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13. September 2008

Ein Blick in die lange Familiengeschichte

Das Weingut Freiherr Roeder von Diersburg lädt morgen zum Tag des offenen Denkmals ein.

HOHBERG-DIERSBURG. Morgen ist der Tag des offenen Denkmals und das Weingut Freiherr Roeder von Diersburg ist zum ersten Mal dabei. Stefani Freifrau Roeder von Diersburg steckt mitten in den gedanklichen Vorbereitungen. Was und in welcher Weise soll den Besuchern und Besucherinnen nahegebracht werden?

Das ist bei der Fülle des historischen Erbes gar nicht so leicht. Sollen die vielen Porträts an den Wänden im Vordergrund stehen, die die bis ins Jahr 1197 zurückreichende Familiengeschichte erzählen? Oder die zahlreichen und sehr gut erhaltenen Straßburger Tonnenöfen aus dem Jahr 1830? Oder das Dienerstüble mit seiner altmodischen Klingel? Und da wäre auch noch die historische Spielzeugsammlung, teilweise nachgebaut von Schwiegervater Albert, besser bekannt als "der Herr Baron". Kostbare Bücher stehen in den Regalen, wie das Tanzbüchlein eines Vorfahren, der für seine Verlobte akribisch verschiedene Tanzschritte und die entsprechenden Noten notiert hat. "Das ist für Musikhistoriker besonders interessant", erklärt die Baronin.

Auf jeden Fall will Frau von Roeder ihre Küche zeigen. Dort wird deutlich, dass die Familie nicht in einem Museum lebt. Zeitungen stapeln sich und der Kochtopf steht auf dem Herd. "Hier leben wir", sagt sie, und wenn das Wetter schön ist, kann draußen im lauschigen Garten gegessen werden. Denn bei allem historischen Bewusstsein lebt die Familie im Hier und Jetzt, betont die Freifrau. Dass die Familie von Roeder eine ganz besondere Rolle in Diersburg spielt, wurde der Baronin besonders im vergangenen Jahr anlässlich der 750-Jahr-Feier deutlich. Für die Festschrift schrieb sie eine Zusammenfassung der Familiengeschichte, die untrennbar mit der Geschichte der Gemeinde verbunden ist. "Wir sind die zweitälteste Familie der Ortenau." Die älteste Familie, so ist zu erfahren, sind die Schauenburgs aus Oberkirch.

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Eine große Tafel zeigt den Familienstammbaum

"Schauen Sie, das ist der Familienstammbaum, da sind auch alle Vorfahren mit Bild drauf", zeigt sie stolz auf die große Tafel im Wohnzimmer. Nachdem die Thiersperger, die Schwarzenberger, die Familie Stauffenberg und zuletzt der Markgraf von Baden die Herrschaft Diersburg besessen hatten, wurden Burg und Herrschaft im Jahre 1463 von Amtmann Andreas von Roeder in Lahr erworben.

Es war die Aufgabe der Roeder’schen Grundherren, für die Bewachung und die Verteidigung der Burg zu sorgen. Im Jahr 1523 brachte der damalige Grundherr Egenolf von Roeder die Reformation nach Diersburg. Nach einer Zeit der Ruhe brachte der Dreißigjährige Krieg Hunger und Zerstörung in das Dorf. Franz-Sebastian von Roeder floh nach Lahr. "Barfuß und nur mit einem Hemd bekleidet", berichtet die Baronin.

In den folgenden Jahrhunderten waren die Roeders in vielfältiger Weise am Gemeindeleben beteiligt, ob Patronatskirche, Kinderschule oder Suppenküche, sie spielten eine wichtige Rolle im Leben der Menschen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Grundbesitz zwar noch erhalten, aber an vielen Stellen musste aufgebaut und ausgebessert werden. Albert Freiherr von Diersburg begründete 1946 das Weingut und betrieb zwei Jahre lang das "Café und Weinstube im Philippshof" auf dem Familienbesitz. Am Sonntag ist Gelegenheit, an einem Weinstand die Roeder’schen Weine zu verkosten. "Ich hatte von Wein keine Ahnung", erklärt Frau von Roeder, deren Zuhause eine Stauferburg im Neckartal ist. Schnell fand sie heraus, dass Wein ein wunderbares Einstiegsthema ist und Geselligkeit stiftet.

Das Weingut ist erst seit zwei Generationen im Besitz der Familie, und wie es einmal weitergehen wird, das werde sich zeigen. Ob ihre vier Kinder – zwei Söhne, zwei Töchter – einmal das Erbe übernehmen? "Heute ist es ja nicht mehr so unwahrscheinlich, dass eine Frau das auch kann", sagt die Baronin und lächelt. Wer so aufwächst, wird die Familientradition fortführen wollen. Für die Freifrau ist die lange Familiengeschichte eine schöne Aufgabe. "Und man gibt nicht so leicht auf, wenn’s schwer wird", fügt sie hinzu: "Wenn man bedenkt, dass es irgendwie immer weiterging, wie viele schwierige Zeiten von unseren Vorfahren überwunden werden, ist das Trost und Ansporn, da denkt man: Wenn die es geschafft haben, schaffen wir es auch."

Tag des offenen Denkmals

Tag des offenen Denkmals

Das Weingut der Familie des Freiherrn Roeder von Diersburg öffnet morgen seine Türen. Das Herrenhaus wurde im 17. Jahrhundert errichtet. Ökonomiegebäude umgeben das Ensemble, der letzte Anbau stammt von 1934. Öffnungszeiten am Sonntag sind 12 bis 16 Uhr. Es werden Führungen nach Bedarf durch Freiherr und Freifrau Roeder von Diersburg angeboten und es gibt eine Weinverkostung unter dem fast 200 Jahre alten Lindenbaum vor dem Herrenhaus.
Adresse: Kreisstraße 20, 77749 Hohberg-Diersburg, Tel. 07808/2221, E-Mail: weingut@von-roeder.de.

http://www.von-roeder.de
 

Autor: rte

Autor: Renate Tebbel