Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

09. Juli 2012 15:19 Uhr

BZ-Interview mit Schulleiter Matthias Auer

Auf dem Weg zur Gemeinschaftsschule

Am Dienstag, 10. Juli, findet um 19.30 Uhr in der Kaiserstuhlhalle in Ihringen eine Bürgerversammlung der Gemeinden Ihringen und Merdingen statt. Dabei geht es um die eventuelle Einführung einer Gemeinschaftsschule im Jahr 2013.

  1. Matthias Auer, Leiter der Ihringer Neunlindenschule Foto: Kai Kricheldorff

IHRINGEN/MERDINGEN (kff). Die Bevölkerung, insbesondere die Eltern von Grundschul- und Kindergartenkindern, sind dazu eingeladen. Im Vorfeld sprach BZ-Mitarbeiter Kai Kricheldorff mit Matthias Auer, Rektor der Neunlindenschule in Ihringen.

BZ: Kommt die Gemeinschaftsschule jetzt als eine Reaktion auf sinkende Schülerzahlen?

Auer: Vorrangig ist die Gemeinschaftsschule mit der Umsetzung eines veränderten Unterrichtskonzepts und einer neuen Lernkultur verbunden sowie mit der Einführung der Ganztagsschule. Sicher haben auch die rückläufigen Schülerzahlen in unserer Hauptschule die Schulträger bewogen, die Gemeinschaftsschule als alternative Schulform für Ihringen und Merdingen anzubieten. Damit bleibt Ihringen als Schulstandort zukunftsfähig.



BZ: Welche konzeptionellen Veränderungen wird es an der Schule geben?

Auer: Das neue Unterrichtskonzept stellt das eigenverantwortliche und individuelle Lernen in den Mittelpunkt. Dafür brauchen die Schüler Raum, Zeit und anregendes Material. Sie sollen Kompetenzen erwerben, anstatt nur Wissen vermittelt zu bekommen. Diese Lernkultur ermöglicht es, dass für jeden Schüler der Gemeinschaftsschule der bestmögliche Bildungsabschluss erreicht wird. Lehrer werden zu Lernbegleitern, die mit Schülern und Eltern in engerem Austausch als bisher stehen werden. Darüber hinaus schließt das Konzept die Inklusion mit ein, das heißt die Aufnahme behinderter Kinder in die Klassengemeinschaft.

Werbung




BZ: Der Klassenverband wird dann bis zum Abschluss der 10. Klasse bestehen bleiben?

Auer: Das sehen wir als weiteren großen Vorteil der Gemeinschaftsschule, denn so kann die pädagogische Begleitung durch Lehrerinnen und Lehrer intensiver und nachhaltiger erfolgen.



BZ: Bleibt die Entscheidungsfreiheit für die Eltern bestehen, ihre Kinder auch schon vor Ende des 10. Schuljahres auf eine weiterführende Schule ihrer Wahl zu schicken?

Auer: Diese Möglichkeit bleibt uneingeschränkt bestehen, da die Inhalte aller Bildungsstandards vermittelt und Lehrkräfte aller Schularten an der Gemeinschaftsschule unterrichten werden.



BZ: Welche Informationen zu diesem Thema dürfen Eltern bei der heutigen Bürgerversammlung in der Kaiserstuhlhalle erwarten?

Auer: Wir erläutern das Konzept der Gemeinschaftsschule und haben als Referenten den Rektor der Alemannenschule in Wutöschingen eingeladen. Sie gehört zu den Starterschulen in Baden-Württemberg, die bereits im September, also ein Jahr vor uns, mit der Einführung der Gemeinschaftsschule beginnen werden. Der Kollege wird aus eigener Anschauung schildern, wie die neue Lernkultur an seiner Schule umgesetzt wird, und ich werde die Umstellung der Schulform an der Neunlindenschule und die dazu notwendigen Vorbereitungen erläutern.



BZ: Schon jetzt gibt es sowohl in Ihringen als auch in Merdingen Schüler, die zum Unterricht in die jeweils andere Gemeinde fahren müssen. Wird sich diese Situation verändern?

Auer: Schon im kommenden Schuljahr werden die Klassen 5 bis 9 der Hauptschule gemeinsam in Ihringen unterrichtet, da die Außenklasse an der Grundschule Merdingen auf Grund der geringen Schülerzahlen nicht weitergeführt werden kann. Für die Gemeinschaftsschule wird Ihringen der alleinige Schulstandort sein.

Weitere Infos zu dem Thema gibt es unter http://www.neunlinden-schule.de

Gemeinschaftsschule

Die Einführung der Gemeinschaftsschule in Baden-Württemberg ist ein Projekt der Landesregierung, das zu Schuljahresbeginn 2012 in rund 40 "Starterschulen" aufgenommen wird. Ein Maximum an individuellem und ein Optimum an gemeinsamem Lernen gehören zur Zielsetzung der Gemeinschaftsschule, in der jedes Kind die bestmögliche Förderung bekommen und den optimalen Schulabschluss erreichen soll. Das gilt auch für Kinder mit Behinderungen. Gemeinschaftsschulen setzen das Konzept der Inklusion um. Mit ihrer Einführung werden die weitgehende Entkoppelung von Herkunft und Bildungserfolg und die Einbeziehung der Eltern in eine aktive Erziehungspartnerschaft angestrebt. Menschliche Unterschiede sollen als Bereicherung erlebt und das Verständnis von Demokratie im schulischen Alltag gefördert werden.

Matthias Auer

Der Rektor der Ihringer Neunlindenschule ist seit 1984 Lehrer. Bis 1991 arbeitete er in der Nähe von Stuttgart an einer Grund- und Hauptschule. Danach wechselte er nach Ihringen, wo er 1999 stellvertretender Schulleiter und 2007 Rektor wurde. Auer unterrichtet in Ihringen im Grund- und Hauptschulbereich Mathematik sowie den Fächerverbund Mensch, Kultur und Natur. Zudem leitet er den Grundschulchor.

Autor: kff