Als das Fliegen laufen lernte

Katja Mielcarek

Von Katja Mielcarek

Sa, 17. Juli 2010

Hotzenwald

Vor 75 Jahren starteten erstmals Segelflieger vom Flugplatz Hütten / Im August wird zur Erinnerung ein Gedenkstein aufgestellt.

RICKENBACH-HÜTTEN. Ein dreiviertel Jahrhundert ist es her, dass beim heutigen Flugplatz Hütten der erste Segelflieger in die Luft ging. Im Gespräch mit der Badischen Zeitung erinnern sich Hermann Kramer und Alt-Bürgermeister Fridolin Thoma an die Anfänge des Luftsports im Hotzenwald.

"Ohne Fridolin Thoma gäbe es heute keinen Segelflug auf dem Hotzenwald", sagt Hermann Kramer, der Senior der Luftsportgemeinschaft Hotzenwald und mit 86 Jahren noch begeisterter Segelflieger. An den Anfängen aber war Thoma nicht direkt beteiligt: Genau am 6. Juni 1935 startete Erwin Sahner – genannt Gandhi – zu einem fast vierstündigen Flug mit dem Grunau Baby "Jasta 3" beim Müllersteinchen in Rüttehof. "Das war ein echter Naturbursche und ein leidenschaftlicher Segelflieger", erinnert sich Hermann Kramer, der Augenzeuge des ersten Fluges war. Die Jasta 3 war übrigens ein ehemaliges Jagdflugzeug, "Jasta" stand für Jagdstaffel. Bis dahin waren die Segelflieger der Region vor allem in Gersbach gestartet, wo es aber keinen Hang in Hauptwindrichtung gab. Die Flüge endeten in der Regel im Tal. Bis die Flugzeuge mit viel Muskelkraft dann wieder auf dem Berg bugsiert waren, vergingen einige Stunden. Überhaupt war das Fliegen damals noch viel schwieriger als heute – erst recht für die Flugschüler. "Die Flugzeuge hatten nur einen Sitz, das hieß, die Instruktionen vom Lehrer gab’s am Boden, in die Luft musste der Schüler alleine", erzählt Kramer. Bruchlandungen waren an der Tagesordnung.

Die Suche nach einer Alternative für Gersbach gestaltete sich schwierig: "Es musste eine möglichst ebene Fläche ohne Wald und Landwirtschaft mit guten Windverhältnissen sein und davon gab es nicht so viele." Hütten war in dieser Hinsicht auch nur bedingt geeignet, weil viele Felder in der Nähe der Landefläche waren und sich die Flugzeuge noch nicht so präzise steuern und vor allem landen ließen. "Da haben wir so manches Feld umgepflügt", schmunzelt Kramer. Da die Flieger mittlerweile unter dem Schutz des NS-Fliegerkorps standen, hatten die Landwirte kaum Möglichkeiten zu Gegenwehr. Aber ihre Begeisterung hielt sich natürlich in Grenzen als Anfang der 50er-Jahre nach einem zwischenzeitlichen Flugverbot in der Zeit der Entmilitarisierung der Segelflugsport wieder aufgenommen werden sollte. "Wir mussten einiges an Überzeugungsarbeit leisten", erinnert sich Fridolin Thoma, damals Bürgermeister der Gemeinde Hütten, der davon überzeugt war, der Segelflugsport sei ein Zugpferd für den Tourismus. Unermüdlich arbeitete er darauf hin, den Flugsport auf dem Hotzenwald wieder zu beleben und einen Flugplatz zu errichten. Unterstützung hatte er von Herwig Herzog, Schulleiter von Hütten (Kramer: "Wenn der irgendwo rausgeschmissen wurde, kam er zur Hintertür wieder rein.") und Christian Biser, dem Präsidenten der Baden-württembergischen Luftfahrtverbandes. Nach und nach konnte das nötige Gelände gekauft werden – zum Teil mit erheblichen Schwierigkeiten. Mit dem Bau der Halle wurde im Mai 1955 begonnen. Ein Teil des Geldes dafür kam von der Bundeswehr. Die bestand auf dem auch aus heutiger Sicht besonders großen Tor, um Hubschrauber einstellen zu können.

Zur Erinnerung an den ersten Segelflug von Hütten aus wird am 8. August ein Gedenkstein auf dem Flugplatz aufgestellt.