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21. Januar 2009 16:13 Uhr

Chinesische Mythenwelt

Helmut Matts magische Einblicke

Menschen im Breisgau: Mit seinem literarischen Debüt entführt der Herbolzheimers Helmut Matt in die chinesische Mythenwelt.

  1. Helmut Matt Foto: Haberer

HERBOLZHEIM-TUTSCHFELDEN. "Hinter allem, was zu sehen ist, stecken Geschichten oder Legenden." Das hat Helmut Matt erfahren. Der Informatiker, der in Tutschfelden lebt, spricht dabei von China. Eine Geschichte aus dieser bilderreichen Kultur hat er nun zu Papier gebracht: "Im Zauber der Weißen Schlange – Magische Einblicke in ein geheimnisvolles Land". Dieses Buch wird am 28. Januar in Freiburg der Öffentlichkeit vorgestellt.

Der lange Marsch hin zum Land der Legenden begann für Helmut Matt in seinem Zimmer in Schiltach im Kinzigtal. Der Gymnasiast hörte Kurzwellenradio. Sender aus der ganzen Welt schickten deutsche Programme in den Äther. So kam der Junge mit vielen Kulturen östlich des Schwarzwaldes, bis hin nach China in Berührung. Die Radiostellen, die man heute übers Internet empfängt und eigene Online-Foren haben, sendeten aber nicht nur. Sie forderten ihre Hörer auch auf, ihnen ihren Eindruck von den Programmen zu melden und Beiträge durchzugeben. Da machte Matt schon in jungen Jahren gerne mit.

Der Kontakt über den Empfänger schwand erst einmal, als er in Freiburg zuerst Geisteswissenschaften studierte und sich dann zum Industriekaufmann und Betriebsinformatiker ausbilden ließ. Die fehlende Zeit und der elektromagnetische Störnebel in Freiburg bremsten sein Engagement auf Kurzwelle, erinnert sich der 48-jährige Helmut Matt heute.

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Im Jahr 1992 trat er in die Dienste der Volksbank in Freiburg. Im gleichen Jahr zog er nach Herbolzheim, 1999 mit seiner Frau Linda nach Tutschfelden, wo die Funk- und Schreibfreude wieder zunahm. 2004 begann die Zeit der Preise. Da gewann er eine Pragreise von Radio Prag. Matt hatte einen Beitrag zum "Jahr der tschechischen Musik" geschrieben. Smetanas "Moldau" war sein Thema. Sein Blick auf den tschechischen Nationalkomponisten kam in Prag an. Ein Jahr danach brachten ihm Sonderpreise von Radio Rumänien und Radio Ankara Reisen in diese Länder ein. Für einen Aufsatz über die chinesische Provinz Zhejiang erhielt er einen Sonderpreis von China Radio International in Peking. Im Jahr danach brachten ihn die Fernwellen und seine Geschichten nach Taiwan. Auch diese Insel ist voll von Symbolen. Um die zu verstehen, braucht man das Gespräch mit den Einheimischen.

Helmut Matt greift im Rückblick auf seine Reisen in ein Regal und holt einen Drachen heraus. Drachen sehe man dort überall, sagt er. Ihre Botschaft müsse aber verstanden werden. So könne man an der Zahl der Krallen erkennen, wie hoch die Persönlichkeit, auf dessen Schreibtisch die Figur steht, angesiedelt sei in der Hierarchie, weiß Matt.

Mit dem Preis war eine Reise durch das Land verbunden

Im vergangenen Jahr erfuhr er die Krönung seiner China-Kontakte. Da wurde ihm im Volkskongress in Peking ein Pokal für seinen Beitrag zu einem Wettbewerb überreicht. 720 000 Einsender weltweit haben mitgemacht und für jedes Land gab es einen Preis. Es war an Helmut Matt, die anwesenden Funktionäre aus Politik und Medien auf chinesisch zu begrüßen. Toll sei sein Chinesisch nicht, erklärt er. Er sei aber ständig am Üben. Er habe ein Lernprogramm von einem Radiosender. Die Lektionen höre er beim Autofahren, so Matt. Der Preis aus den Händen von Chen Zhili, Vize des Volkskongresses, war verbunden mit einer Reise durchs Land. Dazu gehörte eine Rundumbetreuung durch die deutsch sprechenden chinesischen Radioleute.

Was andere Reisende vielleicht als Einschränkung der Reisefreiheit empfunden hätten, erlebte Helmut Matt als Bereicherung. So erst habe er erfahren von den Bedeutungen und Geschichten, von denen Architektur und Schriftzeichen dem Kundigen erzählen, berichtet Matt. Zur Reise gehörte auch ein Abstecher in die frühere deutsche Kolonialstadt Qingdao. Obwohl es den Chinesen dort unter Kaiser Wilhelm II. eher schlecht ging, seien sie jetzt mächtig stolz auf die deutsche Vergangenheit. Bis hin zum Bier, das dort nach deutschem Reinheitsgebot gebraut wird. "Als Deutscher wird man fast auf Händen getragen", berichtet Matt. Der Blick auf die Stadt, auf die Mischung von deutschen Kolonialbauten und Pagoden im Abendlicht erzeuge einen überwältigen Eindruck, erinnert er sich. An diesem Ambiente dürfe auch baulich nichts geändert werden, fügte er an. "Die Chinesen sind da die gleichen Reglemetierer wie die Deutschen", erklärt Matt und zeigt auf sein Dach, für das ihm Herbolzheim die Farbe der Ziegel vorgeschrieben hat.

Sein Buch, das er am Wochenende im Konfuzius-Institut in Düsseldorf  und in der kommenden Woche in der Volksbank Freiburg vorstellen wird, kommt aus seiner ersten chinesischen Preisgeschichte. "Im Zauber der weißen Schlange" kombiniert seine Eindrücke und Bilder vom Westsee von Hangzhou in der Provinz Zhejiang mit einer der berühmtesten epischen Erzählungen Chinas, eben der Geschichte der weißen Schlange, die von den Einheimischen in vielen Varianten seit Jahrhunderten erzählt und weiter gedichtet wird.

Er erweckt die Schlange literarisch zum Leben und beschreibt dazu die Poesie der  Originalschauplätze und deren kulturellen Hintergründe. Angesichts der Fülle von Eindrücken und Geschichten, die er von seinen Reisen mitgebracht hat, ist das nächste Buch schon in Arbeit.

Autor: Michael Haberer