highlight war hier die Dixieland-Parade mit einem Brass-Ensemble aus den eigenen Reihen, das sich wirkungsvoll am Bühnenrand aufgebaut hatte und mit einem strahlenden Blechklang für eine ganz neue Raumwirkung im Höreindruck sorgte. Zum Mitpfeifen war dann die spritzige Zugabe: Der River Kwai March, untermalt von schmissigen Trommelwirbeln.

Eindrucksvoll war das "Bühnenbild", als sich alle Musikerinnen und Musiker des Hauptorchesters gesetzt hatten. Die ganze letzte Reihe nahm das reich bestückte Schlagwerk ein, an dem mehrere Percussionisten Arbeit fanden und das immer wieder für verblüffende und unerwartete Klangeffekte sorgte. Nach den drei Königen von Blesa-Lull übernahmen die wilden Wikinger die Szenerie, Komponist Michael Geisler hat hier einiges an Takt-, Tempo- und Stimmungswechseln hineingepackt, was vom Orchester eine hellwache Aufmerksamkeit verlangt. Und zum Schluss mit einem weich gesummten Vokalpart dem Titel "Voice of the Vikings" gerecht wird. Souverän hielt der Taktstock von Rüdiger Müller den großen Klangkörper in der Spur, ja er schien sich immer wieder zum Zauberstab zu verwandeln, der von einem Moment zum nächsten neue Stimmungsbilder kreieren kann.

Was es mit den einzelnen Stücken auf sich hat, erläuterte Moderator Manfred Ortlieb ebenso locker und lustig wie seine jungen Vorgängerinnen. Staunend ging der innere Blick hinauf ans "Firmament" beim gleichnamigen Stück von Rolf Rudin, der mit sanften Mischklängen, überraschenden Tonartwechseln und einem raffinierten rhythmischen Fluss die Weite des Weltalls in Töne fasst. Bei "Cinderella’s Dance" von Karel Svoboda in einem Arrangement von Kurt Gäble wurden alle Register des süßen Wohlklangs gezogen, eine verträumte Hommage an den filmischen Weihnachtsklassiker: "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", der laut Ortlieb im aktuellen Weihnachtsprogramm sage und schreibe 16-mal gezeigt wurde. Und die "Songs from the Catskills" des holländischen Großmeisters der Blasmusik Johan de Meij mit ihrem abwechslungsreichen Mix an temperamentvollen und melodieseligen Passagen öffneten eine weitere klangliche Facette. Zuvor hatte Ortlieb das Publikum noch mit einem in schönstem "Denglisch" verfassten Weihnachtsgedicht erheitert, bei dem am Schluss die Feuerwehr die im Ofen verbrennende Weihnachtsgans löschen muss. Und das Orchester blieb bis zum letzten Ton in Bestform, wie die Zugabe "Yellow Mountains" von Jacob de Haan zeigte. Ein tolles Finale nach einem reichhaltigen Jubiläumsjahr!