Fairer Handel, faire Löhne

Ute Schöler

Von Ute Schöler

Di, 27. Februar 2018

Herbolzheim

Santiago Paz Lopez von der Produzentenkooperative Norandino sprach in Herbolzheim über die Bedeutung der Fairtrade-Marken.

HERBOLZHEIM. Besuch aus Peru: Am Freitag war Santiago Paz Lopez, Geschäftsführer der peruanischen Produzentenkooperative Norandino, beim ökumenischen Perukreis in Herbolzheim zu Gast. Bei einem Vortrag im Weltladen zeigte er die positiven Auswirkungen des fairen Handels auf.

Ganz wichtig in der "Eine-Welt-Bewegung", der auch der Perukreis angehöre, sei von Anfang an der Gedanke von Partnerschaft gewesen, die anders als die Patenschaft einen Blick auf Augenhöhe bedeute, erläuterte der Vereinsvorsitzende Andreas Marx in seiner Begrüßung. Das zur Gründungszeit der Eine-Welt-Bewegung festgestellte Problem, dass Länder der südlichen Welt für ihre Produkte keinen fairen Lohn bekämen und dadurch auf Unterstützung angewiesen seien, sei "eine schreiende Ungerechtigkeit, die wir eigentlich bis heute haben", so Marx. Der Kaffee als typisches Produkt, das wegen der klimatischen Bedingungen nicht in Europa wachse, sei zum Flaggschiff der Eine-Welt-Bewegung geworden. Anders als der vor 40 Jahren fair vermarktete Kaffee, der noch echter Solidaritätskaffee (weil nicht gerade ein Genuss) gewesen sei, habe man es heute mit höchster Qualität zu tun, sagte Marx. Leider hafte der frühere Ruf den Fairtrade-Marken noch an.

Santiago Paz Lopez, der anlässlich der Nürnberger Messe "Biofach" nach Deutschland gekommen war, erläuterte mit Hilfe der Dolmetscherin Diana Chico-Alvarez die weitreichenden Wirkungen des fairen Handels und die Qualitätssicherung der mit inzwischen 7000 Mitgliedern "sehr starken" Kooperative. Die Arbeit von Norandino unterstützen die Weltläden in Baden-Württemberg seit mehr als 25 Jahren.

Santiago Paz Lopez, zu dessen Aufgaben Produzentenkontakt und Marketing gehören, erläuterte, dass die Qualität eines Kaffees von vielen Faktoren abhänge: Einerseits sei die Hochlandlage wichtig, andererseits spielten auch Erntetechnik, Erntezeitpunkt und Verarbeitung eine große Rolle. Durch Schulungen der Landwirte hinsichtlich Qualitätssicherung, Marktmechanismen, regionaler Entwicklung sowie gemeinsamer Vermarktung entfalte die Erzeugerkooperative eine große Wirkung auf die Wirtschaft und Gesellschaft Perus, so Paz Lopez.

Er skizzierte die Zusammenhänge: Familien, die durch fair vermarktete Produkte nicht mehr dem Dumpingpreis des Weltmarktes ausgeliefert seien und so ein höheres Einkommen hätten, minimierten durch die Anschaffung sicherer Maschinen das Risiko von Arbeitsunfällen, reparierten ihre Häuser, bauten Gemeinwesen und Gesundheitsversorgung auf und ließen ihre Kinder studieren.

Durch Vorträge und vorbildlich entwickelte Dörfer überzeuge die Kooperative immer mehr kleine Produzenten, die Stärke des Zusammenschlusses auch für ihre Region zu nutzen. Auch beim Kakaoanbau beginne diese Strategie zu wirken, sagte Paz Lopez. Immer mehr Schokoladenproduzenten seien bereit, für hochwertigen und fair erzeugten Kakao angemessene Preise zu zahlen.

Ein wichtiger Partner für die Kaffee- und Kakaovermarktung ist das 1975 gegründete Fairtradeunternehmen Gepa, das auch den Pidecafé vermarktet. Seit 2003 unterstützt die Stadt Herbolzheim im Rahmen der "lokalen Agenda 21" die Arbeit des Perukreises, indem der aus peruanischen Öko-Bohnen komponierte Pidecafé zum Herbolzheimer "Agenda-Kaffee" ernannt wurde.

Nach dem Vortrag besuchte das Vorstandsteam des Perukreises zusammen mit den Gästen den Weltladenstand auf dem Wochenmarkt, wo es auch eine Kaffeeverkostung gab.

Mehr Informationen unter http://www.perukreis-herbolzheim.de und http://www.pidecafe.de sowie in den Weltläden im Bücherwurm in Herbolzheim und Kenzingen