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26. Juli 2014

Bundestag soll Tetrafunk stoppen

Reinhard Lang bringt mit Unterstützung der Gemeinde Herrischried und Olympiasiegerin Sabine Spitz Petition auf den Weg.

  1. Auch Olympiasiegerin Sabine Spitz stellt sich hinter die Petition gegen den Tetrafunk, die sie am Freitag in Freiburg unterschrieb. Reinhard Lang und Christof Berger (von links) freut’s offensichtlich. Foto: Holger Schindler

HERRISCHRIED / FREIBURG. Der Widerstand gegen den im August 2012 in Betrieb gegangenen Tetrasendemast auf dem Riesenbühl in Herrischried geht in die nächste Runde. Gemeindereferent Reinhard Lang, der nach eigenen Angaben ebenso wie seine Ehefrau gesundheitlich massiv durch den Tetrasender beeinträchtigt wird, hat am Freitag in Freiburg eine Petition an den Deutschen Bundestag auf den Weg gebracht.

Lang fordert, das Parlament möge den Tetrafunk in seiner jetzigen Form stoppen und die zulässigen Strahlungsgrenzwerte deutlich absenken. Unterstützung erhielt Lang unter anderem vom Herrischrieder Bürgermeister Christof Berger und von der aus der Gemeinde stammenden Mountainbike-Olympiasiegerin Sabine Spitz.

"Meine Frau und ich haben am eigenen Leib erfahren, wie schädlich sich dieser Tetrafunk auswirkt", sagt Reinhard Lang. Bevor er seine Petition vor einem etwa 30-köpfigen Publikum in der Katholischen Akademie in Freiburg verliest, schildert er seine Lebens- und auch Leidengeschichte seit 2005, als er gemeinsam mit seiner Frau in den Hotzenwald gezogen ist. In Herrischried habe er festgestellt, dass er offenbar sensibel auf Mobilfunkstrahlung reagiert. Die Inbetriebnahme des Tetrasenders auf dem Riesenbühl im Herbst 2012 habe sich dann geradezu dramatisch ausgewirkt. Pulsrasen, ständige Müdigkeit, tägliche Kopfschmerzen, deutliche Aggressivität und Gereiztheit, starke Geräuschempfindlichkeit, trockene Schleimhäute und Muskelschmerzen sind nur einige der Symptome, unter denen er seither – seiner Ansicht nach auf Grund der durch den Tetrafunk-Sender verstärkten Strahlenbelastung – zu leiden habe. Der Tetrasender ist Teil eines bundesweiten Funknetzes, das dem Behördenfunk (BOS-Funk) dient, also etwa von Polizei, Rettungsdiensten und Feuerwehr genutzt werden soll. Auf Grund dieser Erfahrungen, wegen vielfältiger wissenschaftlicher Hinweise auf die Gefährlichkeit von Mobilfunkstrahlung und weil er und seine Frau bei Weitem nicht die Einzigen seien, die in Herrischried unter der Tetrafunk-Strahlung zu leiden hätten, starte er nun die Petition. Die Behörden hätten bisher das Problem im Grunde gar nicht ernst genommen.

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Dass es in Herrischried eine ganze Reihe möglicher Tetrafunk-Opfer gibt, bestätigte auch Bürgermeister Christof Berger. Er und der gesamte Gemeinderat stünden daher hinter der Petition. Die Dimension der Tetrafunk-Problematik habe eine Umfrage deutlich gemacht, welche die Gemeinde im Oktober 2012 auf den Weg gebracht hatte. Damals hatten sich 112 der rund 2700 Einwohner Herrischrieds gemeldet und Symptome beschrieben, unter denen sie seit dem Start des Tetrafunks im August 2012 litten. "Allerdings hatten wir in der Umfrage das Funkthema gar nicht erwähnt, um das Ergebnis nicht zu verfälschen", so Berger. Die Auswertung der Bögen habe gezeigt, dass rund 100 Menschen in Herrischried offenbar durch den Tetrafunk gesundheitlich beeinträchtigt werden.

Auswirkungen auf Trainingsleistung

Der Funktechniker Ulrich Weiner und der Mediziner Dr. Joachim Mutter, die Lang bei der Petition ebenfalls den Rücken stärken, riefen nochmals das ganze argumentative Arsenal der Strahlungskritiker in Erinnerung. Mutter betont, dass vieles stark darauf hindeute, dass Mobilfunkstrahlung auch das Krebsrisiko erhöhe. Beistand bekommt Lang zudem von Sabine Spitz, Olympiasiegerin, Weltmeisterin und mehrfache Deutsche Meisterin im Mountainbike-Sport. Auch sie saß neben Lang auf dem Podium und setzt e ihre Unterschrift unter die Petition. "Ich habe selbst beim Training erlebt, wie Mobilfunk- und WLAN-Strahlen meine Leistung gemindert haben", begründet sie ihre Unterstützung. Zudem stamme sie aus Herrischried und nehme daher großen Anteil am Geschehen dort, zumal ihre Eltern noch immer dort lebten.

Autor: Holger Schindler