Hohlwege sind wertvolle Biotope

Michael Masson

Von Michael Masson

Di, 11. September 2018

Ettenheim

Bei einer von der Stadt angebotenen Exkursion tauchten 56 Wanderer ins Kleinklima der tiefen Einschnitte in Lösswände ein.

ETTENHEIM. Hohlwege sind besonders wertvolle Biotoppe und deshalb auch besonders geschützt. Die Hohlwege rund um Ettenheim sind über die Jahrhunderte durch das Begehen und Fahren entstanden, wobei immer wieder Bodenmaterial gelockert und weggeschwemmt wurde und sich die Wege eingegraben haben. Der Hohlweg in der Verlängerung ist schon auf Kartenmaterial aus dem Jahr 1325 belegt. Er war Ziel einer Exkursion zum bundesweiten Tag des Denkmals am Sonntag.

56 Wanderer hatten sich am Treffpunkt Prinzengarten eingefunden, um auf Einladung der Stadt mehr über Hohlwege zu erfahren. FLE-Stadtrat und Nabu-Mitglied Thomas Ullrich erwies sich als sachkundiger Leiter. Schon vor Jahren hatte er einen vielbeachteten bebilderten Aufsatz über "Hohlwege in der Ettenheimer Vorbergzone" im der Lahrer Schriftenreihe Geroldsecker Land veröffentlicht.

Bei strahlendem Sonnenschein fiel den Besuchern schon zum Einstieg in die Kahlenberggasse auf, dass hier ein für Hohlwege mit ihren steilen und mehrere Meter hohen Wänden typisches, besonderes Kleinklima herrscht, nämlich angenehm feuchtkühl. Dieser Weg ist wahrscheinlich schon zur Römerzeit als Verbindung nach Herbolzheim über den Kahlenberg genutzt worden. Damals waren ebenerdige Karrenstrecken im Ried öfter feuchtnass und schwerer begehbar.

Besserer Schutz von Hohlwegen nötig

Dass sich im Laufe von Jahrhunderten die Hohlwege bei viel Fuhrwerksverkehr immer tiefer in Hänge eingraben konnten, liegt an speziell hier vorzufindenden Lössböden. Die entstanden, weil staubfein zermahlenes Alpengestein als Eiszeitprodukt schließlich in der Rheinebene gelandet und von da aus mit stetigem Südwestwind in die Vorbergzone geblasen worden war und sich auf bis zu 30 Meter hohe Ablagerungsschichten auftürmte.

Weil Löss sandig-porös ist, sorgten in hügeligem Gelände vor allem Wassererosionen dafür, dass sich nach zunehmendem Verkehr die Wegsohlen immer tiefer eingruben, erläuterte Ullrich. Hier lassen sich an den Wänden als geologischem Schauobjekt im Querschnitt nicht nur eiszeitliche Schneckengehäuse finden, die bis zu 100 000 Jahre alt sind. Da treten auch Lösskindel wieder zutage, im Volksmund "Erdmännchen" genannt. Das sind knollig geformte kleine Kalkgebilde, die in der Erde durch Entkalkung und Wiederausfällung im Löss entstanden sind.

Dass Hohlwege ein wichtiger Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten sind, demonstrierte Ullrich eindrücklich vor Ort, auch in der anschließend durchwanderten Weilerberggasse. Hier leben seltene Insekten wie Solitärbienen oder Grabwespen, aber auch Vogelhöhlenbrüter.

Auch Pflanzen finden hier Unterschlupf, etwa der auf der roten Artenliste stehenden schatten- und feuchtigkeitsliebenden "Dornige Schildfarn". Den Hohlweg-Wanderern wurde eindrücklich klar, dass die noch verbliebenen, gefährdeten tiefen Gassen noch besser geschützt werden müssten. Da gibt es noch eine Gesetzeslücke. So hatte kürzlich ein Winzer, Anlieger der der Kahlenberggasse, nicht nur den wichtigen Pflanzenbewuchs an der oberen Kante seines Grundstücks wegrasiert, sondern per Baggereinsatz gründlich abgerundet. Ullrich hat dafür kein Verständnis. Abgesehen vom unbedachten und folgenreichen Eingriff: Damit habe sich der Anlieger selbst bestraft, denn an dieser Stelle würden künftig kräftige Erosionskräfte für Abbrüche sorgen und nicht nur eine Lücke im Hohlweg hinterlassen, sondern auf Dauer auch im angrenzenden Grundstück. Sowas sei nur schwer zu reparieren, so Ullrich.

Das zeige sich auch an einem anderen Ettenheimer Hohlweg, wo eine Winzerfamilie eigenmächtig eine Verbreiterung vorgenommen habe und später zurückbauen musste. Das Problem dabei: Eine originale Lössboden-Struktur lässt sich nicht einfach rekonstruieren. Darum wünscht sich Ullrich, dass die Stadt noch mehr Augenmerk auf die Erhaltung verbliebener Hohlwege auf ihrer Gemarkung legt, als ohnehin schon.

Das hatten, so die Einschätzung Ullrichs, auch schon Ortenauer Bürgermeister und Kreisräte samt Landrat bei einer von ihm geführten Wanderung vor Ort eingesehen.