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04. Februar 2015

Ein Handstand auf dem Rad ist Kunst

Der 12-jährige Tim Schwald aus Herrischried geht einem ungewöhnlichen Hobby nach: Er ist Kunstradfahrer.

  1. Zu Hause in Herrischried trainiert der 12-jährige Tim Schwald die Elemente, die er für die Übungen auf dem Rad braucht, an einem Brett mit Lenker Foto: Karin Stöckl-Steinebrunner

  2. Zu Hause in Herrischried trainiert der 12-jährige Tim Schwald die Elemente, die er für die Übungen auf dem Rad braucht, an einem Brett mit Lenker Foto: Karin Stöckl-Steinebrunner

HERRISCHRIED. Beinahe zierlich wirkt der 12-jährige Tim Schwald, aber wenn er zu Hause in Herrischried seinen auf ein Brett montierten Kunstradlenker hervorholt und darauf seine Übungen macht, dann merkt man schnell, dass er doch recht kräftige Muskeln hat. Die braucht er auch, denn was das Rad am wenigsten verzeiht, ist der Spannungsabfall während einer Übung. Tim Schwald ist Badischer Meister im Kunstradfahren bei den Schülern seiner Altersklasse.

Nicht von ungefähr kam Tim zum Kunstradsport. Vater Andreas fuhr früher selbst bei Wettbewerben mit und ist heute Trainer, Tims drei Jahre ältere Schwester Tamara ist ebenfalls in diesem Sport aktiv. Da lag es nahe, dass Tim schon früh beim Training und bei Wettkämpfen als Zuschauer mit dabei war und dann auch selbst diesen Sport ausprobieren wollte.

Mit sechs Jahren hat er damit angefangen und fand gleich seinen Spaß dabei, ein Jahr später nahm er bereits an einem Wettkampf teil.

Beim Kunstradfahren bestimmt der Sportler im Prinzip selbst, welche Übungen er zu einem Programm zusammenstellen will. An dieses Programm muss er sich dann allerdings beim Wettkampf genau halten. Jede Abweichung wird als Fehler gewertet und führt zu Punktabzug. Fünf Minuten dauert ein solcher Programmablauf, und bei den Schülern enthält er bis zu 25 Übungen.

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Tim ist Einzelwettkämpfer. Das liegt ihm, wie er selbst einräumt, mehr als Mannschaftswettkämpfe. Zwar würde er gerne einmal mit einem Kollegen zusammen Übungen im 2er-Kunstradfahren ausprobieren, das Radballspielen aber beispielsweise ist nicht sein Ding, das hat er schon getestet.

Hobbymäßig spielt er Tischtennis und Fußball, läuft ab und zu ganz gerne Schlittschuh in der Herrischrieder Eishalle oder setzt sich auch schon mal aufs Einrad, was oft mit dem Kunstradfahren gleichgesetzt wird, was ihm aber lediglich bei Steigübungen hilfreich ist.

Kollegen zu finden ist gar nicht so leicht beim Kunstradfahren. Im Verein in Wallach, in dem er trainiert, gibt es sehr viel mehr Mädchen als Jungs, und selbst bei den Badischen Meisterschaften traten lediglich fünf Jungs an. Im Bezirk Südbaden gibt es quasi nur noch drei Vereine, der Sport mache zu wenig auf sich aufmerksam, meint Vater Andreas, der allerdings auch eingesteht, für Außenstehende seien Wettkämpfe nicht so spannend.

Die Kriterien, auf die die vier Kampfrichter achten, etwa dass der Wettkämpfer während seines Programms keinen Fuß an den Boden setzt oder dass er die vorgeschriebene Kreisbahn nicht verlässt, erfordern vom Wettkämpfer selbst sehr viel Disziplin und Körperbeherrschung, machen für den Zuschauer aber natürlich weniger her als einzelne spektakuläre Übungen wie beispielsweise der Handstand auf dem Lenker oder der Sattelstand während der Fahrt.

Intensives Training

in der Sportschule Steinbach

Solche Übungen müssen natürlich schon sitzen, bevor sie auf dem Rad trainiert werden. Dafür hat Tim Schwald seinen Lenker zu Hause. Wenn er dann in die Halle nach Wallbach zum Training fährt, werden zunächst gemeinsame Aufwärmübungen gemacht, bevor es dann aufs Rad geht. Der Kunstradsport ist nicht einfach zu bewerkstelligen, im Verhältnis zu den Trainierenden sind eine große Zahl an Trainern und gleichzeitig eine große Trainingsfläche für jeden Einzelnen notwendig. Deshalb fahren die Schwalds auch immer mal wieder für ein Wochenende in die Sportschule nach Steinbach, wo Tim drei Tage lang mehrere Stunden hintereinander trainieren kann.

Tim ist aktuell im D1-Kader, am Wochenende begannen die Wettkämpfe um den Bezirkspokal. Beim zweiten von vier Durchgängen werden im April dann gleichzeitig die Bezirksmeisterschaften der Schüler ausgetragen. Gerade hat Tim Schwald damit angefangen, Lenkerdrehungen zu trainieren.

"Da wird man am Anfang mit einem Spezialgurt gesichert wie beim Klettern, das war was Neues und hat Spaß gemacht", strahlt Tim, der davon träumt, irgendwann einmal als Schlussübung seines Programms eine Auswärtsdrehung auf dem Lenker mit Rückwärtsfahren zu beherrschen.

Autor: unserer Mitabeiterin Karin Steinebrunner