Keiner soll Angst vor dem Wolf haben

Gerald Edinger

Von Gerald Edinger

Do, 14. Juli 2016

Höchenschwand

In Höchenschwand ist das Projekt "Wolfssteig, Wolfspfad und Wolfshütte" gestartet worden.

HÖCHENSCHWAND. "Wenn über die Rückkehr des Wolfs gesprochen wird, löst das starke Emotionen aus." Das sagte Helge von Gilsa, Leiter des Forstamtes im Landkreis Waldshut, bei der Auftaktveranstaltung zum Projekt Wolfssteig, Wolfspfad und Wolfshütte im Kursaal in Höchenschwand. Gekommen waren Vertreter aus Kommunalpolitik, Tourismus, BUND, Forst, Jägerschaft, Schwarzwaldverein, Naturschutz und Landwirten.

Das Projekt wird getragen von den Gemeinden Waldshut-Tiengen, Weilheim und Höchenschwand sowie dem Landkreis Waldshut. Auf einem Wanderweg, einem Erlebnispfad für Kinder und Jugendliche sowie der zur Wolfshütte umgebauten Dumrighütte beim Höchenschwand soll über den Wolf umfassend informiert, und das Thema erlebbar gemacht werden.

Mitte des kommenden Jahres rechnen die Planer damit, dass Steig, Pfad und Hütte fertiggestellt sind. "Damit erschließt sich für den Tourismus mit Familien und Kindern eine neue Zielgruppe," sagte Höchenschwands Tourismuschef Sebastian Stiegeler gegenüber dieser Zeitung. "Ich hoffe, dass zur Eröffnung dann Minister Wolf aus Stuttgart kommt", merkte Höchenschwands Bürgermeister Stefan Dorfmeister schmunzelnd an.

Von Gilsa machte deutlich: "Der Wolf wird kommen und darüber freuen sich nicht alle." Ein Hinweis darauf sei der im Mai 2016 gesichtete Wolf auf der Baar-Hochfläche. Dass sich der Wolf auch in Baden-Württemberg verbreite, hält der Forstexperte jederzeit für möglich. Um darauf vorbereitet zu sein, und die Menschen über den von vielen gefürchteten Wolf zu informieren, sei das Projekt entstanden.

Nicht nur die Europäische Union halte ihre schützende Hand über den vorzugsweise im Wald lebenden Rückkehrer, das Bundesnaturschutzgesetz stelle den Wolf unter strengen Schutz und die Jagd auf ihn sei grundsätzlich verboten.

Der Forstexperte informierte, dass es einen Leitfaden zum Umgang mit dem Wolf gebe, der aber kaum bekannt sei. Ziel darin sei ein möglichst konfliktarmes Nebeneinander von Mensch und Wölfen. "Vertrauen und Kompromissbereitschaft zwischen den Interessengruppen müssen schrittweise aufgebaut werden", erläuterte von Gilsa.

"Vertrauen und

Kompromissbereitschaft

zwischen Interessengruppen müssen schrittweise

aufgebaut werden."

Helge von Gilsa,
Einen informativen Vortrag hielt Ulrich Wotschikowski, Wildbiologe und Wolfsberater. Experten gehen demnach davon aus, dass in Deutschland aus derzeit 44 Rudeln bis 2025 etwa 440 Rudel werden könnten. "Wölfe sind in der Regel nicht gefährlich, sie sind an Menschen gewöhnt", erklärte Wotschikowski. Er warnt gerade deshalb davor, Wölfe aus falsch verstandener Tierliebe zu füttern. "Futterkonditionierte Wölfe können gefährlich werden", dann müsse man sie verbrämen oder gar töten. Von Jagdgelüsten auf Wölfe nimmt der seit über 50 Jahren passionierte Jäger aber deutlich Abstand: "Es gibt kriminelle Element unter den Jägern. Seit 2000 gab es 18 bekannte illegale Tötungen." Das alles geschehe nach dem Motto: schießen, schaufeln, schweigen. Nur ein Jäger konnte bisher dingfest gemacht werden. Wotschikowski stellt klar: "Die Eliminierung von ,Problemwölfen' ist nicht Sache der Jagd." Sie seien auch keine Konkurrenz für Jäger in ihren Revieren, da Wölfe altes und schwaches Wild jagen. Jagd werde weiterhin notwendig sein.

Auch für Landwirte hat er Tipps: Elektrozaun und Herdenschutzhunde seien ein geeignetes Mittel, Schafe vor Angriffen zu schützen. Kleineren Züchtern empfahl er, ihre Tiere abends in den Stall zu bringen. Von 2007 bis 2015 wurden 13 Wolfsübergriffe auf Kälber gemeldet, so der Wolfberater. Gerissene Tiere würden vom Land ersetzt.