"Überraschendes entdecken"

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Do, 27. September 2018

Heuweiler

BZ-INTERVIEW mit Stefan Pflaum, der in Heuweiler aus seinem neuen Buch liest.

HEUWEILER. Aus seinem neuen Buch "Mummelsee, de Mond und Kunstschneewittchen" liest Stefan Pflaum am Donnerstag in Heuweiler. Wohin der bekannte Mundartsprecher die Zuhörer mitnimmt, hat er vorab Andrea Steinhart erzählt.

BZ: Herr Pflaum, was ist Ihr Lieblingswort auf Alemannisch?

Pflaum: Ein Lieblingswort habe ich eigentlich nicht, eher viele Wörter, die mir besonders gefallen, zum Beispiel verblüemle für beschönigen, Fürchtibutz für Angsthase oder Nabel-Drillete für Bauchgrimmen und Aufregung.

BZ: Wie heißt denn Kartoffel auf Alemannisch und warum gibt es so oft mehrere Wörter für denselben Gegenstand?

Pflaum: Die Kartoffel heißt im Alemannischen Erdäpfel, Herdepfel, Grumbeer oder Grumbiir. Dafür, dass es für einen Gegenstand oder für ein Ereignis mehrere Ausdrücke mit der gleichen Bedeutung gibt, lassen sich verschiedene Gründe finden, so sprachhistorische, soziologische, schichtenspezifische. Das gilt aber nicht nur für Dialekte, sondern auch für die Standardsprache.

BZ: Wer spricht noch Alemannisch? Besteht die Gefahr, dass es ausstirbt?

Pflaum: Die Anzahl der Mundartsprecher variiert von Region zu Region und natürlich verändert sie sich auch. So sind die Verhältnisse in der Schweiz anders als bei uns, auf dem Land anders als in Städten. Leider wird, je nach Region, immer weniger Mundart gesprochen, was auch unter anderem mit dem dominanten Einfluss der Medien zusammenhängt. Aussterben wird die Mundart vermutlich nicht so schnell wie befürchtet. Aber sie wird sich verändern und in manchen Gebieten und in Großstädten wahrscheinlich auch nur in Resten bewahrt werden können.

BZ: Sie laden zu einer literarischen Wanderung ein – was werden die Zuhörer dabei erleben?

Pflaum: Ich werde aus meinem neuen Buch "Mummelsee, de Mond und Kunstschneewittchen" lesen. Wir spazieren mit Hebel, Goethe und Heidegger durch den Rheinwald, oder erleben, wie eine koreanische Studentin vier urechte Schwarzwälder aus dem Häuschen bringt oder wie Touristen aus Tansania am Mummelsee den See suchen. Da ist unterwegs manch Absurdes, Überraschendes, ja Unmögliches zu entdecken – obgleich Letzteres natürlich unmöglich ist. Leichtes Schuhwerk genügt, auch wenn es zwischendurch leicht abgründig wird.

Stefan Pflaum kam 1943 in München zur Welt. Aufgewachsen ist er in Lahr in der Ortenau. Heute wohnt er in Schallstadt. Bis 2008 arbeitete er als Fachleiter am Sprachenkolleg für ausländische Studierende in Freiburg. Sprachen, darunter auch Mundarten, andere Kulturen und Musik gehörten schon in der Jugend zu seinen Interessensgebieten.

Lesung von Stefan Pflaum am Donnerstag, 27. September, um 20 Uhr im Bürgerhaus Heuweiler. Das Katholische Bildungswerk Heuweiler lädt zu dieser Veranstaltung ein.