Seit 75 Jahren in der Luft

Kirsten Lux

Von Kirsten Lux

Di, 10. August 2010

Hotzenwald

Bei der Siegerehrung des 47. Hotzenwälder Segelflugwettbewerbs wurde an die Anfänge erinnert.

RICKENBACH-HÜTTEN. Für die Luftsportgemeinschaft Hotzenwald endete am Sonntag eine erfolgreiche Woche. Zum Abschluss der 47. Hotzenwälder Segelflugmeisterschaften wurden die Sieger in zwei Klassen gekürt. Zudem blickten die Segelfreunde auf "75 Jahre Segelflug am Hotzenwald" zurück: Ein neu aufgestellter Gedenkstein soll künftig an die Anfänge des Segelflugs auf dem Hüttener Gelände erinnern.

Der einzige noch lebende Zeitzeuge Hermann Kramer (Jahrgang 1924) schilderte die spannenden Tage im Februar 1935 aus seiner Erinnerung. Schon Ende der 1920er Jahre hatten sich ein paar junge Burschen aus Haagen bei Lörrach ein Heftchen mit dem Titel "Wie baue ich ein Gleitflugzeug" besorgt. "Um es gleich vorweg zu nehmen: Die hatten damals null Ahnung, doch die Begeisterung war bei allen vorhanden", erinnerte sich Kramer.

Leider missglückten die Flugversuche mit diesem Gleiter. Erst 1932 seien mit einem weiter entwickelten Fluggerät erste Erfolge an den Hängen von Gersbach gelungen. "Die blieben aber alle nicht lange genug oben, um von einem echten Segelflug sprechen zu können", beschrieb Hermann Kramer die Startschwierigkeiten.

Ein geeigneter Segelhang musste her. 500 Meter Höhenunterschied zwischen Talsohle und Hangkante, sieben Kilometer Länge zwischen Bärenfels und Eggberg − so musste es sein. Damit war das Gelände der heutigen Luftsportgemeinschaft Hotzenwald entdeckt. Die Männer der ersten Stunde waren Karl Müller und Erwin Sahner. Der Segler "Falke" war für ihren ersten Flug 1934 mit einer "kleinen Expedition" nach Rüttehof geschafft worden. Am Sonntag, 17. Februar, verhieß ein kräftiger Westwind Gutes für die kühnen Männer. Es sollte ihr Tag werden. Aber "der Transport zur Hangkante bei damals 30 Zentimetern Schnee war ein mühsames Geschäft", schilderte Kramer.

Der Wind wehte mit acht Metern in der Sekunde, das Thermometer zeigte vier Grad Minus, die Wolkenhöhe betrug 200 Meter über dem Hang. Alles ging glatt. Der "Falke" sei gleich nach dem Start wie ein Fahrstuhl nach oben gestiegen. "Die Freude der zurückgebliebenen Stammmannschaft war grenzenlos", erzählte Kramer. Der Pilot Erwin Sahner landete nach einer guten halben Stunde unweit der Hangkante bei Bergalingen. Im Juli 1936 gelang ihm dann der erste Überlandstreckenflug über 45 Kilometer.

Die Erben der Segelpioniere waren beim 47. Hotzenwald-Segelflugwettbewerb am Start. Flugleiter Detlef Barth zog bei der Siegerehrung am Sonntag ein positives Fazit: "Trotz des widrigen Wetters konnten an drei Flugtagen die gestellten Aufgaben von den Piloten gelöst werden". Jeweils mehr als 350 Kilometer legten die 20 Segelflieger in ihren unterschiedlichen Maschinen je Wettbewerbstag zurück. "Wir haben aus unseren Maschinen an Leistungsvermögen ’raus gekitzelt, was ging", versicherte Helge Loschan, Sieger in der Offenen Klasse. Und ein erleichterter Wettbewerbsleiter Karl Enggist versprach, im kommenden Jahr wieder nach Hütten zu kommen, "allerdings definitiv als Zuschauer".

Die Platzierungen: In der Offenen Klasse belegte Helge Loschan (LGH Wehr, 2945 Punkte mit einer Duo Discus T) den ersten Platz, gefolgt von Hanspeter Böhler (LGH Säckingen, 2773 Punkte mit einer Duo Discus) und Wolfgang Lange (LGH Maulburg, 2592 Punkte mit einer Duo Diskus T).

In der Standard-Klasse gewann Roman Misun (SG Dittingen, 2324 Punkte mit einer LS 4) vor seinem Bruder Patrick Misun (SG Dittingen, 2309 Punkte mit einer ASW 28) und Wolfgang Fischer (SFG Backnang, 2279 Punkte mit einer DG 300).