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06. Oktober 2012

Puppen machen ist kein Kinderspiel

LAND & LEUTE: Erika Kempf hat die Puppen gefertigt, die heute Abend im ersten Puppenspiel der Hohberger Bühnen zu erleben sind.

  1. Die Puppenmacherin: Erika Kempf Foto: r. tebbel

HOHBERG-HOFWEIER. Wenn heute, Samstagabend, der Vorhang aufgeht in Hofweier, ist Puppenmacherin Erika Kempf, 52, genau so gespannt auf die Aufführung wie alle anderen Besucher. Obwohl sie die sechs Handpuppen für das Stück "Elfi legt los" angefertigt hat – vier Frauenfiguren, zwei männliche Handpuppen –, weiß sie sehr wenig über das Stück, mit dem die Strippenzieher der Hohberger Bühnen ihr Debut geben.

Die Komödie von Hannelore Möller wurde für das Puppentheater überarbeitet und zeigt, dass für Omas und Opas von heute das Leben mit 66 Jahren nochmal anfangen kann. "Ich sitze im Publikum und lasse mich überraschen", sagt Erika Kempf. Sie sei sehr gespannt darauf, wie die Handpuppen auf der Bühne wirken. Drei, vier Monate habe sie an den Puppen gearbeitet, zwei jüngere und zwei ältere Frauenfiguren, einen jungen Alten und eine ältere männliche Figur angefertigt.

Wichtiges Kriterium war dabei, dass die Puppen gut auf der Hand sitzen. Kempf hat auch die Kostüme geschneidert und die Perücken angefertigt. "Die Figuren sind zwar auf das Stück zugeschnitten, aber sie lassen sich auch umschminken und sind daher vielfach verwendbar", sagt die Puppenmacherin. Es habe auch Puppenpaten gegeben, Sponsoren, die das Projekt unterstützen.

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Die gebürtige Hofweiererin hat sich vor vielen Jahren ins Marionettenmachen verliebt. Wenn ihr die Arbeit als Familienpflegerin Zeit lässt, steht sie in der Werkstatt. Lange Jahre waren die Puppen ein Hobby, eine "Kinderbeschäftigung" für die Söhne, Anregungen kamen von der Augsburger Puppenkiste. "Gesichter faszinieren mich", sagt Kempf. Und weil die Figuren so gut ankamen, fertigt sie seit 1998 auch Puppen auf Bestellung.

Die Autodidaktin hat sich inzwischen mit ihren Marionetten einen guten Namen über die Region hinaus gemacht. Auf Einladung der Landesgartenschau war sie unlängst mit einer Ausstellung in Nagold. Kunst studieren, nein, das wäre keine gute Idee, "da würde ich mich zu sehr in alle Richtungen verzetteln." Lieber möchte die Puppenmacherin durch Ausprobieren herausfinden, wie eine Vorstellung am besten umgesetzt werden kann: "Man kommt sehr weit damit."

Inzwischen habe sie ihre eigene Handschrift, die zuerst mit einer Idee beginnt, vielleicht jemand aus der Bekanntschaft, vielleicht auch ein Foto, das ein Kunde mitbringt. Arbeitsmaterialien sind Papier, Pappmaché, Alufolie, Modelliermasse und Acrylfarben. Dann werden die Kleider geschneidert, und da fangen oft die eigentlichen Herausforderungen an, hat Erika Kempf erfahren. Wie sieht denn eine polnische Tracht aus? Wo gibt es weiches Leder für eine Puppe, die eine bayrische Krachlederne tragen soll? Eine der größten Herausforderungen war die Figur eines Motorradfahrers, zeigt Kempf im Album ihrer Puppen. "Da muss man wirklich kreativ sein und alles selber machen". Zum Beispiel wenn ein Kunde eine Figur im Reitkostüm haben möchte oder im Talar. Welche Figuren liegen ihr besonders am Herzen? Das wechsle, mal sind es Schnürpse – halb Mensch, halb Baum – oder auch Kommunikationsfiguren, die in ihrer Tasche nette Botschaften an Partner oder Kinder bereithalten.

Beliebt seien derzeit Engel, wobei Erika Kempf beim Anfertigen die Erwartungshaltung ihrer Kunden durchkreuzt: "Wer sagt denn, dass Engel immer schön sein müssen? Das Schöne und das Gute gehen nicht immer zusammen". Derzeit lasse sie sich von Bildern von Hieronymus Bosch inspirieren. Ein Blick in ihre Werkstatt zeigt, dass Erika Kempf auf lange Zeit die Ideen nicht ausgehen werden: Dicht gedrängt stehen auf Regalen Puppen: Indianer und Mönche, Charakterköpfe und Fantasiewesen, dralle Frauenfiguren und zarte Jünglinge.

Info: Puppenspiel für Erwachsene "Elfi legt los" der Hohberger Bühnen heute, Samstag, 20 Uhr, Pfarrsaal Hohberg-Hofweier

Autor: Renate Tebbel